Windkraftausbau in Bayern: Unwirtschaftliche Anlagen treffen auf überlastete Stromnetze

Der Windkraftausbau in Bayern gerät immer mehr in die Kritik, weil viele Anlagen im Süden wirtschaftlich kaum mit Standorten im Norden konkurrieren können. Ende März erhielten nur fünf von 44 bayerischen Projekten einen Zuschlag. Der Auslöser liegt jedoch nicht nur in Bürokratie oder fehlenden Flächen. In Bayern weht weniger Wind, während Baukosten, Netzanschlüsse und Betrieb teuer bleiben. Außerdem regeln Netzbetreiber bereits große Mengen Solarstrom ab, weil Leitungen den Strom nicht aufnehmen können. Trotzdem fordern Politiker, wie Hubert Aiwanger, weitere Windräder und bessere Förderbedingungen (stmwi.bayern: 27.05.26).


Schwache Windstandorte verteuern jede Kilowattstunde

Windkraft rechnet sich vor allem an Standorten mit vielen Volllaststunden. Bayern erreicht im Bundesvergleich jedoch eine besonders niedrige Standortgüte. Das bedeutet weniger Strom pro Anlage. Deshalb steigen die Kosten je erzeugter Kilowattstunde.

Windkraftausbau in Bayern bleibt für Verbraucher teuer: Schwache Erträge, überlastete Netze und nötige höhere Vergütungen treiben die Kosten
Windkraftausbau in Bayern bleibt für Verbraucher teuer: Schwache Erträge, überlastete Netze und nötige höhere Vergütungen treiben die Kosten

Moderne Windräder können höhere Luftschichten nutzen. Sie ändern jedoch nicht die Grundbedingungen im Süden. Weniger Wind bleibt weniger Ertrag. Außerdem bleiben Investitionen in Fundament, Turm, Rotor und Netzanschluss hoch.

Höhere Vergütung kaschiert das Marktproblem

Das EEG gleicht schlechtere Standorte über Korrekturfaktoren aus. Betreiber können deshalb höhere Erlöse erhalten. Diese Vergütung macht die Anlage jedoch nicht produktiver. Sie verschiebt nur die Mehrkosten in das Stromsystem.

Der Windkraftausbau braucht in Bayern damit politische Sonderbehandlung. Genau das zeigen die schwachen Ausschreibungsergebnisse. Windreiche Regionen können günstiger anbieten. Bayern verliert deshalb im Wettbewerb, obwohl Politiker mehr Anlagen wollen.

Bayerns Netze sind schon durch Solarstrom überlastet

Bayern hat Solarenergie massiv ausgebaut. Doch der erzeugte Strom erreicht nicht immer die Verbraucher. Netzbetreiber regeln Photovoltaikanlagen ab, wenn Leitungen überlasten. Dadurch bleibt Strom ungenutzt, obwohl Verbraucher hohe Preise zahlen.

Die Zahlen zeigen die Dimension. 2023 gingen in Bayern 510 Gigawattstunden Solarstrom durch Abregelung verloren. 2024 stieg der Wert auf 1.100 Gigawattstunden. Von Januar bis November 2025 waren es bereits 2.180 Gigawattstunden.


Mehr Anlagen lösen fehlende Netzkapazität nicht

Zusätzliche Windräder brauchen ebenfalls Leitungen, Transformatoren und Regeltechnik. Sie liefern außerdem nicht dann Strom, wenn Industrie und Haushalte ihn sicher benötigen. In windarmen Phasen helfen sie wenig. Bei Einspeisespitzen können sie jedoch die Netzsteuerung zusätzlich belasten.

Befürworter verweisen auf Stromerzeugung nahe am Verbrauch. Das kann sinnvoll sein, wenn Netze und Speicher passen. In Bayern fehlt jedoch bereits bei Solarstrom ausreichende Transportkapazität. Deshalb muss jedes neue Projekt seine Netzwirkung und seine tatsächlichen Systemkosten offenlegen.

Politik drängt trotz Kostenrisiken weiter

Politiker fordern Südquoten, Sonderausschreibungen und bessere Bedingungen für bayerische Windprojekte. Damit bestätigen sie indirekt die schwache Wirtschaftlichkeit vieler Standorte. Ohne höhere Vergütung kämen zahlreiche Anlagen kaum zum Zug. Für Stromkunden entsteht deshalb ein zusätzlicher Kostenblock.

Der Windkraftausbau kann regionale Erzeugung erhöhen. Er senkt jedoch nicht automatisch die Strompreise. Wenn schwache Standorte mehr Förderung brauchen und Netze bereits Solarstrom abregeln, wächst das Risiko teurer Fehlsteuerung. Für Bayern zählt deshalb nicht die Zahl neuer Anlagen, sondern bezahlbarer und tatsächlich nutzbarer Strom. (KOB)

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