Trotz versprochenem Bürokratieabbau: Regierung schafft mehr Stellen für Beamte als die Ampel

Berlin – Die Bundesregierung verspricht Bürokratieabbau und weniger Verwaltungspersonal, plant für 2027 jedoch deutlich mehr Stellen für Beamte. Gegenüber dem letzten vollständigen Ampel-Haushalt 2024 steigt ihre Zahl rechnerisch um 13.324 Planstellen. Insgesamt sieht der Etatentwurf 310.487 Planstellen und Stellen in der unmittelbaren Bundesverwaltung vor. Das sind 12.347 mehr als 2024. Gleichzeitig wachsen die Personalausgaben auf 51,62 Milliarden Euro. Ein großer Teil des jüngsten Stellenzuwachses entfällt zwar auf Sicherheit und Verteidigung. Doch selbst außerhalb dieser Ausnahmen wächst der Stellenbestand weiter, obwohl die Koalition Personal einsparen will.


Beamte werden zum größten Treiber des Stellenaufbaus

Im Bundeshaushalt 2024 waren insgesamt 298.140 Planstellen und Stellen vorgesehen. Für 2026 steigt diese Zahl bereits auf 305.753. Der Haushaltsentwurf für 2027 legt nochmals 4.752 Stellen darauf. Damit wächst die Bundesverwaltung zunächst weiter, obwohl Union und SPD eine Verkleinerung angekündigt haben.

Trotz versprochenem Bürokratieabbau plant der Bund 2027 deutlich mehr Beamte und Personalausgaben von 51,62 Milliarden Euro
Trotz versprochenem Bürokratieabbau plant der Bund 2027 deutlich mehr Beamte und Personalausgaben von 51,62 Milliarden Euro
Bild: Shutterstock

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Beamten. Zwischen 2024 und 2026 kommen laut INSM 9.008 Beamtenplanstellen hinzu. Für 2027 plant der Bund weitere 4.316. Zusammen ergibt sich gegenüber 2024 ein Plus von 13.324 Planstellen. Die Zahl der Arbeitnehmerstellen sinkt dagegen leicht. Der zusätzliche Personalbestand verlagert sich deshalb stärker auf Beamtenverhältnisse.

Bürokratieabbau passt bislang nicht zum Personaltrend

Die Bundesregierung wirbt gleichzeitig mit einem umfassenden Abbau von Bürokratie. Unternehmen und Bürger sollen dadurch jährlich um Milliardenbeträge entlastet werden. Außerdem will die Koalition die Bürokratiekosten der Wirtschaft deutlich senken. Weniger Vorschriften führen jedoch bislang nicht zu einem kleineren Personalbestand beim Bund.

Auch beim Personal hat die Koalition konkrete Einsparungen angekündigt. Bis 2029 soll der Bestand in den erfassten Bereichen um mindestens acht Prozent sinken. Für 2027 sieht der Haushaltsentwurf eine Einsparquote von zwei Prozent vor. Allerdings gelten zahlreiche Ausnahmen für Sicherheits- und Verteidigungsbehörden. Von den zusätzlichen Stellen zwischen 2026 und 2027 entfallen deshalb 4.128 auf diese Bereiche. Doch auch außerhalb der Ausnahmen wächst der Bestand noch um 624 Stellen.


Mehr Beamte schaffen langfristige Milliardenverpflichtungen

Neue Beamte belasten den Staatshaushalt nicht nur über laufende Gehälter. Mit jeder zusätzlichen Verbeamtung entstehen langfristige Ansprüche auf Pensionen und Beihilfen. Diese Verpflichtungen wirken deshalb noch Jahrzehnte nach der eigentlichen Personalentscheidung. Gleichzeitig steigen bereits die unmittelbaren Personalausgaben deutlich. Nach weniger als 45 Milliarden Euro im Jahr 2024 sind für 2027 nun 51,62 Milliarden Euro vorgesehen.

Auch langfristig zeigt die Entwicklung nur in eine Richtung. Seit 2017 wächst der gesamte Stellenbestand von 257.069 auf geplante 310.487 Positionen im Jahr 2027. Damit kommen innerhalb eines Jahrzehnts mehr als 53.000 Stellen hinzu. Besonders stark steigt dabei die Zahl der Beamtenplanstellen. Gleichzeitig verspricht die Bundesregierung schlankere Strukturen und weniger Verwaltungsaufwand. Auf der Stellenebene ist diese Trendwende bislang jedoch nicht erkennbar.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: ISM (01.09.26)Welt (31.08.26)

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