Renault will in den kommenden zwei Jahren weltweit 15 bis 20 Prozent seiner Ingenieurstellen abbauen. Damit könnten bis zu 2400 Stellen wegfallen. Betroffen ist ein Bereich mit derzeit rund 11.000 bis 12.000 Ingenieuren. Der französische Autobauer reagiert damit auf den wachsenden Druck durch chinesische Hersteller in wichtigen Absatzmärkten. Auslöser ist vor allem deren Vorteil bei Kosten und Entwicklungszeit. Zugleich setzt Konzernchef François Provost auf einen tiefgreifenden Umbau, damit Renault Fahrzeuge deutlich schneller entwickelt. Ein Beispiel liefert bereits der neue Twingo, dessen Entwicklungszeit durch die Zusammenarbeit mit Ingenieuren in China auf 21 Monate gesunken ist (wiwo: 14.04.26).
Renault reagiert auf den Vorsprung chinesischer Hersteller
Chinesische Automarken erhöhen den Druck auf europäische Hersteller seit Jahren. Sie bringen neue Modelle oft schneller auf die Straße und arbeiten zugleich mit niedrigeren Kosten. Genau dieser Vorsprung trifft Renault in seinen wichtigsten Märkten. Deshalb zieht der Konzern nun Konsequenzen bei Personal und Prozessen.

Die Kürzung fällt in eine Phase größerer Umbrüche. François Provost hatte bereits im vergangenen Monat einen weitreichenden Konzernumbau angekündigt. Nun wird klar, wie tief dieser Eingriff ausfällt. Renault will nicht nur Strukturen verändern, sondern auch die Entwicklung grundlegend neu ausrichten.
Weniger Ingenieure, aber schnellere Abläufe
Nach Angaben einer Sprecherin soll die Zahl der Ingenieure weltweit um 15 bis 20 Prozent sinken. Bezogen auf die aktuelle Belegschaft ergibt das einen Abbau von bis zu 2400 Stellen. Die Maßnahme betrifft also einen zentralen Bereich des Unternehmens. Gerade deshalb zeigt der Schritt, wie ernst Renault die Lage einschätzt.
Im Kern geht es jedoch nicht nur um Sparen. Renault will die Fahrzeugentwicklung massiv beschleunigen. Dazu orientiert sich der Konzern ausdrücklich an chinesischen Arbeitsmethoden. Diese gelten in der Branche als straffer, schneller und stärker auf kurze Zyklen ausgerichtet. Renault verknüpft den Personalabbau deshalb mit einem Umbau seiner Entwicklungsorganisation.
Der neue Twingo dient als Vorbild für den Umbau
Wie stark dieser Ansatz die Abläufe verändert, zeigt der neue Twingo. Durch die Zusammenarbeit mit chinesischen Ingenieuren im Forschungs- und Entwicklungszentrum in China konnte Renault die Entwicklungszeit auf 21 Monate senken. Das ist für ein neues Fahrzeug ein sehr kurzer Zeitraum. Zugleich liefert das Projekt dem Management einen konkreten Beleg, dass der neue Kurs funktioniert.
Für Renault hat diese Beschleunigung strategische Bedeutung. Wer Modelle später als die Konkurrenz auf den Markt bringt, verliert im harten Wettbewerb schnell Marktanteile. Das gilt besonders dann, wenn Rivalen günstiger produzieren und zugleich schneller auf Trends reagieren. Renault will diesen Nachteil deshalb direkt an der Quelle bekämpfen.
Der Stellenabbau markiert damit mehr als eine klassische Sparrunde. Renault passt sein Entwicklungsmodell an den globalen Konkurrenzkampf an. Der entscheidende Risikofaktor bleibt dabei der Vorsprung chinesischer Hersteller bei Tempo und Kosten. Während der Konzern auf effizientere Prozesse setzt, müssen nun bis zu 2400 Ingenieure um ihre Zukunft bangen.
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