In Dierdorf im Westerwald ist der Windpark Märkerwald im September 2026 wirtschaftlich gescheitert. ABO Energy hat den Genehmigungsantrag für acht Windräder zurückgezogen und beendet die Entwicklung des Projekts. Entscheidend sind die stark gesunkenen Zuschlagswerte bei den EEG-Ausschreibungen für Windenergie an Land. Deshalb entfallen bis zu 54,4 Megawatt geplanter Leistung sowie mögliche Einnahmen für mehrere Kommunen rund um den Standort.

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Windpark Märkerwald scheitert an niedrigerer Vergütungsbasis
ABO Energy hatte acht Windkraftanlagen vom Typ Nordex N175 im forstwirtschaftlich genutzten Märkerwald vorgesehen. Jede Anlage sollte 6,8 Megawatt leisten und eine Gesamthöhe von 266,5 Metern erreichen. Außerdem plante der Entwickler eine Nabenhöhe von 179 Metern und Rotoren mit 175 Metern Durchmesser.
Der Genehmigungsantrag lag seit Ende Dezember 2024 bei der zuständigen Behörde. Das Projekt befand sich damit bereits deutlich über die frühe Planungsphase hinaus. Nun erklärt ABO Energy jedoch: „Unter den derzeitigen Bedingungen ist eine Realisierung des Windparks wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Deshalb zieht das Unternehmen den Antrag zurück.
EEG-Ausschreibungen drücken Zuschlagswert auf 5,06 Cent
Hinter dem Projektstopp steht vor allem der verschärfte Wettbewerb bei den Ausschreibungen für Windenergie an Land. Im Mai 2026 schrieb die Bundesnetzagentur rund 2.495 Megawatt aus. Dem standen jedoch 628 Gebote mit zusammen 6.409 Megawatt gegenüber. Nur 270 Gebote erhielten einen Zuschlag.
Dadurch fiel der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert auf nur noch 5,06 Cent je Kilowattstunde. Im Februar 2026 waren es noch 5,54 Cent. Im Mai 2025 lag der Wert sogar bei 6,83 Cent. Damit sank er innerhalb eines Jahres um fast 26 Prozent. Der Windpark Märkerwald trifft somit auf deutlich niedrigere Erlösperspektiven als noch zu Beginn des Genehmigungsverfahrens.
Projektstopp kostet Region mögliche Einnahmen
ABO Energy kalkulierte für die acht Anlagen eine Jahresproduktion von rund 102 Millionen Kilowattstunden. Diese Strommenge entspricht nach Berechnung des Unternehmens dem Haushaltsverbrauch von etwa 61.000 Menschen. Außerdem sollten die Anlagen rechnerisch knapp 77.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermeiden. Mit dem Ende des Projekts fällt diese geplante Erzeugung nun weg.
Auch für die umliegenden Gemeinden hat die Entscheidung finanzielle Folgen. Nach dem EEG können Betreiber Kommunen im Umkreis von 2.500 Metern mit bis zu 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde beteiligen. Für das Projekt kalkulierte ABO Energy deshalb mit rund 204.000 Euro jährlich. Über 20 Jahre hätte die mögliche Zahlung mehr als vier Millionen Euro erreicht.
Der Fall zeigt jedoch zugleich eine ungewöhnliche Folge des starken Windkraftausbaus. Viele genehmigte Projekte konkurrieren inzwischen um ein begrenztes Ausschreibungsvolumen. Dadurch sinken die Zuschlagswerte und damit die Erlösmöglichkeiten neuer Anlagen. Projekte mit höheren Bau-, Finanzierungs- oder Standortkosten können deshalb aus der Wirtschaftlichkeit rutschen. Beim Windpark Märkerwald führte genau diese Entwicklung zum Rückzug eines bereits weit vorbereiteten Vorhabens.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: NR Kurier (10.09.26) – Rhein-Zeitung (09.09.26)
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