Wasserstoffprojekt HySCALE100 gescheitert – 2,1 Gigawatt Ausbau bei Heide vom Tisch

Hemmingstedt/Heide – Das Wasserstoffprojekt HySCALE100 an der Raffinerie Heide ist endgültig gescheitert. Bekannt wurde das Aus am 12. August 2026. Bund und Land hatten fast 900 Millionen Euro für das Vorhaben bereitgestellt. Geplant waren Elektrolyseure mit bis zu 2,1 Gigawatt Leistung. Die Raffinerie nennt unter anderem fehlende Planungssicherheit als Grund. Deshalb verzögern sich laut Kreis Dithmarschen weitere Pläne für Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff. Das Land verliert jedoch kein Geld, weil die vorgesehenen Mittel nicht abgeflossen sind. Holcim erklärt außerdem, dass seine Projekte in Lägerdorf weiterlaufen.


Wasserstoffprojekt sollte Industrie an der Westküste verbinden

HySCALE100 sollte grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab produzieren. Zunächst war eine Elektrolyseleistung von 500 Megawatt vorgesehen. Später sollte die Kapazität jedoch auf bis zu 2,1 Gigawatt steigen. Windstrom aus der Region sollte dafür den Strom liefern. Außerdem wollte das Konsortium Raffinerie und Zementindustrie enger miteinander verbinden.

Das Wasserstoffprojekt bei Heide ist gescheitert. Fast 900 Millionen Euro Förderung und Ausbaupläne bis 2,1 Gigawatt fallen weg
Das Wasserstoffprojekt bei Heide ist gescheitert. Fast 900 Millionen Euro Förderung und Ausbaupläne bis 2,1 Gigawatt fallen weg
Bild: „Foto Raffinerie Heide GmbH“

Abgeschiedenes CO2 aus dem Holcim-Werk in Lägerdorf sollte dabei ebenfalls genutzt werden. Zusammen mit grünem Wasserstoff sollte daraus unter anderem Methanol entstehen. Das Wasserstoffprojekt zielte deshalb nicht nur auf die Energieversorgung, sondern auch auf neue chemische Grundstoffe. Gerade diese Verbindung machte HySCALE100 zu einem der größeren Industrievorhaben an der Westküste.

Deutschlands Wasserstoffhochlauf kommt nur langsam voran

Das Aus fällt in eine Phase, in der Deutschlands Wasserstoffhochlauf deutlich hinter den politischen Ausbauzielen liegt. Ende März 2026 waren bundesweit erst 181 Megawatt Elektrolyseleistung in Betrieb. Weitere 1.271 Megawatt hatten jedoch eine finale Investitionsentscheidung oder befanden sich bereits im Bau. Zusätzlich waren mehr als 7,2 Gigawatt angekündigt, allerdings ohne finale Investitionsentscheidung. HySCALE100 allein hätte damit eine erhebliche Größenordnung erreicht.

Auch die Bundesregierung versucht inzwischen, Genehmigungen und Infrastruktur schneller voranzubringen. Seit April gilt deshalb das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz. Die Bundesnetzagentur spricht zugleich ausdrücklich von einem verzögerten Markthochlauf. Für das geplante Gas- und Wasserstoffnetz stehen bis 2037 Investitionen von 24,3 Milliarden Euro im Raum. Das gescheiterte Wasserstoffprojekt bei Heide zeigt jedoch, dass Infrastruktur allein keine Investitionsentscheidung garantiert.


Holcim hält an Millionenprojekt in Lägerdorf fest

Holcim hält unterdessen an Carbon2Business in Lägerdorf fest. Dort will das Unternehmen jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen CO2 abscheiden und aufbereiten. Außerdem ist eine rund 30 Kilometer lange Leitung zum Elbehafen Brunsbüttel vorgesehen. Von dort soll das CO2 anderen Industrien zur Verfügung stehen oder zur Speicherung weitertransportiert werden. Die EU unterstützt das Projekt mit rund 110 Millionen Euro.

Für die Raffinerie Heide ist HySCALE100 nicht der erste gescheiterte Anlauf. Bereits 2023 stoppte das Konsortium Westküste100 den geplanten 30-Megawatt-Elektrolyseur. Damals machten gestiegene Investitionskosten den Bau wirtschaftlich unattraktiv. HySCALE100 sollte anschließend in einer völlig anderen Größenordnung folgen. Nun fällt auch dieses Vorhaben weg, deshalb verliert die Westküste erneut Zeit beim Aufbau einer großindustriellen Wasserstoffwirtschaft.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: NDR (12.08.26)Boyens Medien (12.08.26)Heide Refinery (07.04.22)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen