Industriepark ohne gesicherte Stromversorgung: Rommerskirchen plant am Netz vorbei

In Rommerskirchen entsteht ab 2026 ein neuer Industriepark am Braunkohlekraftwerk Neurath, obwohl die notwendige Stromversorgung nicht gesichert ist. Der Gemeinderat hat Baurecht für die erste Fläche geschaffen. Dort sollen unter anderem Rechenzentren, KI-Firmen und Industriebetriebe angesiedelt werden. Diese Unternehmen benötigen jedoch besonders hohe Anschlussleistungen. Das regionale 110-Kilovolt-Netz besitzt dafür kaum freie Kapazitäten. Deshalb könnte sich der Stromanschluss bis in die 2030er Jahre verzögern. Bis zu 2.000 angekündigte Arbeitsplätze und umfangreiche Investitionen bleiben damit vorerst unsicher.


Industriepark geplant, aber Stromversorgung ungeklärt

Die erste Entwicklungsfläche umfasst rund 28 bis 30 Hektar. Sie gehört jedoch zu einem etwa 180 Hektar großen Gebiet am Kraftwerksstandort Neurath. Die Gemeinde sieht dort einen zentralen Baustein für den Strukturwandel im Rheinischen Revier. Außerdem nennt sie 2027 als möglichen Beginn erster Bauarbeiten.

Industriepark ohne gesicherte Stromversorgung: Rommerskirchen schafft Baurecht, obwohl Netzkapazitäten fehlen 2.000 geplante Jobs wackeln
Industriepark ohne gesicherte Stromversorgung: Rommerskirchen schafft Baurecht, obwohl Netzkapazitäten fehlen 2.000 geplante Jobs wackeln
Bild: Shutterstock

Die entscheidende Infrastruktur fehlt jedoch weiterhin. Ein Gewerbegebiet benötigt Straßen, Grundstücke und Baurecht. Ein moderner Industriestandort braucht außerdem verbindlich zugesicherte Stromkapazitäten. Genau diese Zusage liegt offenbar nicht vor. Deshalb erfolgte die politische Planung in einer sachlich kaum nachvollziehbaren Reihenfolge.

Nähe zum Kraftwerk täuscht Versorgungssicherheit vor

Direkt neben dem Gelände produziert das Kraftwerk Neurath große Strommengen. Der geplante Industriepark kann diesen Strom jedoch nicht einfach übernehmen. Das Kraftwerk speist seine Leistung auf einer anderen Netzebene ein. Neue Verbraucher benötigen deshalb eigene Leitungen, Schaltanlagen und Umspannwerke.

Die Nähe zum Kraftwerk vermittelt dennoch den Eindruck eines gut versorgten Standorts. Technisch besitzt das Gelände diesen Vorteil jedoch nicht automatisch. Das regionale Netz muss zusätzliche Kapazität dauerhaft aufnehmen können. Außerdem konkurrieren Rechenzentren, Speicher, Industrieanlagen und neue Erzeuger um begrenzte Netzkapazitäten.


Planung ohne Netzanschluss gefährdet den Strukturwandel

Besonders kritisch ist die geplante Ansiedlung stromintensiver Branchen. Rechenzentren benötigen große Leistungen rund um die Uhr. Auch Robotik, Medizintechnik und moderne Fertigung verlangen eine stabile Versorgung. Deshalb reicht ein unverbindlicher Ausbauplan für solche Investitionen nicht aus.

Unternehmen planen Werke über viele Jahre und benötigen belastbare Termine. Der Industriepark verliert jedoch an Attraktivität, solange der Netzanschluss offenbleibt. Investoren könnten andere Standorte mit gesicherter Energieversorgung bevorzugen. Außerdem drohen erschlossene Flächen ohne die angekündigte industrielle Nutzung.

Das Problem reicht inzwischen weit über Rommerskirchen hinaus. Laut einer AFRY-Studie warten in Deutschland rund 40.000 Energie- und Speicherprojekte auf einen Netzanschluss. Dahinter stehen Investitionen von mindestens 45 Milliarden Euro. Industrieansiedlungen erfasst diese Summe jedoch nur teilweise. Rommerskirchen zeigt deshalb besonders deutlich, welche Folgen eine Standortplanung ohne vorher gesicherte Stromversorgung haben kann.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Focus (11.06.26)Germanwatch ( 02.06.26)Gemeinde Rommerskirchen (19.05.26)

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