8.547 Systeme von Wind- und Solarparks nahezu ungeschützt im Netz

8.547 digitale Systeme von Wind- und Solarparks in Europa sind über das öffentliche Internet erreichbar und damit potenzielle Ziele für Cyberangriffe. Forscher von Modat und dem niederländischen NCSC fanden die Systeme in 35 Ländern. Bei rund 181 Standorten könnte ein erfolgreicher Eindringling nach Einschätzung der Forscher sogar weitreichende Kontrolle über die Anlagen erlangen. Deutschland zählt 884 eindeutig zugeordnete Treffer. Angreifer könnten Anlagen stoppen, neu starten oder Betriebsabläufe manipulieren. Damit reicht das Sicherheitsproblem unmittelbar bis in die Stromerzeugung.

8.547 Systeme von Wind- und Solarparks sind offen im Netz erreichbar. Teilweise reichen die Zugänge bis tief in die Anlagensteuerung
8.547 Systeme von Wind- und Solarparks sind offen im Netz erreichbar. Teilweise reichen die Zugänge bis tief in die Anlagensteuerung‘
Symbolbild: KI-generiert

Wind- und Solarparks teilweise direkt steuerbar

Die Forscher fanden 7.942 Systeme von Solarparks und 605 von Windparks. Dabei ging es nicht nur um öffentlich sichtbare Informationsseiten. Einige Bedienoberflächen zeigten Produktionsdaten, Anlagenzustände und Steuerfunktionen. Bei mindestens einem Windsystem waren Befehle für Start, Stopp und Neustart erreichbar. Andere Systeme verwalteten mehrere Turbinen oder komplette Parks.

Damit kann ein kompromittierter Zugang mehr als eine einzelne Anlage betreffen. Ein Angreifer könnte über zentrale Steuerungen mehrere Erzeugungseinheiten gleichzeitig beeinflussen. Besonders gefährlich wäre deshalb ein koordinierter Angriff auf zahlreiche Standorte. Fallen größere Leistungen gleichzeitig weg, müssen Netzbetreiber das entstehende Ungleichgewicht innerhalb kürzester Zeit ausgleichen. Wie viel Leistung insgesamt betroffen sein könnte, nennen die Forscher allerdings nicht.


Deutschland mit 884 offen erreichbaren Systemen

Deutschland fällt insbesondere bei der Windkraft auf. Hier fanden die Forscher 212 offen erreichbare Systeme und damit mehr als in jedem anderen untersuchten Land. Hinzu kommen 672 Systeme von Solarparks. Spanien führt bei Solarenergie mit 2.766 Treffern, während Griechenland auf 1.860 kommt. Die Untersuchung dokumentiert damit eine erhebliche digitale Angriffsfläche in der europäischen Stromerzeugung.

Die 8.547 Treffer entsprechen allerdings nicht 8.547 einzelnen Kraftwerken. Erfasst wurden Steuerungs- und Verwaltungssysteme, die konkreten Wind- und Solarparks zugeordnet werden konnten. Ein einziges System kann mehrere Anlagen gleichzeitig verwalten. Deshalb lässt sich aus der Zahl der Treffer nicht direkt auf die gefährdete Leistung schließen. Die tatsächliche Reichweite einzelner Zugänge kann jedoch erheblich größer sein.

Cyberangriff könnte Erzeugungsleistung gleichzeitig abschalten

Für die Stabilität des Stromnetzes ist nicht der Ausfall einer einzelnen Anlage entscheidend. Kritisch wird es, wenn viele Anlagen gleichzeitig aus der Erzeugung genommen werden. Dann verändern sich Stromangebot und Netzfrequenz innerhalb kurzer Zeit. Netzbetreiber müssen deshalb Regelenergie und weitere Reserven aktivieren. Je größer der Leistungssprung ausfällt, desto schwieriger wird die Stabilisierung.

Dass solche Angriffe real sind, zeigte Polen Ende Dezember 2025. Cyberangriffe trafen dort mindestens 30 Wind- und Solarparks sowie weitere Anlagen des Energiesektors. Bei mehreren Standorten brach die Kommunikation mit den Verteilnetzbetreibern ab. Die Stromproduktion lief zwar weiter, sodass es nicht zum Stromausfall kam. CERT Polska stellte jedoch fest, dass der erreichte Zugriff grundsätzlich auch Eingriffe in die Erzeugung ermöglicht hätte.


Offene Zugänge machen Stromerzeugung zum Angriffsziel

Die Forscher veröffentlichten weder IP-Adressen noch konkrete Standorte der betroffenen Anlagen. Stattdessen informierten sie Betreiber und nationale Sicherheitsstellen. Doch das grundsätzliche Problem bleibt bestehen. Steuerungs- und Verwaltungssysteme kritischer Energieanlagen sind teilweise direkt über das öffentliche Internet erreichbar. Solche Systeme lassen sich mit automatisierten Suchverfahren in kurzer Zeit auffinden.

Nicht jeder gefundene Zugang lässt sich ohne Passwort oder weitere Sicherheitslücke übernehmen. Dennoch sollten Steuerungssysteme der Stromerzeugung nicht frei aus dem Internet erreichbar sein. Mit dem Ausbau vernetzter Wind- und Solarparks wächst deshalb nicht nur die installierte Leistung, sondern auch die digitale Angriffsfläche. Fernsteuerbarkeit erleichtert Betrieb und Wartung, schafft jedoch gleichzeitig neue Angriffsmöglichkeiten. Ohne konsequente Abschottung können aus einzelnen IT-Schwächen Risiken für die Stromversorgung entstehen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: PV-Magazine (07.10.26) – MODAT (06.10.26) – Golem (07.10.26) – Reuters (06.10.26)

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