Hallbergmoos: Gemeinderat entscheidet sich gegen E-Antrieb für neuen Winterdienst-Lkw

Hallbergmoos hat am 7. Juli 2026 einen Winterdienst-Lkw mit Dieselantrieb für rund 440.000 Euro beschlossen. Er ersetzt einen 25 Jahre alten Fendt Xylon 524 mit Korrosion und zunehmenden Ausfällen. Eine zusätzliche Wirtschaftlichkeitsprüfung für einen E-Lkw fand jedoch keine Mehrheit. Der Gemeinderat verwies auf lange Schneeeinsätze, fehlende Schnelllader und mögliche Ladeprobleme bei Kälte oder Stromausfällen. Deshalb folgt nun eine EU-weite Ausschreibung für einen Euro-VI-Lkw mit Pflug, Streuer und Ladekran.


Alter Fendt wird im Winterdienst unzuverlässig

Der bisherige Schlepper stammt aus dem Jahr 2001 und hat etwa 6200 Betriebsstunden erreicht. Denn Streusalz, Nässe und jahrelange Wintereinsätze haben Fahrzeug und Anbaugeräte stark angegriffen. Die Ausfälle nehmen laut Verwaltung zu und beeinträchtigen die Einsatzbereitschaft. Außerhalb des Winters nutzt der Bauhof den Fendt jedoch nur selten. Ein ähnliches Fahrzeug steht bereits im kommunalen Fuhrpark.

„Der Bauhof braucht ein Arbeitsfahrzeug, keines für die Ökobilanz.“ Gemeinderat von Hallbergmoos will Winterdienst-Lkw mit Dieselantrieb
„Der Bauhof braucht ein Arbeitsfahrzeug, keines für die Ökobilanz.“ Gemeinderat von Hallbergmoos will Winterdienst-Lkw mit Dieselantrieb – Bild: Shutterstock

Der neue Winterdienst-Lkw erhält deshalb einen Aufbaustreuer, ein Schneeräumschild und einen Ladekran. Der Kran soll zusätzliche Transport- und Hebearbeiten außerhalb der Schneesaison ermöglichen. Dadurch will die Gemeinde die Auslastung des teuren Fahrzeugs erhöhen. Im Haushalt stehen 450.000 Euro bereit. Davon entfallen rund 10.000 Euro auf externe Unterstützung für das europaweite Vergabeverfahren.

Warum der Winterdienst-Lkw einen Dieselantrieb erhält

Die Verwaltung hatte vor der Beschaffung verschiedene Antriebe am Markt geprüft. Sie hält einen batterieelektrischen Lkw für das konkrete Einsatzprofil derzeit nicht für zweckmäßig. Denn Pflug, Streuer und Kabinenheizung benötigen zusätzlich Energie. Außerdem müsse das Fahrzeug bei anhaltendem Schneefall über viele Stunden einsatzbereit bleiben. Die Vorlage setzt den Kapazitätsverlust von Lithium-Ionen-Batterien bei tiefen Temperaturen mit 30 bis 40 Prozent an.

Florian Rothmeyer von den Grünen verlangte jedoch belastbare Vergleichsdaten statt eines sofortigen Elektro-Kaufs. Für den Winterdienst-Lkw beantragte er deshalb eine technologieoffene Ausschreibung und eine externe Wirtschaftlichkeitsprüfung. Diese Untersuchung hätte nach seiner Schätzung 5000 bis 10.000 Euro gekostet. Rothmeyer verwies auf geringere Wartungskosten, hohe Laufleistungen und kurze Ladezeiten moderner E-Lkw. Weil sich keine Mehrheit abzeichnete, zog er den Antrag zurück. Im Bauhof fehlt außerdem bislang ein Schnelllader.


Wintertests zeigen höhere Verbräuche und Ladeprobleme

Robert Wäger von den Grünen verwies auf elektrische Räumfahrzeuge der Autobahn GmbH. Seit Ende November 2024 testet sie einen vollelektrischen Dreiachser mit Pflug und Streuer in Münchberg. Das Fahrzeug fährt dort auch im regulären Winterdienst. Daimler Truck meldete außerdem Ergebnisse einer 6500 Kilometer langen Wintertour mit zwei eActros 600. Auf einer Vergleichsstrecke bei minus zwei Grad stieg der Verbrauch um etwa 25 Prozent. Auf Schnee und Eis erreichte der Mehrverbrauch jedoch fast 50 Prozent. Der Hersteller bezeichnet passende öffentliche Lkw-Ladepunkte weiterhin als Ausnahme. Die Werte lassen sich aber nicht direkt auf einen schweren Räumeinsatz übertragen.

Hallbergmoos entscheidet sich deshalb für Reichweite und schnelle Betankung im möglichen Dauereinsatz. CSU-Gemeinderat Robert Lackermeier sagte: „Der Bauhof braucht ein Arbeitsfahrzeug, keines für die Ökobilanz.“ Die Gemeinde nutzt dennoch bereits Elektrofahrzeuge im Bauhof, in der Kläranlage und als Dienstwagen. Eine unabhängige Gesamtkostenrechnung für beide Antriebe ließ der Rat nicht erstellen. Deshalb fehlt ein belastbarer Vergleich von Anschaffung, Energie, Wartung und Ladeinfrastruktur.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Merkur (18.07.26)Hallbergmoos (07.07.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen