Brüssel – Die EU importierte im ersten Halbjahr 2026 rund 9,97 Millionen Tonnen russisches LNG aus dem Yamal-Projekt. Das war mehr als jemals zuvor in einem ersten Halbjahr. Unternehmen nutzten bestehende Verträge, bevor das vollständige LNG-Verbot am 1. Januar 2027 greift. Außerdem verhindert die EU inzwischen den Weitertransport vieler Ladungen nach Asien. Dadurch blieben fast alle Yamal-Frachten in Europa. Die Lieferungen hatten einen geschätzten Wert von 5,96 Milliarden Euro. Deutschland muss diese Mengen künftig ersetzen, obwohl seine Speicher vergleichsweise schwach gefüllt sind.
Russisches LNG fließt fast vollständig nach Europa
Von weltweit 140 Yamal-Frachten erreichten 136 europäische Häfen. Damit nahm Europa mehr als 97 Prozent der gesamten Liefermenge ab. China erhielt dagegen nur vier Ladungen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stiegen die europäischen Importe um rund 16 Prozent. Der Rückzug von asiatischen Käufern verstärkte deshalb die Ausrichtung auf den EU-Markt.

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Frankreich war mit 3,74 Millionen Tonnen der größte Abnehmer. Danach folgten Belgien mit 2,70 Millionen und Spanien mit 2,50 Millionen Tonnen. Außerdem kamen Lieferungen in den Niederlanden und Portugal an. Besonders wichtig waren die Terminals in Zeebrügge, Dunkerque und Montoir. Diese Häfen bilden zentrale Umschlagpunkte im europäischen Gasverbund.
EU-Verbot lässt langfristige Altverträge weiterlaufen
Seit dem 25. April 2026 untersagt die EU russische LNG-Lieferungen aus kurzfristigen Verträgen. Langfristige Verträge dürfen jedoch bis zum 1. Januar 2027 erfüllt werden. Für russisches Pipelinegas endet die Übergangsfrist grundsätzlich erst am 30. September 2027. Bei niedrigen Speicherständen kann sie sich bis zum 1. November verlängern. Importeure verfügen deshalb noch mehrere Monate über rechtlich zulässige Lieferwege.
Der Rekord bedeutet daher keine Abkehr vom angekündigten Importstopp. Vielmehr schöpfen europäische Unternehmen bestehende Verträge bis zum Ende aus. Außerdem verbietet die EU seit 2025 den Umschlag russischer LNG-Ladungen für Drittstaaten. Dadurch bleibt zusätzliches Gas im europäischen Markt. Russische Lieferungen nach Asien gingen deshalb deutlich zurück.
Deutschland bezieht Gas über den europäischen Verbund
Deutschland importiert russisches LNG nicht zwingend direkt an seinen eigenen Terminals. Dennoch gelangt Gas über Belgien, Frankreich und die Niederlande in das deutsche Netz. Nach der Regasifizierung vermischen sich die Mengen im europäischen Leitungssystem. Die genaue Herkunft lässt sich deshalb beim späteren Verbrauch kaum noch zuordnen. Deutschland profitiert somit indirekt von Lieferungen, die zunächst andere EU-Häfen erreichen.
Diese Abhängigkeit trifft auf niedrige Speicherstände. Anfang Juli lagen die deutschen Speicher bei rund 41 Prozent. Das war der niedrigste Stand zu diesem Termin seit dem Krisenwinter 2021/22. Die Initiative Energien Speichern hält bis November dennoch 76 Prozent für technisch erreichbar. Allerdings fehlen bei den aktuellen Marktpreisen starke wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung.
Kalter Winter könnte Industriebetriebe zuerst treffen
Bei normalen Temperaturen könnte ein Speicherstand von 76 Prozent ausreichen. In einem sehr kalten Winter wären jedoch Versorgungslücken möglich. Modellrechnungen zeigen für Februar und März 2027 monatliche Fehlmengen von bis zu neun Terawattstunden. An einzelnen Tagen könnte die Lücke zwei Terawattstunden erreichen. Bei einer Mangellage müssten deshalb zuerst nicht geschützte Großverbraucher ihren Gasbezug reduzieren.
Haushalte und soziale Einrichtungen genießen dagegen gesetzlichen Vorrang. Die Bundesregierung plant außerdem eine strategische Gasreserve von rund 24 Terawattstunden. Der Aufbau soll bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. Für den Winter 2026/27 kommt diese Reserve jedoch zu spät. Die erste Befüllung ist nach bisherigen Plänen erst für den Sommer 2027 vorgesehen.
Neue Gaskraftwerke erhöhen den künftigen Gasbedarf
Deutschland benötigt laut Bundesnetzagentur bis 2035 zusätzliche steuerbare Kraftwerksleistung von 22,4 bis 35,5 Gigawatt. Ein erheblicher Teil dürfte aus neuen Gaskraftwerken bestehen. Dadurch könnte der jährliche Gasverbrauch deutlich steigen. Gleichzeitig muss die EU russisches LNG vollständig ersetzen. Der Wettbewerb um Lieferungen aus den USA, Katar und anderen Exportstaaten dürfte deshalb zunehmen.
Ab 2027 verschärft außerdem die EU-Methanverordnung die Anforderungen an importiertes Gas. Lieferanten müssen schrittweise vergleichbare Daten und Kontrollen für Methanemissionen nachweisen. Große Importeure warnen deshalb vor einem kleineren Angebot zulässiger Liefermengen. Europa beendet seine russischen Verträge somit in einer schwierigen Ausgangslage. Niedrige Speicher, neue Gaskraftwerke und strengere Importregeln erhöhen den Beschaffungsbedarf.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Focus (15.07.26) – Reuters (13.07.26) – Urgewalt (13.07.26) – INES (07.07.26) – ACER (01.07.26)
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