„Totalversager“ – Ökonomen zerreißen Klingbeils Haushaltsentwurf

In Berlin will das Bundeskabinett die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 und den Finanzplan bis 2030 beschließen. Der Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil sieht dazu deutlich höhere Ausgaben und neue Schulden vor. Der Kernhaushalt soll 2027 auf 543,3 Milliarden Euro steigen. Zugleich sollen die neuen Schulden 110,8 Milliarden Euro erreichen. Ökonomen reagieren scharf: Veronika Grimm nennt die Entwicklung „sehr besorgniserregend“. Daniel Stelter spricht mit Blick auf die handelnden Politiker von „Totalversagern“. Sie warnen deshalb vor steigenden Zinslasten, neuen Abgaben und einer wachsenden Belastung für Steuerzahler, Unternehmen und kommende Generationen (welt: 29.04.26).


Haushaltsentwurf treibt Schulden und Zinsen nach oben

Die Zinskosten entwickeln sich besonders gefährlich. Sie sollen von gut 30 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf rund 43 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigen. Bis 2030 drohen sogar 78,7 Milliarden Euro.

„Sehr besorgniserregend“ -Ökonomen entsetzt von Klingbeils Haushaltsentwurf - neue Schulden, steigende Zinsen und Abgaben drohen
„Sehr besorgniserregend“ -Ökonomen entsetzt von Klingbeils Haushaltsentwurf – neue Schulden, steigende Zinsen und Abgaben drohen

Damit frisst der Schuldendienst immer größere Teile des Etats. Dieses Geld fehlt jedoch für Straßen, Bahn, Digitalisierung und Entlastungen. Veronika Grimm nennt diese Entwicklung „sehr besorgniserregend“.

Neue Abgaben kaschieren fehlende Einschnitte

Klingbeil plant zugleich zusätzliche Einnahmen. Vorgesehen sind eine Plastikabgabe und eine Zuckerabgabe. Außerdem sollen Alkohol- und Tabaksteuer steigen.

Daniel Stelter wertet diesen Kurs als finanzpolitisches Versagen. Statt den Staat zu verschlanken, greift die Politik Bürgern und Unternehmen tiefer in die Tasche. Sein Urteil fällt entsprechend hart aus: „Totalversager“.

Finanzplanung offenbart riesige Lücken

Der Haushaltsentwurf zeigt zudem, wie groß die Risiken bis 2030 werden. In der Finanzplanung fehlen rund 140 Milliarden Euro. Zugleich sollen 2028 fast 135 Milliarden Euro neue Schulden entstehen.

Auch die großen Einzelposten wachsen massiv. Der Etat des Arbeitsministeriums soll 2027 erstmals über 200 Milliarden Euro liegen. Der Verteidigungsetat soll bis 2030 auf rund 180 Milliarden Euro steigen.


Sondervermögen verschieben die Wahrheit

Die Regierung nutzt außerdem Sondervermögen in großem Umfang. Aus dem Sondervermögen Bundeswehr sollen 2027 rund 27,5 Milliarden Euro fließen. Zugleich sind 58,2 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität geplant.

Damit entstehen zwar zusätzliche Investitionen, jedoch wächst auch die Abhängigkeit von schuldenfinanzierten Nebenhaushalten. Deutschland braucht Investitionen in Brücken, Bahn, Straßen und Digitalisierung. Doch ohne harte Ausgabenkontrolle drohen höhere Abgaben, weniger Spielraum und eine dauerhafte Schuldenfalle.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen