In der Oberpfalz hat die Staatsanwaltschaft Weiden Anklage gegen den Entsorgungsunternehmer Michael Roth und einen Mitarbeiter erhoben. Roth sitzt seit August 2025 in Untersuchungshaft. Der Fall betrifft mutmaßlich illegale Mülltransporte nach Tschechien und Polen seit 2022. Auslöser waren Ermittlungen zu falsch deklarierten Abfällen aus Deutschland. Im Zentrum stehen mindestens 700 Tonnen Müll, darunter Windrad-Schrott, Flugzeugteile, GFK- und CFK-Abfälle. Zugleich nennt die Anklage gefährliche Körperverletzung an neun Mitarbeitern. Sie sollen krebserregenden Stoffen wie Kobalt und Nickel ausgesetzt gewesen sein (exxpress: 26.04.26).
Anklage nennt illegale Transporte nach Tschechien und Polen
Die Ermittler gehen inzwischen von 54 Fällen aus. Dabei sollen gefährliche und nicht gefährliche Abfälle ohne die nötigen Genehmigungen ins Ausland gebracht worden sein. Zudem sollen Transporte nicht korrekt gemeldet worden sein.

Der Müll landete nach bisherigen Erkenntnissen an mehreren Orten in Tschechien. Außerdem nennen Ermittler Polen als weiteres Zielland. Die Vorwürfe wiegen schwer, weil die Entsorgung solcher Materialien strenge Nachweise verlangt.
Untersuchungshaft verschärft den Fall für die Branche
Roth galt lange als bekannter Name in der Entsorgung alter Windkraftanlagen. Gerade deshalb trifft der Fall die Branche empfindlich. Denn ausgerechnet ein Anbieter für Recyclinglösungen soll Entsorgungsregeln massiv verletzt haben.
Die Untersuchungshaft zeigt die Schwere der Vorwürfe. Zugleich gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. Das Landgericht Weiden muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Windrad-Schrott bleibt ein wachsendes Entsorgungsproblem
Rotorblätter bestehen häufig aus Verbundstoffen. Diese Materialien lassen sich nur schwer recyceln. Deshalb verursachen Rückbau und Entsorgung hohe Kosten.
Viele ältere Windräder erreichen nun das Ende ihrer Laufzeit. Zugleich fehlen vielerorts industrielle Lösungen für große Mengen GFK und CFK. Der Fall zeigt deshalb ein strukturelles Risiko der Energiewende.
Mitarbeiter sollen Schadstoffen ausgesetzt worden sein
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Neun Mitarbeiter sollen mit krebserregenden Stoffen in Kontakt gekommen sein. Dabei nennen Ermittler unter anderem Kobalt und Nickel.
Die mutmaßlichen Gesundheitsrisiken betreffen deshalb nicht nur ausländische Ablageorte. Sie reichen auch in den Betrieb selbst hinein. Außerdem könnten Sanierung, Rücktransport und fachgerechte Entsorgung hohe Kosten auslösen.
Untersuchungshaft und Anklage setzen neues Signal
Die zweite Nennung der Untersuchungshaft im Verfahren macht den Fall politisch brisant. Denn er verbindet Abfallkriminalität mit einem Kernbereich der Energiewende. Zugleich steigt der Druck auf Behörden, Entsorgungswege besser zu kontrollieren.
Für Betreiber alter Windkraftanlagen wächst damit das Risiko teurer Nachweise. Außerdem dürfte die Branche stärker erklären müssen, wie sie Rotorblätter künftig sauber entsorgt. Ohne belastbare Recyclingwege bleibt Windrad-Schrott ein Kosten- und Umweltproblem.
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