Deutschlands Stromversorgung schneidet in einer neuen internationalen Untersuchung überraschend schlecht ab. Das britische Adam Smith Institute stuft die Bundesrepublik im Sicherheitsranking auf Platz 69 von 187 Ländern ein. Damit liegt Deutschland hinter dem Irak, Bosnien und Herzegowina sowie Kirgisistan. Bei der jederzeit abrufbaren Stromerzeugung erreicht Deutschland sogar nur Rang 180. Entscheidend ist der wachsende Anteil wetterabhängiger Energiequellen bei gleichzeitigem Wegfall konventioneller Kraftwerkskapazitäten. Die Ergebnisse verdeutlichen strukturelle Herausforderungen für Industrie, Haushalte und die langfristige Versorgungssicherheit.

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Stromversorgung: Deutschland bei steuerbarer Erzeugung fast am Tabellenende
Der am 19. Oktober veröffentlichte Global Energy Security Index 2026 bewertet vier zentrale Merkmale der Energieversorgung. Dazu gehören steuerbare Stromerzeugung, Vielfalt der Energieträger, Importsicherheit und wirtschaftliche Zahlungsfähigkeit. Deutschland erreicht insgesamt 72,4 von 100 Punkten. Der Irak liegt mit 72,9 Punkten knapp davor auf Rang 66. Bosnien und Herzegowina belegt Platz 68, Kirgisistan Rang 57.
Besonders schwer wiegt Deutschlands schlechte Bewertung bei der bedarfsgerechten Stromerzeugung. Das Institut berücksichtigt dabei Kraftwerke, deren Leistung sich gezielt abrufen lässt. Dazu zählen Kernkraftwerke, Kohle- und Gaskraftwerke sowie Wasserkraft und Bioenergie. Windkraft und Photovoltaik erhalten dagegen in diesem Teilindex keine Punkte. Sie liefern Strom abhängig von Wetter und Tageszeit, weshalb andere Anlagen oder Speicher Versorgungslücken ausgleichen müssen.
Atomausstieg und wachsender Ökostromanteil verändern die Versorgung
Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 abgeschaltet. Gleichzeitig steigt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung weiter. Im ersten Halbjahr 2026 stammten 59,1 Prozent des inländisch erzeugten und eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Windkraft lieferte 29,4 Prozent, Photovoltaik weitere 17,8 Prozent. Allerdings sagt die jährliche Strommenge allein wenig über die gesicherte Leistung während einer Dunkelflaute aus.
Die Rangliste misst jedoch keine tatsächlichen Stromausfälle und erlaubt deshalb keinen direkten Vergleich der Netzzuverlässigkeit mit dem Irak. Außerdem beruhen die international vergleichbaren Ausgangsdaten überwiegend auf dem Jahr 2024. Deutschland verfügt weiterhin über ein sehr zuverlässiges Stromnetz, wie die Ausfallstatistik der Bundesnetzagentur zeigt. Dennoch bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: Auch bei geringer Wind- und Solarstromproduktion muss jederzeit ausreichend gesicherte Leistung verfügbar sein.
Fast jedes zweite befragte Unternehmen meldet kurze Stromausfälle
Wie empfindlich die Wirtschaft auf Versorgungsunterbrechungen reagiert, zeigt eine aktuelle Befragung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Mehr als 48 Prozent der befragten Unternehmen berichten über Stromausfälle von weniger als drei Minuten. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch unter 40 Prozent. Gut 60 Prozent der betroffenen Betriebe erlitten dadurch wirtschaftliche Schäden. Dennoch bewerten mehr als 82 Prozent die allgemeine Versorgungssicherheit als gut oder sehr gut.
Für industrielle Produktionsanlagen können bereits kurze Unterbrechungen erhebliche Konsequenzen haben. Maschinen verlieren ihre Betriebszustände, Steuerungen fallen aus und Fertigungsprozesse müssen neu anlaufen. Allerdings erfasst die offizielle Ausfallstatistik solche Ereignisse unter drei Minuten nicht. Die Bundesnetzagentur meldete für 2024 eine durchschnittliche Unterbrechungsdauer von 11,7 Minuten je Verbraucher. Dieser günstige Wert bildet deshalb nicht sämtliche betrieblichen Risiken ab.
Stromnetzausbau hinkt dem Umbau der Energieversorgung hinterher
Hinzu kommen erhebliche Verzögerungen beim Ausbau der Übertragungsnetze. Nach einer aktuellen Auswertung von Bundesnetzagentur-Daten hätten ursprünglich bereits 7.983 Kilometer neuer Leitungen fertig sein sollen. Tatsächlich waren am 21. Oktober 2026 erst 2.929 Kilometer in Betrieb. Damit fehlen gegenüber den ursprünglichen Zeitplänen mehr als 5.000 Kilometer. Währenddessen wachsen Wind- und Solarkapazitäten weiter, obwohl wichtige Transportverbindungen noch nicht bereitstehen.
Die Bundesregierung beziffert den Investitionsbedarf für Stromverteil- und Wärmenetze bis 2045 auf mehr als 300 Milliarden Euro. Zugleich müssen Netzbetreiber Erzeugung und Verbrauch fortlaufend ausgleichen. Dafür benötigen sie neben leistungsfähigen Leitungen auch ausreichend steuerbare Kraftwerke, Speicher und flexible Verbraucher. Die Untersuchung zeigt somit keine unmittelbar bevorstehende Stromkrise. Sie verdeutlicht jedoch, dass der Ausbau wetterabhängiger Stromerzeugung allein keine dauerhaft sichere Versorgung gewährleistet.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Adam Smith Institute (19.10.26) – Cash (22.10.26) – Onet (22.10.26) – Deutsche Welle (23.10.26)
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