Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet in Deutschland bis 2035 mit einem deutlich stärkeren Stellenabbau in der Autoindustrie als bisher erwartet. Verbandschefin Hildegard Müller nannteaktuelle Berechnungen mit 225.000 gefährdeten Arbeitsplätzen durch die E-Auto-Wende. Das sind 35.000 mehr als bislang angenommen. Auslöser sind der Wechsel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität, schwache Standortbedingungen und hohe Kosten in Deutschland und Europa. Besonders Zulieferer geraten deshalb in Gefahr, während Mercedes-Benz in Berlin und Brandenburg zugleich mehr als 1100 Beschäftigte im Zuge eines Vertriebsumbaus zu einem britischen Investor wechseln lässt (welt: 13.05.26).
VDA sieht Zulieferer als Hauptverlierer der E-Auto-Wende
Die größten Risiken liegen jedoch nicht allein bei den großen Herstellern. Viele Zulieferbetriebe hängen noch stark am Verbrennungsmotor. Deshalb trifft sie der Umbau zur Elektromobilität besonders hart.

Motoren, Getriebe und klassische Antriebsteile verlieren zugleich an Bedeutung. Elektroautos benötigen andere Komponenten und weniger komplexe Antriebe. Dadurch geraten vor allem Betriebe unter Druck, die bisher von diesen Bauteilen leben.
Der VDA macht außerdem die Standortbedingungen für die Entwicklung verantwortlich. Hildegard Müller spricht von einer gravierenden und anhaltenden Krise in Deutschland und Europa. Zugleich verweist sie auf steigende Belastungen für Unternehmen.
Hohe Energiepreise und Bürokratie verschärfen den Jobabbau
Zu den zentralen Problemen zählen jedoch nicht nur technische Veränderungen. Hohe Steuern, teure Energie, hohe Lohnkosten und Bürokratie belasten die Branche zusätzlich. Deshalb verliert Deutschland für viele Investitionen an Attraktivität.
Für Zulieferer entsteht dadurch ein doppeltes Problem. Sie müssen neue Produkte entwickeln, während alte Geschäftsfelder schrumpfen. Außerdem fehlt vielen mittelständischen Betrieben die finanzielle Stärke großer Konzerne.
Der VDA fordert deshalb einen Kurswechsel in der europäischen Industriepolitik. Müller wirbt für mehr Flexibilität und Technologieoffenheit auf dem Weg zur Klimaneutralität. Nach ihrer Einschätzung könnten dadurch rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben.
Mercedes-Umbau zeigt den Wandel im Vertrieb
Auch Mercedes-Benz verändert jedoch seine Strukturen. In Berlin und Brandenburg wechseln mehr als 1100 Beschäftigte zu einem britischen Investor. Damit erreicht der Umbau nicht nur Werke und Zulieferer, sondern auch den Vertrieb.
Für die Belegschaften entscheidet nun, ob neue Eigentümer Standorte sichern. Zugleich zeigt der Schritt, wie tief der Wandel in die gesamte Wertschöpfungskette reicht. Produktion, Zulieferung und Verkauf verändern sich gleichzeitig.
Die Zahl von 225.000 gefährdeten Jobs markiert deshalb mehr als eine Branchenprognose. Sie zeigt ein Standortproblem mit direkten Folgen für Beschäftigte, Regionen und industrielle Stärke. Ohne bessere Rahmenbedingungen droht der Autoindustrie ein langer Abbaupfad bis 2035.
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