Brüssel verschärft den Ausstieg aus russischem Gas, denn ein Kommissionsschreiben verbietet EU-Unternehmen ab 2027 auch den Handel mit russischem LNG für Drittstaaten. Das EU-Verbot folgt auf den politischen Bruch mit Moskau nach dem Angriff auf die Ukraine. Betroffen sind Sefe aus Berlin, TotalEnergies und Naturgy. Sie besitzen langfristige Verträge mit dem Yamal-Projekt in der russischen Arktis. Bisher galt der Weiterverkauf nach Asien als Ausweichroute. Nun drohen Vertragsstreit, Zahlungsverpflichtungen und geringerer Spielraum am Gasmarkt.
EU-Verbot schließt den Weiterverkauf aus
Die Kommission stellt klar, dass der Zielhafen keine Rolle spielt. Denn entscheidend ist der Sitz des Unternehmens in der EU. Damit fällt auch ein Verkauf nach China, Indien oder andere Märkte aus. Für Händler endet deshalb die Möglichkeit, russische LNG-Ladungen außerhalb Europas zu platzieren.

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Das EU-Verbot trifft besonders Unternehmen mit Altverträgen. Diese Verträge laufen teils weit über 2027 hinaus. Außerdem enthalten sie oft Abnahme- und Zahlungspflichten. Käufer können sich deshalb nicht ohne weiteres aus den Lieferbeziehungen lösen.
Sefe rückt wegen Yamal-Vertrag in den Fokus
Sefe hat für Deutschland besonderes Gewicht, weil der Konzern aus der früheren Gazprom Germania hervorging. Nach der Energiekrise übernahm der Staat die Kontrolle. Das Unternehmen zählt heute zu den großen Gasimporteuren Europas. Deshalb besitzt jede Änderung am Yamal-Vertrag politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Sefe erklärte, man werde die europäischen Vorgaben einhalten. Gleichzeitig kann der Konzern auf höhere Gewalt verweisen. Diese Argumentation dürfte jedoch juristisch heikel bleiben. Denn Lieferanten können Entschädigung verlangen, wenn Abnehmer vertraglich zugesagte Mengen nicht übernehmen.
Milliardenrisiken treffen auch TotalEnergies und Naturgy
Auch Naturgy steht vor hohen Belastungen. Der spanische Konzern bezifferte betroffene Kaufverpflichtungen auf 10,95 Milliarden Euro. Weil der Vertrag langfristig läuft, entsteht ein erheblicher Konflikt zwischen EU-Recht und Liefervertrag. Das EU-Verbot verschärft deshalb den Druck auf Neuverhandlungen mit Yamal LNG.
TotalEnergies besitzt außerdem eine Beteiligung am Yamal-Projekt. Der französische Konzern kauft dort ebenfalls LNG. Konzernchef Patrick Pouyanné verlangte bereits Klarheit von den Behörden. Sollte der Weiterverkauf wegfallen, kann ein Rückzug aus dem Projekt wirtschaftlich näher rücken.
Gasmarkt verliert ab 2027 weitere Flexibilität
Für den europäischen Gasmarkt sinkt der Handlungsspielraum. Zwar ersetzt Europa russisches Gas zunehmend durch LNG aus anderen Ländern. Doch langfristige Verträge verschwinden nicht automatisch. Deshalb können rechtliche Konflikte die Kosten für einzelne Importeure erhöhen.
Für deutsche Kunden folgt daraus nicht sofort ein Versorgungsengpass. Allerdings wächst die Abhängigkeit von alternativen Lieferanten. Dazu zählen die USA, Katar, Norwegen und Kanada. Außerdem wird jede neue LNG-Ladung wichtiger, wenn Europa russische Mengen vollständig ersetzt.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Berliner Zeitung (19.06.26) – Reuters (18.06.26) – EU Today (19.06.26) – Energy News (19.06.26) – Wallstreet-Online (19.06.26)
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