Sauberer und günstiger: Chinas Lkw rollen immer öfter elektrisch

Wie im Taubenschlag geht es auf einem staubigen Parkplatz am Stadtrand von Peking zu. In stetem Fluss rollen Elektrofahrzeuge auf das Areal, um dort ihre Batterien zu laden. Es sind keine Autos, die diesen Knotenpunkt ansteuern, rund eine Fahrtstunde vom Zentrum der chinesischen Hauptstadt entfernt. Es sind Lastwagen – und sie sind ein Beleg dafür, dass der flächendeckende Ausbau der E-Infrastruktur in der Volksrepublik nun auch zunehmend in der Logistikbranche ankommt.


Dass China bei Elektroautos schon längst auf die Überholspur eingeschwenkt ist, ist seit Jahren bekannt. Nun setzt das Land auch bei seiner riesigen Lkw-Flotte immer stärker auf E-Mobilität. 2025 sei „der Durchbruch für schwere Elektrofahrzeuge in China“ gewesen, sagt Lauri Myllyvirta, Mitgründer der Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und Experte für Chinas Energieverbrauch, der Nachrichtenagentur AFP. „Wenn die Infrastruktur vorhanden ist, sind auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine wachsende Zahl von Logistikrouten und -anforderungen gegeben.“

Zuletzt hat die Abkehr vom herkömmlichen Diesel-Lkw dabei deutlich an Fahrt gewonnen: Laut Daten des in Peking ansässigen Marktforschungsunternehmens Commercial Vehicle World machten Modelle mit neuen Antriebstechnologien im vergangenen Jahr 29 Prozent aller Lkw-Verkäufe in China aus. 2024 waren es mit 14 Prozent weniger als halb so viele gewesen – und gerade einmal drei Jahre davor, im Jahr 2021, noch weniger als ein Prozent.

China elektrifiziert zunehmend seine Lkw-Flotte. Sinkende Betriebskosten, neue Ladeinfrastruktur und hohe Dieselpreise treiben den Boom.
China elektrifiziert zunehmend seine Lkw-Flotte. Sinkende Betriebskosten, neue Ladeinfrastruktur und hohe Dieselpreise treiben den Boom.

An der staubigen Ladestation im Pekinger Bezirk Miyun schwärmt der 43-jährige Lkw-Fahrer Wang unterdessen von seinem neuen Elektrogefährt, auf das er im vergangenen Jahr umgestiegen ist: „Das ist ein Kinderspiel“, sagt er, kurz nachdem er das Ladekabel angeschlossen hat. „Mein altes Fahrzeug hatte über zehn Gänge, und die Bedienung war so umständlich. Aber bei diesem hier muss man gar nichts tun – alles läuft automatisch.“

Auf die Frage, warum seiner Meinung nach Logistikunternehmen zunehmend auf Elektro-Lkw umsteigen, nennt Wang eine Kombination aus staatlicher Politik und einfacher Marktlogik: „Es ist einfach das Überleben des Stärkeren“, sagt er. Wegen der hohen Frachtkosten versuchten die Leute „ein bisschen mehr zu verdienen – und dieses Modell hat niedrigere Betriebskosten“.

Ein weiterer Lkw-Fahrer namens Zhang berichtet, dass er vor etwa zwei Monaten von einem Erdgasfahrzeug auf einen E-Lkw umgestiegen sei. Seine Arbeit bestehe hauptsächlich darin, Sand und Steine auf kurzen Strecken in der Umgebung von Peking zu transportieren, erzählt er AFP. Für längere Transporte sei der Lastwagen – ein himmelblaues Modell der Marke Howo des staatlichen Lkw-Bauers Sinotruk – nicht geeignet. „Die Leistung ist ziemlich stark, die Beschleunigung ist schnell“, sagt er. „Es dreht sich alles um Geschwindigkeit, aber die Reichweite lässt ein wenig zu wünschen übrig.“ Sie liege bei 240 bis 250 Kilometern.


Während die Verbreitung der E-Lastwagen im Inland an Fahrt gewinnt, richten die Lkw-Hersteller ihren Blick schon auf weitere Absatzmärkte. „Ähnlich wie bei Personenkraftwagen beginnen Chinas Hersteller von Schwerlast-Lkw, Exportmärkte als unvermeidliche Strategie zu betrachten, da der Wettbewerb zunimmt und der chinesische Markt irgendwann gesättigt sein wird“, erklärt Analyst Christopher Doleman vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis.

Ein „potenzieller Beschleuniger“ des Trends zum E-Lkw seien die jüngsten Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten infolge des Krieges in der Golfregion, ist Doleman überzeugt. Die Nachfrage nach elektrischen Schwerlastfahrzeugen werde weiter steigen, „da Flottenbetreiber versuchen, ihre Anfälligkeit gegenüber schwankenden Dieselpreisen zu minimieren“.

Der Gründer des E-Lkw-Startups Windrose, Han Wen, berichtet, dass der Iran-Krieg die Nachfrage bereits angekurbelt habe. In diesem Jahr will das Unternehmen rund 1000 Lkw bauen – im kommenden Jahr sollen es dann bereits 10.000 sein und für 2030 werden gar 100.000 angepeilt.

„Wirtschaftlich gesehen gibt es keinen Zweifel mehr: Elektrofahrzeuge sind überlegen“, sagt Firmengründer Han. „Wir sind nicht mehr weit von dem Tag entfernt, an dem der Diesel-Lkw als Produktkategorie vollständig verschwunden sein wird.“

AFP

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