Zeuge im Müllprozess: Alte Windrad-Rotorblätter werden oft verbrannt

In Weiden verhandelt das Landgericht seit Juni 2026 gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus der Oberpfalz, dem die Anklage illegale Abfalltransporte nach Tschechien vorwirft. Der Angeklagte hat die Vorwürfe inzwischen deutlich umfassender eingeräumt, außerdem schilderte ein Zeuge aus dem früheren Unternehmensumfeld die Entsorgung alter Rotorblätter. Im Kern geht es um 700 Tonnen GFK- und CFK-Abfälle aus Windkraftanlagen, einen überfüllten Betriebshof, ein behördliches Schredderverbot und Abfälle, die nicht in eine Recyclinganlage gelangten.


Zeuge schildert den schwierigen Weg alter Rotorblätter

Der frühere Geschäftsführer kannte die Abläufe im Betrieb aus eigener Erfahrung. Er kam zunächst als Berater in das Unternehmen und arbeitete später in leitender Funktion. Deshalb hatte seine Aussage vor Gericht besonderes Gewicht.

Zeuge schildert im Weidener Prozess, warum alte Rotorblätter meist verbrannt und nicht hochwertig recycelt werden
Zeuge schildert im Weidener Prozess, warum alte Rotorblätter meist verbrannt und nicht hochwertig recycelt werden
Bild: Shutterstock

Nach seiner Darstellung finden ausgediente Rotorblätter alter Windkraftanlagen selten den Weg zurück in hochwertige Produkte. Sie bestehen aus fest verbundenen Glasfasern, Carbonfasern, Harzen, Schäumen und weiteren Bestandteilen. Diese Mischung macht die Bauteile stabil, erschwert aber die Trennung und entsprechendes Recycling nach dem Rückbau erheblich.

Angeklagter räumt illegale Transporte ein

Das neue Geständnis fiel deutlich ausführlicher aus als die erste Einlassung zum Prozessauftakt. Der Tenor lautete: „Ich war der Chef, und ich übernehme die Verantwortung.“ Damit räumte der Unternehmer die illegale Verbringung von rund 700 Tonnen GFK- und CFK-Abfällen nach Tschechien ein.

Als Grund nannte er die Lage auf dem Betriebshof in Wernberg. Dort stapelte sich Windkraftschrott aus ganz Deutschland, weil die Anlage große Mengen annahm. Zunächst hatte das Unternehmen die Teile gehäckselt und anschließend an Abnehmer zur thermischen Verwertung weitergegeben. Nachdem die Behörde das Schreddern untersagte, brach dieser Entsorgungsweg jedoch weg.

Deponien statt Recyclinganlage in Tschechien

Nach dem Geständnis entstand über einen Mitangeklagten der Kontakt zu einer Firma in Tschechien. Diese Firma betrieb jedoch keine Recyclinganlage. Der Unternehmer räumte ein, dass er das wusste: „Ich wusste, dass kein einziger der Abfalltransporte in eine Verwertungsanlage ging, sondern auf Deponien.“

Damit gewinnt der Prozess eine andere Schärfe. Es geht nicht nur um formale Verstöße bei Abfallpapieren oder Transportwegen. Es geht außerdem um den Vorwurf, dass schwer verwertbarer Windkraftschrott trotz besseren Wissens in eine Entsorgungskette gelangte, die keine stoffliche Verwertung leistete.

Verbrennung ersetzt kein echtes Recycling

Der Zeuge beschrieb vor Gericht einen nüchternen Endweg für viele Rotorblätter. Sie landen nach seiner Schilderung nicht in einem geschlossenen Stoffkreislauf, sondern häufig in der thermischen Verwertung. Für die öffentliche Wahrnehmung der Windkraft ist das heikel, denn ausgerechnet langlebige Bauteile werden damit selbst zum Entsorgungsproblem.

In der Praxis zerkleinern Entsorger alte Rotorblätter häufig zu Ersatzbrennstoff. Zementwerke nutzen dann den Energiegehalt der Kunstharze, während mineralische Bestandteile in den Prozess eingehen können. Das reduziert zwar Deponiemengen, doch es gewinnt die hochwertigen Fasern kaum zurück.


Rückbau der Windkraft wird zur Kostenfrage

Der Angeklagte erklärte auch, dass finanzielle Gründe eine Rolle spielten. „Ich wollte mein eigenes und das Fortkommen der Firma sichern“, sagte er. Damit zeigt der Fall, wie schnell Entsorgungsdruck, hohe Kosten und fehlende Verwertungswege gefährliche Anreize schaffen.

Viele ältere Windkraftanlagen erreichen jetzt ihre Betriebsgrenze. Stahl, Kupfer und Beton lassen sich vergleichsweise gut verwerten, doch Rotorblätter bleiben der schwierigste Teil. Der Zeuge machte im Prozess deutlich, dass die Praxis weit hinter dem Anspruch einer Kreislaufwirtschaft zurückbleibt.

Für Betreiber wird die Entsorgung deshalb zur Kostenfrage und für Entsorger entsteht ein Haftungsrisiko, wenn Material falsch eingestuft oder unsauber weitergegeben wird. Für Behörden wird der Nachweisweg entscheidend, weil ein Teil der Energiewende sonst nicht im Kreislauf endet, sondern werden einfach verbrannt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Oberpfalz Echo (02.07.26)Oberpfalz Echo (03.07.26)BR24 (12.06.26)BR24 (11.06.26) – Die Zeit (05.06.26)

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