EU kürzt Netzpläne für grenzüberschreitenden Netzausbau

Die EU hat am 26. Juni 2026 in Luxemburg ihre Netzpläne für den grenzüberschreitenden Netzausbau abgeschwächt und die vorgesehene gemeinsame Finanzierung gekürzt. Auslöser war der Widerstand mehrerer Mitgliedstaaten gegen den Zugriff auf nationale Engpasserlöse, besonders aus Schweden. Der Kompromiss sieht dennoch mehr zentrale Planung für Stromleitungen vor, weil erneuerbare Energien, Rechenzentren und Elektroautos die Netze stärker belasten. Entscheidend bleibt jedoch die Finanzierung, denn alte Leitungen bremsen Stromflüsse zwischen Regionen und Staaten. Für Verbraucher und Industrie drohen deshalb weiterhin hohe Netzkosten, regionale Preisunterschiede und Verzögerungen bei wichtigen Verbindungsleitungen.


EU lässt Staaten mehr Engpasserlöse

Die EU-Kommission wollte ursprünglich 25 Prozent nicht genutzter Engpasserlöse für europäische Infrastrukturprojekte reservieren. Die Energieminister schwächten diesen Zugriff jedoch deutlich ab. Einnahmen aus innerstaatlichen Gebotszonengrenzen bleiben nun ausgenommen. Außerdem gilt die neue Abgabe erst ab 2028. Dann sollen zunächst zehn Prozent ungenutzter grenzüberschreitender Engpasserlöse in EU-Projekte fließen. Bis 2031 steigt der Anteil schrittweise auf 25 Prozent.

EU kürzt Finanzierung der Netzpläne für grenzüberschreitenden Netzausbau - der Milliardenbedarf bleibt offen
EU kürzt Finanzierung der Netzpläne für grenzüberschreitenden Netzausbau – der Milliardenbedarf bleibt offen
Bild: Shutterstock

Engpasserlöse entstehen, wenn Leitungen nicht genug Strom zwischen Preiszonen transportieren können. Dann bilden sich Preisunterschiede, während Netzbetreiber zusätzliche Einnahmen aus der Knappheit erzielen. Schweden erzielte damit zuletzt 30,5 Milliarden Kronen. Stockholm verteidigte diese Einnahmen deshalb mit Nachdruck. Energieministerin Ebba Busch nannte den Kompromiss einen „großen Sieg“.

Netzpläne treffen auf alte Leitungen

Die gekürzten Netzpläne zeigen jedoch ein zentrales Problem der europäischen Energiewende. Die EU baut Wind- und Solarstrom aus, während Leitungen, Speicher und Steuerung langsamer vorankommen. Dadurch entstehen Engpässe, die Strom verteuern und Anlagen zeitweise ausbremsen. Die Kommission rechnet bis 2040 mit rund 1,2 Billionen Euro Investitionsbedarf für Stromnetze. Allein die Verteilnetze benötigen demnach etwa 730 Milliarden Euro. Zusätzlich kommen hohe Kosten für Übertragungsnetze hinzu.

Gerade der grenzüberschreitende Netzausbau entscheidet darüber, ob Strom im Binnenmarkt wirklich frei fließen kann. Interkonnektoren sollen Überschüsse aus einer Region in Knappheitsregionen bringen. Mehrere Projekte stocken jedoch wegen Finanzierung, Genehmigungen und nationaler Interessen. Für Deutschland ist das besonders relevant, weil Importe in windarmen Stunden wichtiger werden. Ohne zusätzliche Leitungen bleiben Preissprünge wahrscheinlicher, während Haushalte und Industrie die Engpässe über Umlagen und Netzentgelte mitbezahlen.


Brüssel plant stärker, doch Hauptstädte behalten Kontrolle

Die EU bekommt jedoch mehr Einfluss auf die Planung. Die Kommission soll künftig ein gemeinsames Szenario für grenzüberschreitende Energieinfrastruktur entwickeln. Dabei sollen nationale Energie- und Klimapläne, regionale Preisgefälle und neue Verbrauchsmuster einfließen. Alle zwei Jahre sollen zusätzliche Analysen prüfen, ob sich Marktbedingungen verändert haben. Energiekommissar Dan Jørgensen beschrieb die bisherige Lage sinngemäß als Puzzle, bei dem 27 Akteure ohne gemeinsames Bild arbeiten.

Die Hauptstädte sichern sich jedoch weiter starke Kontrollrechte. Nationale Behörden sollen Annahmen, Daten und Prioritäten prüfen. Das kann Fehlplanung verhindern, aber auch Entscheidungen verzögern. Das Paket enthält außerdem schnellere digitale Genehmigungsverfahren. In einzelnen Verfahrensschritten kann Schweigen einer Behörde sogar als Zustimmung gelten, falls ein Staat diese Regel nutzt.

Neu ist zudem eine Kategorie für Sicherheit und Resilienz. Sie soll kritische Netzkomponenten, Reparaturen und Schutzmaßnahmen leichter finanzierbar machen. Das Gewicht dieses Punktes wächst, weil Sabotage, Cyberangriffe und Extremwetter die Strominfrastruktur stärker belasten. Die Netzpläne gehen nun in die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament. Erst danach zeigt sich, ob die EU genügend Geld und Tempo für den grenzüberschreitenden Netzausbau mobilisiert.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (06.06.26)European Concil (26.06.26)Finnisch Goverment (25.06.26)AOL (17.06.26)Goverment Offices of Sweden (11.05.26)

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