165 Sabotageverdachtsfälle in acht Monaten – Schleswig-Holstein schützt Stromnetz stärker

Mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle haben deutsche Sicherheitsbehörden von Januar bis Ende August 2026 bundesweit registriert. Hinzu kamen 747 verdächtige Drohnenvorfälle mit insgesamt 1.068 beobachteten Fluggeräten. Nach konkreten Angriffen auf das Stromnetz in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen verschärft nun auch Schleswig-Holstein seine Sicherheitsmaßnahmen. Polizei und Betreiber schützen Stromleitungen, Kraftwerke, Häfen und andere sensible Anlagen intensiver. Anfang September durchsuchten Einsatzkräfte unter anderem das Umfeld des Heizkraftwerks Wedel. Eine konkrete Gefährdung für Schleswig-Holstein lag dort jedoch nicht vor.

165 Sabotageverdachtsfälle bis Ende August: Schleswig-Holstein verstärkt Schutz von Stromnetz, Kraftwerken und Häfen
165 Sabotageverdachtsfälle bis Ende August: Schleswig-Holstein verstärkt Schutz von Stromnetz, Kraftwerken und Häfen
Bild: Shutterstock

Angriffe auf das Stromnetz sollten großflächige Ausfälle verursachen

Die Statistik des BKA dokumentiert keine 165 bewiesenen Anschläge. Sie umfasst mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle bis Ende August und schließt auch bestimmte Ausspähungsvorgänge ein. Separat registrierten die Behörden 747 verdächtige Drohnenvorfälle. Deshalb dürfen beide Zahlen weder gleichgesetzt noch zusammengerechnet werden. Trotzdem zeigt das Lagebild innerhalb von nur acht Monaten eine erhebliche Häufung sicherheitsrelevanter Vorgänge.

Wie konkret die Gefahr sein kann, zeigten die Angriffe vom 1. September. Bei Turnow-Preilack in Brandenburg und Bergheim-Rheidt in Nordrhein-Westfalen sollten präparierte Raketen Drähte auf Hochspannungsleitungen schleudern. Dadurch entstanden tatsächlich Kurzschlüsse. In Bergheim mussten zwei benachbarte Braunkohlekraftwerke zeitweise abgeschaltet werden. Außerdem war die Stromversorgung eines angrenzenden Ortes vorübergehend beeinträchtigt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Taten mutmaßlich großflächige Stromausfälle auslösen sollten.


Bundesanwaltschaft ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage

Am 8. September nahmen Ermittler einen 48-jährigen Deutschen nahe dem Kraftwerk Weisweiler fest. Zwei Tage später übernahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren wegen der besonderen Bedeutung des Falls. Sie ermittelt wegen versuchter und vollendeter verfassungsfeindlicher Sabotage sowie wegen Störung öffentlicher Betriebe. Die Vorwürfe betreffen Anlagen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Mit den weiteren Ermittlungen ist federführend das Bundeskriminalamt beauftragt.

Die bundesweiten BKA-Zahlen gehen jedoch deutlich über diese Anschlagsserie hinaus. Seit Jahresbeginn registrierten Bund und Länder zusätzlich 112 Straftaten mit Spionagebezug. In 26 Fällen besteht der Verdacht auf Agententätigkeit zu Sabotagezwecken. Schleswig-Holstein lag mit 21 registrierten Spionagedelikten gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen an zweiter Stelle hinter Brandenburg. Damit treffen die aktuellen Angriffe auf ein bereits angespanntes Sicherheitsumfeld.


Schleswig-Holstein schützt Stromnetz, Kraftwerke und Häfen stärker

Schleswig-Holsteins Innenministerium reagierte zunächst mit mehr Polizeipräsenz an wichtigen Anlagen. Außerdem soll jeder auffällige Vorfall an kritischer Infrastruktur auf mögliche Spionage oder Sabotage geprüft werden. Bei Bedarf beziehen die Behörden den Verfassungsschutz ein. SH Netz hat zugleich Schutzzäune verbessert und personenbezogene Zugangsbeschränkungen eingeführt. Außerdem verschärfte der Netzbetreiber seine IT-Sicherheit und überprüfte eine dreistellige Zahl von Beschäftigten in besonders sensiblen Bereichen. Das Unternehmen versorgt rund 2,8 Millionen Kunden in mehr als 900 Kommunen.

Am 8. September weitete die Landesregierung das Schutzkonzept nochmals aus. Eine landesweite Plattform soll Energieanlagen, Häfen und andere kritische Einrichtungen erfassen, bewerten und nach Bedeutung priorisieren. Dort sollen künftig auch verdächtige Ereignisse unterhalb der bisherigen polizeilichen Meldeschwelle einfließen. Außerdem will die Landespolizei Unterwasserdrohnen zum Schutz maritimer Infrastruktur beschaffen und erproben. Energieminister Tobias Goldschmidt setzt zusätzlich auf mehr Redundanz im Netz, damit ausgefallene Leitungen schneller ersetzt werden können.

Der Schutz bleibt jedoch technisch und personell begrenzt. Deutschland verfügt nach Angaben des Verbands kommunaler Unternehmen über rund 250 Umspannwerke sowie etwa 130.000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen. Deshalb lässt sich das Stromnetz nicht flächendeckend durch Polizei oder Wachpersonal sichern. Entscheidend wird damit auch, wie schnell Betreiber beschädigte Anlagen isolieren, Strom umleiten und die Versorgung wiederherstellen können. Die mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle innerhalb von acht Monaten machen deutlich, dass Schutz und technische Widerstandsfähigkeit inzwischen zusammen gedacht werden müssen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Tagesschau (16.09.26) – NDR (03.09.26) – Der Bundeskanzler (14.09.26) – EuroNews (08.09.26)

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