Wasserstoff als Retter gescheitert: Jetzt dreht die Subventionsspirale bei Batteriespeichern weiter

Ein Kommentar unsers Autors Klaus Bastian

Deutschland erlebt 2026 eine stille Korrektur der Energiewende-Erzählung. Jahrelang sollte Wasserstoff Industrie, Verkehr und Stromsystem klimaneutral absichern. Doch Projektabbrüche, Rückbau von Tankstellen und fehlende Wirtschaftlichkeit zeigen die Grenzen dieser Hoffnung. Deshalb rücken Batteriespeicher nun in die Rolle des nächsten Rettungsversprechens. Die Subventionsspirale dreht sich weiter, während Steuerzahler bereits die Kosten früherer Fehleinschätzungen tragen.


Subventionsspirale nach dem Wasserstoff-Versprechen

Wasserstoff war nie wertlos. In der Chemie, in Teilen der Stahlindustrie und für spezielle Schwerlastanwendungen bleibt er wichtig. Doch die Politik machte aus einer begrenzten Industrieoption ein universelles Heilsversprechen. Genau daran scheitert die Erzählung. Denn aus Zielbildern entstehen keine Märkte.

Subventionsspirale: Nach dem Wasserstoff-Hype rücken Batteriespeicher als nächste teure Hoffnung der Energiewende nach
Subventionsspirale: Nach dem Wasserstoff-Hype rücken Batteriespeicher als nächste teure Hoffnung der Energiewende nach
Bild: Shutterstock

Der Markt folgt nicht den Papieren aus Ministerien. Emissionsarmer Wasserstoff bleibt teuer, knapp und schwer zu transportieren. Außerdem fehlt vielen Projekten ein verlässlicher Abnehmer. Deshalb entstehen keine Geschäftsmodelle, nur weil der Staat Förderprogramme öffnet.

Milliardenzusagen ersetzen keine Wirtschaftlichkeit

Besonders deutlich zeigt sich das bei ArcelorMittal. Der Konzern stoppte seine Wasserstoffpläne für Bremen und Eisenhüttenstadt trotz zugesagter Förderung von rund 1,3 Milliarden Euro. Die Mittel flossen nach verfügbaren Angaben nicht vollständig ab. Trotzdem zeigt der Fall die Dimension der politischen Wette. Selbst Milliardenzusagen ersetzen keine Wirtschaftlichkeit.

Noch sichtbarer ist das Scheitern im Verkehr. Wasserstoff-Pkw sollten lange eine Alternative zum Batterieauto werden. Dafür entstand ein öffentliches Tankstellennetz. Doch H2 Mobility schloss 2025 zunächst 22 kleinere 700-Bar-Stationen. Später kündigte der Betreiber weitere 14 Schließungen zum Jahresende an.

Rückbau der Tankstellen zeigt die Kosten der Fehlplanung

Diese Entwicklung ist keine Randnotiz. Sie zeigt, dass Infrastruktur für einen Markt gebaut wurde, der nicht kam. Viele Tankstellen entstanden zudem in einem Umfeld staatlicher Förderung. Bundesprogramme erlaubten Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Deshalb geht es nicht nur um private Fehlinvestitionen.

Die entwertete Förderung lässt sich nur überschlägig beziffern. Rechnet man bei 36 zurückgebauten Stationen grob mit 0,5 bis 2 Millionen Euro Förderwert je Anlage, ergibt sich eine Spanne von rund 20 bis 70 Millionen Euro. Bei zusätzlichen Schließungen liegt die Größenordnung eher bei 20 bis 100 Millionen Euro. Das ist keine amtliche Endabrechnung. Es zeigt jedoch die Richtung der Subventionsspirale.


Batteriespeicher übernehmen die nächste Retterrolle

Während der Wasserstoff-Hype abkühlt, steigen Batteriespeicher zum neuen Symbol der Energiewende auf. Diese Verschiebung wirkt zunächst logisch. Speicher reagieren schnell, stabilisieren Netze und verschieben Solarstrom in die Abendstunden. Außerdem wächst der Markt deutlich stärker als die Wasserstoffwirtschaft.

Doch auch hier beginnt die alte Überhöhung von vorn. Batteriespeicher lösen wichtige Kurzzeitprobleme. Sie ersetzen jedoch keine gesicherte Kraftwerksleistung. Sie erzeugen keinen Strom in langen Dunkelflauten. Außerdem brauchen Großspeicher Netzanschlüsse, Flächen, Genehmigungen und rentable Preissignale.

Energiewende braucht Systemrechnung statt Heilsversprechen

Die direkten Bundeszuschüsse für Batteriespeicher lagen bisher nicht in Milliardenhöhe. Das frühere KfW-Programm 275 und der Speicheranteil aus KfW 442 ergeben grob einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Zählt man das gesamte Paket aus Photovoltaik, Speicher und Wallbox mit, kommt man auf rund 300 Millionen Euro. Davon entfiel jedoch nur ein Teil direkt auf Speicher. Genau hier dreht sich die Subventionsspirale weiter.

Die Energiewende scheitert nicht an einzelnen Technologien. Sie scheitert an der Weigerung, Kosten, Zeit, Netze und gesicherte Leistung ehrlich zusammenzurechnen. Wasserstoff bleibt für bestimmte Industrien relevant. Batteriespeicher bleiben für Kurzzeitspeicherung wichtig. Aber keine dieser Technologien trägt allein ein Stromsystem. Ohne nüchterne Systemrechnung zahlt der Staat erst den Aufbau einer Hoffnung und später die Korrektur derselben Hoffnung.

Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: Wallstreet Online (14.06.26) IEA (Stand: 26.0626)Welt (07.05.26)Energie & Management (26.03.26)

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