Testanlage für Mini-Atomreaktoren – USA starten DOME in Idaho

Im US-Bundesstaat Idaho ist mit DOME eine neue Testanlage für Mini-Atomreaktoren in Betrieb gegangen. Die USA schaffen damit erstmals einen Ort, an dem Entwickler Mini-Atomreaktoren unter realen Bedingungen prüfen können. Das ist für Zulassungen entscheidend, weil Behörden belastbare Daten zu Leistung, Sicherheit und Verhalten im Betrieb verlangen. Genau dieser Nachweis fehlte bisher jedoch oft, weshalb viele Projekte über Jahre in frühen Phasen stecken blieben. Hinter dem Vorhaben stehen das Idaho National Laboratory und das National Reactor Innovation Center. Politische Vorgaben aus dem Jahr 2025 beschleunigten den Ausbau zusätzlich. Die neue Infrastruktur soll deshalb Genehmigungen verkürzen, Risiken früher sichtbar machen und fortschrittliche Reaktoren schneller in den praktischen Einsatz bringen (focus: 13.04.26).


Testanlage soll Zulassungen für neue Reaktoren beschleunigen

Für neue Reaktorkonzepte reichen Computersimulationen allein nicht aus. Behörden verlangen vielmehr Messwerte aus realen Versuchen, damit sich Sicherheit und Leistung zuverlässig bewerten lassen. Fehlen diese Daten, ziehen sich Genehmigungen jedoch oft über Jahre. Genau an diesem Punkt setzt DOME an, weil Entwickler ihre Technik dort im laufenden Betrieb prüfen können. Die Ergebnisse fließen außerdem direkt in die Verfahren ein. Dadurch zeigt sich früher, welche Konzepte tragen und welche scheitern.

Neue Testanlage in Idaho: USA testen Mini-Atomreaktoren unter Realbedingungen und wollen Zulassungen deutlich beschleunigen
Neue Testanlage in Idaho: USA testen Mini-Atomreaktoren unter Realbedingungen und wollen Zulassungen deutlich beschleunigen

Die Unterstützung aus Washington fällt entsprechend deutlich aus. Das US-Energieministerium sieht in der Anlage einen strategischen Baustein für die künftige Energiepolitik. „Die DOME-Testanlage wird ein Grundpfeiler der Strategie sein, die Führungsrolle der USA bei fortschrittlichen Kerntechnologien wiederherzustellen“, sagt der Energiebeamte Rian Bahran. Auch INL-Direktor John Wagner betont die Geschwindigkeit des Projekts. „Wir beschleunigen die nächste Generation von Nuklearinnovatoren von der Idee bis zur Demonstration in einem Tempo, das die Branche seit Jahrzehnten nicht gesehen hat“, sagt Wagner. Laut INL wurde die Fertigstellung deshalb fast um ein Jahr vorgezogen.

Mikroreaktoren sollen Strom verlässlich und flexibel liefern

Mikroreaktoren sind deutlich kleiner als klassische Atomkraftwerke. Sie erzeugen bis zu 20 Megawatt thermische Leistung und kommen deshalb für kleinere Städte, Industrieanlagen oder abgelegene Regionen infrage. Ihr großer Vorteil liegt in der planbaren Energieproduktion, während Wind- und Solaranlagen vom Wetter abhängen. Zudem lässt sich ein solcher Reaktor schneller errichten als ein Großkraftwerk. Gerade dort, wo Strom dauerhaft verfügbar sein muss, wächst deshalb das Interesse.

Die Testanlage in Idaho soll diesen Markt nun in die nächste Phase bringen. Unternehmen können sich um Testzeiten bewerben, wobei der technische Reifegrad und die geplanten Zulassungen wichtige Kriterien sind. Die Firmen finanzieren ihre Versuche allerdings selbst. Ein erstes Projekt steht bereits fest: Radiant plant einen einjährigen Testlauf. Dabei kommt erstmals Kernbrennstoff in der Anlage zum Einsatz, zugleich sollen Leistungsdaten erhoben und technische Anpassungen direkt während des Betriebs möglich werden.


Alte Reaktorkuppel wird für neue Nukleartechnik umgebaut

Für DOME entstand keine komplett neue Hülle. Stattdessen nutzt das Projekt eine bestehende Kuppel, in der früher bereits ein experimenteller Reaktor stand. Das spart Zeit und Kosten, weil vorhandene Infrastruktur weiterverwendet und gezielt angepasst werden konnte. Zugleich erhält der Standort damit eine neue Rolle in der amerikanischen Kerntechnik. Aus einer früheren Reaktoranlage wird nun eine Plattform für neue Entwicklungen.

Genau darin liegt der praktische Wert der Testanlage. Unternehmen erhalten einen Ort, an dem sie ihre Konzepte schneller aus dem Entwicklungsstadium in die Realität bringen können. „Wir haben diese Anlage gebaut, damit Unternehmen ihre innovativen Konzepte schnell in praktische Demonstrationen überführen können“, erklärt Brad Tomer vom National Reactor Innovation Center. Wenn das Modell funktioniert, könnten Mikroreaktoren schneller ans Netz gehen und die Stromversorgung an sensiblen Standorten zuverlässiger absichern.

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