Am Windpark Brombeerkopf bei Stegen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald haben die Bauarbeiten den Charakter des Waldstandorts bereits sichtbar verändert. Aufnahmen vom 26. Juli 2026 zeigen gerodete Flächen, freigelegte Böden, entfernte Wurzelstöcke und neu angelegte Schottertrassen. Genehmigt sind 1,345 Hektar dauerhafte sowie weitere 0,443 Hektar zeitweise Waldumwandlung. Geplant sind zwei Windenergieanlagen des Typs Enercon E-160 mit jeweils 246,5 Metern Gesamthöhe und 5,56 Megawatt Leistung. Besondere Bedeutung haben dabei vier private Quellen im Ortsteil Hintereschbach. Deshalb schreibt die Genehmigung umfangreiche Schutz- und Kontrollmaßnahmen vor. Politisch bleibt das Projekt umstritten, denn der Gemeinderat verweigerte sein Einvernehmen. Das Landratsamt ersetzte die kommunale Zustimmung jedoch im Genehmigungsverfahren.
Windpark Brombeerkopf greift tief in den Waldstandort ein
Die Arbeiten beschränken sich nicht auf das Fällen einzelner Bäume. Für Zufahrten, Kranflächen und Montageplätze müssen belastbare Untergründe entstehen. Deshalb entfernen Baumaschinen Wurzelwerk und organische Bodenschichten, bevor Schotter eingebaut und Flächen verdichtet werden. Technisch ist dieses Vorgehen für Schwertransporte und Großkräne erforderlich. Ökologisch verändert es jedoch einen Standort, dessen Boden zuvor Wasser speicherte, Nährstoffe band und den Baumbestand trug.

Bild: ©Adrian Kempf, Kirchzarten
Für den Windpark Brombeerkopf dürfen insgesamt 17.885 Quadratmeter Waldfläche umgewandelt werden. Davon bleiben 13.454 Quadratmeter dauerhaft für Anlagen, Wege und Nebenflächen beansprucht. Weitere 4.431 Quadratmeter sollen nach Abschluss der Bauphase wieder forstlich genutzt werden. Die Genehmigung verlangt dafür eine Wiederbewaldung mit einem Laubholzanteil von mindestens 40 Prozent. Eine solche Rekultivierung ersetzt jedoch nicht kurzfristig den gewachsenen Waldboden. Besonders bei verdichteten oder abgetragenen Bereichen dauert die Wiederherstellung der ursprünglichen Bodenfunktionen erheblich länger als die Bauphase selbst.
Private Wasserversorgung verlangt besondere Schutzmaßnahmen
Unmittelbar relevant sind die Arbeiten außerdem für mehrere Anwesen in Hintereschbach. Vier private Eigenwasserversorgungen liegen im möglichen Einflussbereich der Anlagenstandorte oder der ausgebauten Zufahrt. Bei Hintereschbach 23 und 24 hält die Behörde Auswirkungen wegen der Geländesituation für sehr unwahrscheinlich. Bei Hintereschbach 25 lassen sich Veränderungen während der Bauzeit dagegen nicht vollständig ausschließen. Noch konkreter ist die Lage bei Hintereschbach 26, weil dort der Straßenbau die Wasserversorgung berührt. Eine Verlegung der Brunnenstube kann deshalb erforderlich werden.
Das Landratsamt verlangt aus diesem Grund ein Wassermonitoring, regelmäßige Proben und eine abgestimmte Planung zum Grundwasserschutz. Für das betroffene Anwesen gilt ausdrücklich, dass dessen Wasserversorgung nicht beeinträchtigt werden darf. Damit erkennt die Genehmigung die besondere Sensibilität des Standortes selbst an. Zugleich bewertet die Behörde die möglichen Folgen bei Einhaltung aller Auflagen als beherrschbar. Entscheidend wird deshalb sein, ob die Schutzmaßnahmen während Erdarbeiten, Wegebau und Schwerlastverkehr dauerhaft funktionieren.
Gemeinde lehnt Projekt ab – Behörde ersetzt das Einvernehmen
Kommunalpolitisch stieß das Vorhaben früh auf Widerstand. Der Gemeinderat Stegen lehnte das Projekt am 25. Juni 2024 mit neun Gegenstimmen bei vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung ab. Auch der Ortschaftsrat Eschbach sprach sich mehrheitlich dagegen aus. Als Gründe nannten die Gremien unter anderem den Quellschutz, den Waldverbrauch, den Brandschutz und die schwierigen Zufahrtsverhältnisse. Das Landratsamt hielt die verweigerte Zustimmung jedoch für rechtlich nicht haltbar und ersetzte das gemeindliche Einvernehmen.
Seit der ursprünglichen Genehmigung wuchs zudem die Dimension der geplanten Anlagen. Zunächst waren zwei Windräder mit jeweils 229,5 Metern Gesamthöhe und 4,26 Megawatt Leistung vorgesehen. Im Februar 2026 genehmigte das Landratsamt den Wechsel auf Enercon E-160 mit jeweils 246,5 Metern Höhe und 5,56 Megawatt. Damit steigt sowohl die Anlagenhöhe als auch die Nennleistung deutlich. Der Windpark Brombeerkopf soll nach Angaben aus den Projektunterlagen zusammen rund 21 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Rund 290 Meter westlich einer Anlage beginnt zudem der Bannwald Conventwald. Dort laufen seit Jahrzehnten wissenschaftliche Langzeitmessungen zu Wasser- und Stoffkreisläufen. Eine direkte Beeinträchtigung erwartet die Behörde zwar nicht, Einflüsse auf einzelne Messreihen schließt sie jedoch nicht vollständig aus.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Adrian Kempf (26.07.26) – Gemeinde Stegen (28.04.26) – Landratsamt Breisgau Hochschwarzwald (11.02.26) –
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