Ökostrom-Rekord 2025: Verbraucher zahlen Milliarden für Strom zur falschen Zeit

Deutschland erreichte 2025 einen hohen Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch, doch die Energiewende zeigt ihre teuerste Schwäche im laufenden Betrieb. Der Ökostrom-Rekord beschreibt nur eine Jahresbilanz, während Erzeugung und Bedarf nicht ständig zusammenpassen. Deshalb gab es 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen, 9,379 Terawattstunden abgeregelten erneuerbaren Strom und rund 3,071 Milliarden Euro Kosten für Netzengriffe. Die Folgen treffen Verbraucher, Netzbetreiber und Unternehmen, weil Jahresanteile ein funktionierendes System suggerieren, aber keine Aussage über Bedarf, Marktwert und Verfügbarkeit zur jeweiligen Einspeisezeit liefern.


Rekord bei Ökostrom – Jahresbilanz verdeckt das Problem

In der Jahresbilanz lieferten erneuerbare Energien 2025 mehr als 55 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. Diese Zahl wirkt stark, jedoch beschreibt sie nur eine rechnerische Jahresgröße. Sie sagt nicht, ob Strom zur Einspeisezeit gebraucht wurde. Genau dort liegt der zentrale Fehler vieler Bilanzen, die in den >Medien als Erfolg der Energiewende gewertet werden.

Rekord beim Ökostrom 2025: Negative Preise, Abregelung und Importe zeigen die Probleme der deutschen Energiewende
Rekord beim Ökostrom 2025: Negative Preise, Abregelung und Importe zeigen die Probleme der deutschen Energiewende
Bild: Shutterstock

Im Stromnetz zählt keine Jahresrechnung, sondern das laufende Gleichgewicht. Erzeugung und Verbrauch müssen in Echtzeit zusammenpassen. Wenn Wind und Sonne mehr liefern als das System aufnehmen kann, entsteht kein zusätzlicher Nutzen. Dann entstehen Kosten, obwohl rechnerisch viel Strom vorhanden ist.

Negative Preise zeigen Strom ohne ausreichenden Marktwert

Der deutsche Strommarkt machte diese Schieflage 2025 sichtbar. In 573 Stunden fiel der Großhandelspreis unter null. Im Jahr 2024 waren es 457 Stunden. Der Rekord bei negativen Preisen zeigt, dass viel Strom nicht automatisch wertvoll ist.

Negative Preise entstehen, wenn ein hohes Angebot auf schwache Nachfrage trifft. Dazu kommen zu wenig Speicher, begrenzte Leitungen und kaum flexible Verbraucher. Deshalb kann Strom zur falschen Zeit seinen Marktwert verlieren. In solchen Stunden wird aus Erzeugung ein Kostenproblem.

Teure Knappheitsstunden verschärfen die Bilanz

Deutschland hatte 2025 nicht nur Überschüsse, sondern auch teure Knappheitsphasen. In 40 Stunden lagen die Preise über 300 Euro je Megawattstunde. Diese Spitzen entstehen, wenn wetterabhängige Einspeisung nicht ausreicht. Dann müssen Importe oder teurere Kraftwerke den Bedarf decken.

Deshalb führen Jahresdurchschnitte in die Irre. Billige Exportstunden und teure Importstunden haben unterschiedliche Marktwerte. Deutschland importierte 2025 rund 76,2 Terawattstunden Strom und exportierte 54,3 Terawattstunden. Der Nettoimport von 21,9 Terawattstunden erklärt jedoch nicht die tatsächlichen Kosten.

Abregelung macht die Systemgrenze sichtbar

Besonders deutlich wird das Problem bei der Abregelung. 2025 konnten rund 9,379 Terawattstunden erneuerbarer Strom nicht eingespeist werden. Dieser Strom war technisch verfügbar, konnte jedoch nicht sinnvoll genutzt werden. Ursache waren Netzengpässe, fehlende Aufnahmefähigkeit oder fehlende zeitgleiche Nachfrage.

Die Entschädigungen für abgeregelte erneuerbare Anlagen lagen bei rund 433 Millionen Euro. Das gesamte Netzengpassmanagement kostete rund 3,071 Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen, dass Ökostrom ohne passende Infrastruktur teuer werden kann. Außerdem zeigen sie, dass Erzeugung allein keine Versorgungssicherheit schafft.


Netzausbau bleibt der teure Engpass

Die Bundesnetzagentur startete im Juni 2026 die Konsultation zum Netzentwicklungsplan Strom. Die Übertragungsnetzbetreiber schlugen 159 Ausbaumaßnahmen vor. Die Behörde hält aktuell 118 Maßnahmen für bestätigungsfähig. Das zeigt, wie groß der Nachholbedarf im Netz bleibt.

Auch der Fortschrittsmonitor Energiewende 2026 nennt Netze, Speicher und steuerbare Leistung als zentrale Baustellen. Deshalb reicht mehr Photovoltaik allein nicht aus. Der Rekord beim Ökostrom hilft nur, wenn der Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist. Sonst steigen Eingriffe, Abregelung und Preisschwankungen weiter.

Jahresbilanz ersetzt keine ehrliche Kostenbilanz

Viele Meldungen nennen hohe Ökostromanteile und blenden die zeitliche Verwertung aus. Sie zeigen selten, ob Strom zur jeweiligen Zeit der Erzeugung auch gebraucht wurde. Auch die Kosten negativer Preise erscheinen nicht sauber getrennt. Aus den öffentlich zugänglichen Jahresdaten lässt sich deshalb nicht exakt nachrechnen, welche Kosten durch Negativpreisstunden tatsächlich entstanden sind. Dafür wären zeitgenaue Daten zu Strommengen, Preisen, Exporten, Importen, Vergütungen, Speichern und Abregelungen nötig. Bemerkenswert ist, dass genau diese Lücke in vielen Darstellungen kaum eine Rolle spielt und gar keine Erwähnung findet. Aber genau hier liegt der Grund, dass Ökostrom nicht wie von der Politik seit Jahren versprochen, nicht billiger sondern eher teurer wird.

Eine ehrliche Bilanz müsste Erzeugung, Bedarf, Preise, Importe, Exporte und Abregelung zeitgenau zusammenführen. Nur dann wird sichtbar, wann erneuerbarer Strom das System entlastet. Ebenso wird sichtbar, wann er Folgekosten auslöst. Ohne diese Daten bleibt die deutsche Stromwende wirtschaftlich unvollständig beschrieben.

Verfasser: Blackout News (KOB)
Verwendete Quellen: Welt (17.06.26)Windkraft Journal (16.06.26)Bundesnetzagentur (12.06.26)Deutscher Bundestag (Stand: 22.06.26)Bundesnetzagentur (30.03.26)Bundesnetzagentur (05.01.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen