Anschläge auf Strominfrastruktur: Ermittlungen trotz anhaltender Serie nahezu ohne Ergebnis

Der Anschlag im Umspannwerk Reutlingen-West am 8. Juni 2026 rückt eine Serie von Angriffen auf die Stromversorgung in den Fokus: Berlin-Adlershof und Johannisthal am 9. September 2025, Berlin-Lichterfelde am 3. Januar 2026, Großkayna mit Teilen von Roßbach am 10. Januar 2026 sowie Garching bei München Ende Mai 2026. In Reutlingen löste das Feuer einen großflächigen Stromausfall aus. Rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen waren betroffen. Hinweise auf Brandbeschleuniger, mehrere Brandstellen und Schäden am Gelände sprechen für gezielte Brandlegung. Dennoch zeigen die Ermittlungen bisher vor allem, wie selten Behörden nach solchen Angriffen öffentlich belastbare Ergebnisse vorlegen.


Ermittlungen zeigen ein schwaches Bild

Nur der Berliner Anschlag vom September 2025 brachte bisher konkrete Beschuldigte. Polizei und Staatsanwaltschaft führen vier Personen im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren. Außerdem durchsuchten rund 500 Einsatzkräfte Objekte in mehreren Bundesländern. Doch auch dieser Fall endet öffentlich bisher nicht in einer Anklage.

Stromanschläge treffen mehrere Regionen. Die Ermittlungen liefern kaum Täter, keine Abschlüsse und viele offene Fragen
Stromanschläge treffen mehrere Regionen. Die Ermittlungen liefern kaum Täter, keine Abschlüsse und viele offene Fragen
Bild: Shutterstock

Der Vorwurf lautet unter anderem verfassungsfeindliche Sabotage. Trotzdem bleibt unklar, ob die Beschuldigten für die Tat tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden. Eine Verurteilung liegt nicht vor. Deshalb steht selbst der einzige greifbare Ermittlungserfolg auf wackligem Fundament.

Terrorverdacht ohne greifbare Täter

Der Anschlag auf die Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde traf Anfang Januar 2026 einen zentralen Netzknoten. Rund 45.000 Haushalte und etwa 2.200 Gewerbeeinheiten verloren zeitweise Strom. Außerdem blieben Wärmeversorgung, Schulen und weitere Einrichtungen betroffen. Der Schaden war groß, der Ermittlungserfolg bisher gering.

Der Generalbundesanwalt übernahm den Fall wegen möglicher terroristischer Bezüge. Ein Bekennerschreiben einer „Vulkangruppe“ galt als plausibel, weil es Täterwissen enthalten haben soll. Dennoch nennen die Behörden öffentlich keine Tatverdächtigen. Damit bleibt ausgerechnet der schwerwiegendste Fall ohne erkennbare Täterspur.

Großkayna und Garching zeigen die Lücken

In Großkayna setzten Unbekannte im Januar 2026 ein Trafohäuschen in Brand. Betroffen waren Großkayna und Teile von Roßbach. Fast 900 Haushalte hatten zeitweise keinen Strom. Der Netzbetreiber schaltete außerdem ein Umspannwerk ab, deshalb fielen weitere Netzpunkte aus.

Die Tatausführung wirkte einfach. Die Täter entfernten offenbar ein Lüftungsgitter, schoben Holz und Papier in die Anlage und zündeten das Material an. Die Station wurde schwer beschädigt und muss ersetzt werden. Trotzdem fehlen öffentlich Hinweise auf Täter, Motiv oder politische Hintergründe.

Bei Garching brannten Ende Mai 2026 zwei Hochspannungsmasten. Teile von Ismaning und umliegenden Gemeinden verloren zeitweise Strom. Die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus übernahm den Fall. Außerdem halten Behörden eine politische Motivation wegen Ziel und Vorgehensweise für wahrscheinlich.


Staatsschutz ermittelt, Ergebnisse fehlen

Die Serie macht eine deutliche Schwäche sichtbar. Mehrere Angriffe trafen Strommasten, eine Kabelbrücke, eine Trafostation und ein Umspannwerk. Trotzdem gibt es nur in einem Fall konkrete Beschuldigte. Selbst dort fehlt bisher ein öffentlicher Abschluss.

Ein gemeinsames Netzwerk hinter den Taten haben die Behörden nicht belegt. Auch belastbare Verbindungen zwischen den Fällen fehlen öffentlich. Die Täter konnten mehrfach kritische Stromanlagen treffen, während die Aufklärung kaum sichtbar vorankommt. Das schwache Ergebnis steht damit in auffälligem Gegensatz zur Größe der Schäden.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Tagesschau (09.06.2026) – Polizei Berlin (24.03.2026) – BKA (27.01.2026)rbb (05.01.2026) – MDR (10.01.2026) – Merkur (26.05.2026) – Zeit (10.01.2026)Sueddeutsche Zeitung (26.05.2026)

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