Großbritannien meldete am Freitagabend, 26. Juni, knappe Reserven im Stromsystem, weil die Hitzewelle den Verbrauch erhöhte und Kraftwerke weniger Leistung lieferten. Der staatliche Netzbetreiber Neso forderte deshalb zusätzliche Strommengen für die Zeit zwischen 19 und 22 Uhr an. Ventilatoren und Klimaanlagen trieben die Nachfrage, während schwacher Wind und weniger Solarstrom am Abend die Lage verschärften. Zugleich begrenzten hohe Temperaturen die Leistung einzelner Gas- und Atomkraftwerke. Stromausfälle galten jedoch nicht als unmittelbar drohend.
Reserven werden bei Hitze schneller teuer
Neso suchte für den Abend rund 700 Megawatt zusätzliche Leistung. Die Warnung richtete sich an den Strommarkt und nicht direkt an Haushalte. Solche Mitteilungen zeigen jedoch, dass der Sicherheitsabstand zwischen Angebot und Nachfrage kleiner wird. Bereits am Mittwoch hatte der Netzbetreiber ähnlich reagiert.

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Bis Freitagnachmittag sicherte sich Neso zusätzliche Stromimporte aus Europa. Die Menge entsprach rechnerisch dem Bedarf von rund drei Millionen typischen Haushalten. Der Preis lag jedoch bei 200 Pfund je Megawattstunde. Damit wurde die Absicherung des Systems deutlich teurer als an normalen Sommertagen.
Hitze trifft Verbrauch und Kraftwerke zugleich
Die Hitzewelle erhöhte den Strombedarf in einer Jahreszeit, die sonst oft weniger kritisch ist. Viele Haushalte nutzten deshalb Ventilatoren oder Klimaanlagen. Gleichzeitig schwächte das stabile Hochdruckwetter die Windstromerzeugung. Am Abend fiel außerdem Solarstrom weg, während der Verbrauch in Wohnungen hoch blieb.
Hitze verändert jedoch nicht nur die Nachfrage. Sie kann auch Kraftwerke belasten. Einige britische Gaskraftwerke reduzierten deshalb ihre verfügbare Leistung. In Frankreich mussten Atomkraftwerke ebenfalls reagieren, weil Flusswasser für die Kühlung zu warm wurde.
Frankreichs Atomstrom fehlt als Puffer
Frankreich zählt normalerweise zu den wichtigsten Lieferanten für britische Stromimporte. Genau deshalb verschärften die französischen Einschränkungen die Lage am britischen Markt. EDF drosselte mehrere Reaktoren, um Umweltauflagen für erwärmte Flüsse einzuhalten. Auch andere europäische Anlagen gerieten durch hohe Wassertemperaturen stärker in den Fokus.
Neso betonte jedoch, dass die Stromversorgung nicht akut gefährdet sei. Die Warnung bedeutete keine Ankündigung von Abschaltungen. Sie zeigte aber, wie schnell die Reserven schrumpfen, wenn Hitze, schwacher Wind und geringere Kraftwerksleistung zusammenkommen. Für den Markt wird dann jede zusätzliche Megawattstunde wertvoll.
Sommerhitze wird zum Stresstest für Netze
Das britische Met Office meldete am 26. Juni in Santon Downham in Suffolk 37,3 Grad. Damit erreichte Großbritannien den dritten Tag in Folge einen vorläufigen Juni-Temperaturrekord. Außerdem galten seltene Hitzewarnungen, während spätere Gewitter nur verzögert Entlastung brachten. Für die kritischen Abendstunden kam diese Abkühlung jedoch zu spät.
Die Hitzewelle traf nicht nur Großbritannien, sondern große Teile Europas. Deshalb stiegen auch in Nachbarländern die Strompreise, während Kühlung und Kraftwerksbeschränkungen gleichzeitig wirkten. Für Verbraucher bleibt der Befund klar: Die Versorgung hielt, jedoch zu deutlich höheren Kosten. Extreme Sommerhitze wird damit zu einem festen Belastungstest für Europas Stromsysteme.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: The Guardian (26.06.26) – NESO (24.06.26) – Met Office (26.06.26) – Reuters (24.06.26) – Sky News (24.06.26)
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