Deutschland zahlt Ausland für Solarstrom-Abnahme bis zu 88 Cent pro KWh

Deutschland zahlte Ende April 2026 zeitweise hohe Beträge, damit das Ausland überschüssigen Solarstrom und weitere Strommengen abnahmen. Der Börsenpreis fiel in der Spitze auf einen Negativpreis von minus 48 Cent pro Kilowattstunde. Gleichzeitig erhielten Betreiber älterer Solaranlagen teils bis zu 40 Cent Einspeisevergütung. Dadurch konnten rechnerisch bis zu 88 Cent je Kilowattstunde anfallen. Auslöser waren starke Photovoltaik-Einspeisung, zusätzliche Windleistung und geringe Nachfrage. Der entscheidende Risikofaktor liegt in fehlenden Speichern, trägen Netzen und zu wenig flexiblen Verbrauchern. Die Kosten landen über Steuern, Netzentgelte und Strompreisbestandteile bei Bürgern und Unternehmen. Netzbetreiber müssen immer häufiger eingreifen, um Überlastungen zu verhindern. Bleibt das Problem ungelöst, steigt das Risiko gezielter Abschaltungen in einzelnen Netzbereichen (welt: 30.04.26)


Solarstrom treibt Negativpreise nach unten

Der Preissturz zeigt ein strukturelles Problem, denn Strom braucht jederzeit Abnehmer. Der Börsenpreis rutschte in der Spitze auf minus 48 Cent je Kilowattstunde. Käufer bekamen damit nicht nur Energie kostenlos. Sie erhielten zusätzlich Geld für die Abnahme.

Zu viel Solarstrom treibt Kosten hoch: Deutschland zahlt bis zu 88 Cent je kWh, damit das Ausland überschüssigen Strom abnehmen
Zu viel Solarstrom treibt Kosten hoch: Deutschland zahlt bis zu 88 Cent je kWh, damit das Ausland überschüssigen Strom abnehmen

Gleichzeitig liefen Vergütungen für viele Solaranlagen weiter. Betreiber konnten deshalb teils bis zu 40 Cent je Kilowattstunde erhalten. Zusammen ergeben Marktminus und Förderung bis zu 88 Cent rechnerische Kosten. Diese Summe zeigt, wie teuer überschüssiger Solarstrom durch den unkontrollierten Zubau mittlerweile geworden ist.

Ausland profitiert von deutschen Überschüssen

Nachbarländer konnten den deutschen Überschuss nutzen, während Deutschland dafür zahlte. Österreich und die Schweiz speicherten Strom etwa über Pumpspeicherwerke. Sie pumpten Wasser in höher gelegene Becken. Später können sie daraus wieder Strom erzeugen und diesen bei Unterdeckung im Stromnetz wieder teuer an uns erkaufen.

Für Deutschland entsteht dadurch kein Vorteil, sondern eine teure Ausweichlösung. Der Export entlastet das Netz nur kurzfristig. Zugleich bleiben die Kosten im deutschen System. Deshalb zahlen Verbraucher und Steuerzahler für eine Erzeugung, die zum falschen Zeitpunkt anfällt.


Netzrisiken wachsen mit jedem Überangebot

Die Netzbetreiber müssen Erzeugung und Verbrauch ständig ausgleichen. Zu viel Einspeisung kann regionale Netzbereiche überlasten. Deshalb greifen Betreiber häufiger ein. Sie regeln Anlagen ab, verschieben Lasten oder sichern Reserven.

Diese Eingriffe kosten Geld und nehmen weiter zu. Im Sommer steigt die Solarproduktion zusätzlich. Ohne Speicher und flexible Nachfrage kann Solarstrom erneut massive Negativpreise auslösen. Dann drohen noch höhere Systemkosten und schärfere Eingriffe in das Netz.

Förderregeln geraten in den Fokus

Die Debatte dreht sich deshalb um Speicher, Smart Meter und steuerbare Anlagen. Dynamische Stromtarife helfen nur, wenn Verbraucher sie technisch nutzen können. Dafür fehlen vielerorts intelligente Zähler. Auch große Speicher stehen noch nicht in ausreichender Zahl bereit.

Die Politik prüft daher neue Regeln für die Förderung kleiner Solaranlagen. Neue Anlagen sollen stärker auf Marktpreise reagieren. Außerdem muss der Ausbau an Speicher und Netze gekoppelt werden. Sonst zahlt Deutschland weiter dafür, überschüssigen Solarstrom loszuwerden.

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