Deutschland fällt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen um drei Plätze auf Rang 14 zurück. Die Organisation bewertet die Lage weiter als „zufriedenstellend“, jedoch verschlechtern Hass, Diffamierung und politisch aufgeheizte Debatten die Arbeit vieler Journalisten. Besonders riskant bleiben Recherchen zu rechtsextremen Milieus und Berichte über den Gaza-Krieg. Zugleich zeigt die weltweite Rangliste eine historische Verschlechterung, weil erstmals mehr als die Hälfte der 180 bewerteten Länder in die Kategorien „schwierig“ oder „sehr ernst“ fällt (tagesschau: 03.05.26).
Pressefreiheit: Deutschland verliert Anschluss an Europas Spitzengruppe
Deutschland fällt im Ranking der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen um drei Plätze auf Rang 14 zurück. Die Lage gilt zwar weiter als „zufriedenstellend“, jedoch verschärfen Hass, Diffamierung, politische Polarisierung und Druck im Netz den Alltag vieler Journalisten.

Besonders heikel bleiben Recherchen zu rechtsextremen Milieus und Berichte über den Gaza-Krieg. Weltweit meldet RSF zugleich einen historischen Tiefpunkt, weil erstmals mehr als die Hälfte der 180 bewerteten Länder in die Kategorien „schwierig“ oder „sehr ernst“ fällt.
Pressefreiheit: Deutschland verliert Anschluss an Europas Spitzengruppe
Deutschland liegt inzwischen hinter Norwegen, den Niederlanden, Estland, Dänemark, Schweden, Finnland, Irland, der Schweiz, Luxemburg, Portugal, Tschechien, Island und Liechtenstein. Das bedeutet keinen Zusammenbruch der Medienfreiheit, jedoch einen klaren Rückfall im europäischen Vergleich. Deshalb wirkt Rang 14 wie ein Warnsignal für ein Land, das lange zur Spitzengruppe zählen wollte.
Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen nennt den deutschen Rückgang Ausdruck eines „aufgeheizten Klimas“. Viele Journalisten berichten demnach von starkem Druck, hitzigen Debatten und der Sorge, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden. Zugleich gewinnen rechtsradikale publizistische Milieus mit Zuspitzung und Desinformation an Reichweite.
Hass im Netz und Druck auf der Straße
Die Risiken entstehen nicht nur in sozialen Netzwerken. Reporter ohne Grenzen verweist auch auf Bedrohungen bei Einsätzen auf der Straße. Für 2025 dokumentierte RSF 55 verifizierte Angriffe auf Journalisten und Redaktionen in Deutschland. Das waren weniger als im Vorjahr, jedoch bleibt das Niveau besorgniserregend.
Besonders gefährdet sind Reporter bei Demonstrationen, Parteiveranstaltungen und Recherchen in rechtsextremen Milieus. Außerdem verschärft die Nahostberichterstattung die Lage in vielen Redaktionen. Der Streit über Israel, Gaza, Antisemitismus und legitime Kritik führt zu persönlichen Angriffen und Online-Hetze.
Weltweite Lage erreicht historischen Tiefpunkt
Global fällt der Befund deutlich härter aus. Laut RSF lebt nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit guter Pressefreiheit. Christian Mihr sagte dazu: „Nur noch einer von 100 Menschen weltweit kann sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren.“
Kriege und autoritäre Politik verschlechtern die Lage zusätzlich. Israel fällt auf Rang 116, während die Palästinensischen Gebiete auf Rang 156 stehen. Seit Oktober 2023 starben in Gaza laut RSF mehr als 220 Journalisten durch Angriffe der israelischen Armee. Russland liegt auf Rang 172, während China, Nordkorea und Eritrea das Ende der Rangliste bilden.
Medienpolitik muss strukturelle Risiken angehen
Auch die USA rutschen ab und stehen nur noch auf Rang 64. Laut RSF haben Angriffe auf Medien dort unter Präsident Donald Trump systematischen Charakter angenommen. Zugleich schwächen Kürzungen bei US-finanzierten Auslandssendern wie Voice of America und Radio Free Europe verlässliche Informationsangebote in autoritären Staaten.
Deutschland bleibt im internationalen Vergleich deutlich besser platziert, jedoch zeigen die Daten eine Erosion im eigenen Schutzraum. Deshalb reichen formale Garantien allein nicht aus. Medienpolitik, Polizei, Justiz und Plattformen müssen Journalisten wirksamer schützen, während Redaktionen ihre Unabhängigkeit gegen Diffamierung und wirtschaftlichen Druck verteidigen müssen.
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