Seevögel ändern Flugrouten an Offshore-Windpark

Vor der chinesischen Küste von Zhejiang verändern Seevögel ihr Flugverhalten in unmittelbarer Nähe eines Offshore-Windparks. Forscher verfolgten dafür 2023 drei adulte Zügelseeschwalben nahe ihrer Brutkolonie und werteten hochaufgelöste Satellitendaten aus. Die am 29. Juli 2026 veröffentlichte Studie zeigt stärkere Kursänderungen und niedrigere Flughöhen bei Flügen direkt auf Hindernisse zu. Entscheidend war dabei weniger die reine Entfernung als die Ausrichtung der Flugbahn auf die Anlagen. Mögliche zusätzliche Energiekosten könnten die Tiere belasten, jedoch weist die kleine Stichprobe keine Folgen für die gesamte Population nach.


Seevögel verändern Flugroute und Flughöhe nahe Windrädern

Die untersuchten Tiere brüteten auf der Insel Youbeng im Kreis Xiangshan. Dort liegt der Windpark Xiangshan No. 1 mit 41 Turbinen und 254,2 Megawatt Gesamtleistung. Die nächstgelegene Anlage steht dabei rund 800 Meter vom Zentrum der Brutkolonie entfernt. Die Sender erfassten Flugbewegungen während der Brutzeit zwischen Juli und September 2023.

Seevögel verändern nahe Offshore-Windrädern Flugroute und Flughöhe. Eine neue Studie zeigt messbare Ausweichreaktionen während der Brutzeit
Seevögel verändern nahe Offshore-Windrädern Flugroute und Flughöhe. Eine neue Studie zeigt messbare Ausweichreaktionen während der Brutzeit
Bild: Shutterstock

Besonders deutlich reagierten die Seevögel bei einer direkten Annäherung an ein Hindernis. Mit stärkerer Ausrichtung auf die Anlage nahm die Kursänderung statistisch messbar zu. Gleichzeitig sank die Flughöhe. Je Grad geringerer Winkelabweichung stieg die mittlere Kursänderung um 0,38 Grad. Außerdem verringerte sich die Höhe rechnerisch um 0,41 Meter.

Entfernung allein erklärt die Reaktion nicht

Der Offshore-Windpark führte jedoch nicht automatisch bei jeder Annäherung zu denselben Reaktionen. Die Forscher fanden keinen einfachen linearen Zusammenhang zwischen Abstand und sämtlichen untersuchten Flugparametern. Entscheidend war vielmehr, ob die Flugrichtung tatsächlich auf ein Hindernis zulief. Damit unterscheidet die Untersuchung zwischen räumlicher Nähe und einer konkreten Begegnungssituation.

Aktuelle Untersuchungen aus Europa zeigen ebenfalls starke Unterschiede zwischen einzelnen Vogelarten. Forscher verfolgten bei Neeltje Jans in den Niederlanden 58 Heringsmöwen mit GPS-Sendern. Die Tiere mieden den dortigen Windpark deutlich, und dieser Effekt ließ sich nicht allein durch Fischerei erklären. Außerdem flogen männliche Tiere häufiger durch den Windpark als weibliche.

Auswirkungen unterscheiden sich je nach Vogelart

Ein norwegisches Modell zeigt deshalb, wie schwierig pauschale Aussagen über Offshore-Windkraft und Seevögel sind. Bei Trottellummen prognostizierten die Forscher für hypothetische Windparks erhebliche Verdrängung aus wichtigen Lebensräumen. Bei Dreizehenmöwen blieb das modellierte Kollisionsrisiko dagegen sehr niedrig. Flughöhe, Nahrungssuche und artspezifisches Verhalten bestimmen somit wesentlich die möglichen Folgen.

Die chinesische Untersuchung liefert daher vor allem Hinweise auf kleinräumige Verhaltensanpassungen. Drei untersuchte Tiere reichen jedoch nicht aus, um Auswirkungen auf den gesamten Bestand zu bestimmen. Die Studie erfasste außerdem weder tatsächliche Kollisionszahlen noch einen gemessenen zusätzlichen Energieverbrauch. Deshalb müssen größere Untersuchungen klären, ob wiederholte Umwege Fortpflanzung oder Überlebenschancen beeinflussen.


Flugkorridore könnten bei der Planung wichtiger werden

Für künftige Offshore-Windparks könnte die räumliche Planung eine größere Rolle spielen. Flugkorridore zwischen Brutplätzen und Nahrungsgebieten sollten deshalb neben reinen Mindestabständen berücksichtigt werden. Untersuchungen aus der Nordsee zeigen allerdings bisher kein einheitliches Bild zur Wirksamkeit breiterer Korridore zwischen Turbinen.

Die aktuellen Ergebnisse sprechen deshalb für artspezifische Prüfungen statt pauschaler Annahmen. Windräder können einzelne Arten zur Meidung oder zu Ausweichbewegungen veranlassen, während andere deutlich schwächer reagieren. Entscheidend bleiben daher Standort, Flugroute, Flughöhe und Verhalten der jeweiligen Art.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Wiley (29.07.26)Research Institute Nature and Forest (Stand: 13.08.26)Journal of Animal Ecology (08.06.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen