Mit Stutensee steigt eine weitere Gemeinde aus dem Wärmenetz-Vorhaben aus, weil Leistung, Zeitplan und Wirtschaftlichkeit nicht mehr zusammenpassen. Zuvor hatten bereits Bruchsal und Bretten ihren Rückzug aus dem Großprojekt erklärt. Die Projektentwicklungsgesellschaft sollte Fernwärme aus Tiefengeothermie in die Region bringen, und dabei sollten die Stadtwerke die Umsetzung stemmen. Doch die Eckdaten verschoben sich, und deshalb bricht die gemeinsame Lösung jetzt weg (meinstutensee: 27.12.25).
Wärmenetz: Warum die Tiefengeothermie-Leistung nicht mehr ausreicht
Im BNN-Interview beschreibt Stadtwerke-Chef Stefan Kleck die entscheidende Verschiebung, denn die erwartete Energiemenge fällt deutlich kleiner aus. Die Deutsche Erdwärme habe anfangs an beiden Standorten jeweils 40 Megawatt zugesagt, aber später die Werte spürbar nach untern korrigiert. Für Graben-Neudorf nennt Kleck nur noch 10 bis 20 Megawatt, und für Dettenheim 20 bis 25 Megawatt. Damit verliert die geplante Fernwärme-Versorgung jene Größenordnung, die ein regionales Leitungsprojekt wirtschaftlich stützen sollte, obwohl genau darauf die Kalkulation der Stadtwerke basierte.

Hinzu kommt der Zeitfaktor, und der wirkt wie ein zusätzlicher Bremsklotz. Laut Kleck könne die Wärme „möglicherweise ab 2029“ an erste Abnehmer geliefert werden. Ein solches Datum verschiebt Investitionen, aber es erhöht auch das Risiko, weil Kommunen ihre Wärmeplanung nicht jahrelang in der Warteschleife lassen. Das trifft die Projektentwicklungsgesellschaft direkt, weil ein später Start die Finanzierung des Wärmenetzes erschwert und zugleich den politischen Rückhalt schwächt.
Projektentwicklungsgesellschaft: So begann das Vorhaben, so endet es für Stutensee
Im Sommer 2023 gründeten mehrere Kommunen im nördlichen Landkreis Karlsruhe zusammen mit den Stadtwerken Bruchsal, Bretten und Ettlingen eine Projektentwicklungsgesellschaft (PEG). Stutensee beteiligte sich mit einmalig 47.000 Euro, weil die PEG eine Machbarkeitsprüfung und ein Umsetzungsmodell entwickeln sollte. In der Theorie klang das robust, denn Tiefengeothermie aus Graben-Neudorf und Dettenheim sollte klimafreundliche Wärme liefern und über eine Trasse in die Region verteilen.
Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass die Analyse grundsätzlich positiv ausfiel, jedoch kippte die Lage in der nächsten Phase. Wörtlich heißt es: „Im weiteren Projektverlauf konnten jedoch die für die Wärmebereitstellung erforderlichen vertraglichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht in der erwarteten Form realisiert werden“. Damit wird klar, dass nicht nur Technik zählt, sondern auch Preislogik, Lieferverträge und Risikoaufteilung. Gerade die Stadtwerke benötigen belastbare Zusagen, weil sie Netze nur mit stabilen Abnahme- und Lieferstrukturen planen können.
Fernwärme und Interessenlage: Warum die Kommunen nicht mehr gemeinsam ziehen
In der Ausscheidungsvorlage der PEG wird zusätzlich die Zusammenarbeit selbst zum Problem. Dort steht: „Hinzu kommt, dass sich die Ausgangslagen und Interessen der beteiligten Kommunen im Projektverlauf unterschiedlich entwickelt haben, sodass eine gemeinsame Umsetzung im bestehenden Rahmen der PEG aktuell nicht weiterverfolgt werden kann.“ Wenn Prioritäten auseinanderlaufen, wird auch ein Nahwärmesystem schwer steuerbar, weil jede Kommune andere Investitionsfenster und Preisziele setzt.
Für Stutensee hat der Ausstieg eine konkrete Folge, denn ein Teil des Geldes fließt zurück. Die Stadt erhält gemäß ihrem Anteil etwa 8.000 Euro, während die verbleibenden Gesellschafter über die Zukunft beraten. Damit bleibt offen, ob die Projektentwicklungsgesellschaft künftig eine kleinere Lösung verfolgt oder ob sie sich neu ausrichtet, jedoch ohne das ursprüngliche Wärmenetz-Konzept in voller Breite.
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