Wasserstoff: Thyssenkrupp Nucera stoppt Großserie – Arnstadt verliert Fabrikchance

Arnstadt – Thyssenkrupp Nucera hat Mitte August 2026 den Aufbau einer eigenen SOEC-Serienfertigung gestoppt. Ausschlaggebend sind der verzögerte Hochlauf von Wasserstoff und verschobene Kundenprojekte. Arnstadt galt als wichtige Standortoption, obwohl der Konzern den endgültigen Fabrikstandort noch nicht festgelegt hatte. Dennoch entfällt die erhoffte Investition im dreistelligen Millionenbereich, während neun von 27 Beschäftigten betriebsbedingt gekündigt werden sollen.


Wasserstoff kommt langsamer in den Markt

Der deutsche Elektrolysemarkt wächst deutlich langsamer als frühere Planungen vorsahen. Anfang 2026 waren erst 181 Megawatt Elektrolyseleistung installiert, während weitere rund 1,3 Gigawatt gebaut oder endgültig beschlossen waren. Deshalb hält das EWI das deutsche Ziel von zehn Gigawatt bis 2030 für kaum erreichbar. Der Hochlauf von Wasserstoff bleibt damit weit hinter den früheren Ausbauplänen zurück.

Wasserstoff-Ausbau stockt: Nucera stoppt die geplante SOEC-Großserie in Arnstadt und streicht eine Investition in Millionenhöhe
Wasserstoff-Ausbau stockt: Nucera stoppt die geplante SOEC-Großserie in Arnstadt und streicht eine Investition in Millionenhöhe
Bild: Shutterstock

In Arnstadt läuft jedoch seit Mai 2025 eine gemeinsame Pilotfertigung von Nucera und Fraunhofer IKTS. Sie kann SOEC-Stacks mit rund acht Megawatt Jahreskapazität herstellen. Ab 2029 sollte daraus eine Serienfertigung mit etwa 300 Megawatt pro Jahr entstehen. Außerdem kann die Hochtemperaturelektrolyse durch die Nutzung von Prozesswärme den Strombedarf deutlich reduzieren.

Arnstadt verliert die industrielle Ausbauperspektive

Für Arnstadt fällt damit vor allem die Perspektive auf eine große industrielle Fertigung weg. Von 27 Mitarbeitern sollen neun eine betriebsbedingte Kündigung erhalten, während zwei weitere das Unternehmen selbst verlassen. Die übrigen 16 Beschäftigten sollen jedoch gemeinsam mit dem Fraunhofer IKTS an der Pilotanlage weiterforschen. Nucera prüft außerdem, wie der Standort und das vorhandene Know-how künftig genutzt werden können.

Der Freistaat Thüringen hatte die Technologie noch im Januar 2026 mit 900.000 Euro unterstützt. Das Geld sollte technische Reife und Marktfähigkeit voranbringen, während zusätzlich eine Förderung der geplanten Serienproduktion im Raum stand. Die Pilotforschung läuft deshalb weiter, obwohl die industrielle Großserie nicht kommt. Für die regionale Wirtschaft entfällt jedoch vorerst die Aussicht auf eine deutlich größere Produktion.


30 Millionen Euro belasten Thyssenkrupp Nucera

Finanziell kostet die Entscheidung Thyssenkrupp Nucera rund 30 Millionen Euro beim EBIT. Die Belastung entsteht vor allem durch Wertberichtigungen auf Pilotanlage und aktivierte Entwicklungskosten. Deshalb erwartet der Konzern 2025/26 nun einen EBIT-Verlust zwischen 105 und 75 Millionen Euro. Gleichzeitig sank der Neunmonatsumsatz auf 354 Millionen Euro, während der Auftragseingang auf 471 Millionen Euro stieg.

Nucera zieht sich dennoch nicht vollständig aus dem Geschäft mit Wasserstoff zurück. Der Konzern konzentriert sich künftig auf alkalische Wasserelektrolyse, Chlor-Alkali-Technik und die geplante Hochdruck-Wasserelektrolyse. Gerade der Stopp der SOEC-Großserie zeigt jedoch die Abhängigkeit neuer Fabriken von verbindlichen Abnahmeprojekten. Ohne ausreichende Nachfrage lässt sich selbst technisch fortgeschrittene Elektrolysetechnik nur schwer wirtschaftlich in die Großserie bringen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: HydroNews (20.08.26)Power to x (19.08.26)MDR (14.08.26)

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