Hitzewelle treibt Strompreis über 1.000 Euro: Europas Importländer geraten an ihre Grenzen

In mehreren europäischen Strommärkten sind die Börsenpreise am Dienstagabend, 23. Juni 2026, während einer Hitzewelle auf extreme Werte gestiegen. Belgien erreichte in der Spitze 1.038,25 Euro je Megawattstunde. Deutschland kam auf 747,10 Euro. Die Niederlande lagen bei 902,47 Euro, während Dänemark 786,83 Euro erreichte. Auslöser waren hoher Kühlstrombedarf, schwacher Wind und der Rückgang der Solarleistung nach Sonnenuntergang. Entscheidend war jedoch die knappe eigene abrufbare Kraftwerksleistung in diesen Märkten. Frankreich und die Schweiz konnten den fehlenden Strom wegen ihres eigenen gestiegenen Bedarfs nicht vollständig durch Exporte ausgleichen.


Warum die Hitzewelle den Strommarkt am Abend traf

Die Preisspitze entstand nicht durch einen einzelnen Kraftwerksausfall im Ausland. Sie entstand, weil Angebot und Nachfrage in der Abendspitze eng zusammenrückten. Tagsüber lieferten Solaranlagen viel Strom. Am Abend brach diese Einspeisung jedoch schnell weg. Zugleich blieb der Bedarf durch Klimaanlagen, Kühlung, Gewerbe und Haushalte hoch.

Zu wenig eigene Kraftwerkskapazität: Hitzewelle treibt Strompreise in importabhängigen Ländern stark nach oben
Zu wenig eigene Kraftwerkskapazität: Hitzewelle treibt Strompreise in importabhängigen Ländern stark nach oben
Bild: Shutterstock

Besonders anfällig zeigten sich Länder mit hohem Anteil wetterabhängiger Erzeugung und wenig gesicherter Leistung. Deutschland hat seine Kernkraftwerke abgeschaltet und will aus der Kohleverstromung aussteigen. Belgien hat einen großen Teil seiner Kernkraftkapazität stillgelegt. Dänemark nutzt keine Kernkraft und reduziert fossile Reserveleistung. Auch die Niederlande planen den Kohleausstieg, obwohl sie inzwischen wieder neue Kernkraftwerke prüfen.

Frankreich und die Schweiz konnten weniger exportieren

Frankreich und die Schweiz standen nicht vor einem eigenen Versorgungsproblem. Beide Länder konnten ihre eigene Nachfrage decken. Genau deshalb muss die Kausalität sauber bleiben. Die Knappheit lag vor allem in den Importländern. Frankreich und die Schweiz konnten jedoch wegen höherem Eigenbedarf nicht genug zusätzlichen Strom exportieren.

In Frankreich schaltete EDF den Reaktor Golfech 2 am 22. Juni um 23.45 Uhr ab. Grund war die hohe Temperatur der Garonne. Es ging deshalb um Umweltauflagen für Kühlwasser, nicht um einen technischen Defekt. Golfech 1 stand bereits seit Mai wegen Wartung und Brennelementwechsel still. Außerdem drosselte EDF weitere Reaktoren, damit warme Flüsse nicht zusätzlich belastet werden.

Importstrom kommt in Engpässen oft aus politisch abgebauten Quellen

Die Hitzewelle zeigte den Grundkonflikt des europäischen Strommarkts. Länder mit wenig eigener gesicherter Leistung verlassen sich in kritischen Stunden auf Nachbarn. Dieser Handel senkt in normalen Stunden Kosten und stabilisiert Netze. In Engpasslagen schrumpft der Importpuffer jedoch schnell. Dann zählt nicht die Jahresbilanz, sondern verfügbare Leistung zur richtigen Stunde.

Gerade bei einer Hitzewelle stammt der fehlende Strom oft aus Quellen, die national politisch reduziert wurden oder verschwinden sollen. Dazu zählen Kernkraft, Kohle, Gas und Wasserkraft. Der Widerspruch liegt offen: Im Inland sinkt steuerbare Kraftwerksleistung, während der Bedarf im Ernstfall auf Nachbarländer verlagert wird. Wenn diese Länder selbst mehr Strom brauchen, reicht ihre Exportleistung nicht für alle Importwünsche.


Die Preisspitze trifft Industrie schneller als Haushalte

Haushalte mit Festpreisvertrag spüren solche Ausschläge meist nicht sofort. Versorger kaufen Strom oft langfristiger ein, deshalb glätten feste Tarife kurzfristige Marktspitzen. Kunden mit dynamischen Tarifen tragen diese Schwankungen jedoch direkter. Sie sollten flexible Lasten deshalb aus teuren Abendstunden heraus verlagern.

Für Industrie und große Stromkunden fallen solche Preissprünge schwerer ins Gewicht. Viele Betriebe kaufen näher am Spotmarkt ein, deshalb treffen Abendspitzen ihre Kosten direkter. Die Episode zeigt außerdem eine strukturelle Lücke: Der Ausbau wetterabhängiger Erzeugung ersetzt keine gesicherte Leistung. Ohne Speicher, flexible Lasten und abrufbare Kraftwerke bleiben solche Preissprünge wahrscheinlicher.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Montel News (23.06.26)EDF Group (23.06.26)Le Monde (24.06.26)The Brussels Times (23.06.26)Wellinglichten Kringen (23.06.26)EnergiFyn (23.06.26)

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