Merz bettelt am Golf um LNG – die Doppelmoral der Regierung wenn es ums Gas geht

Deutschland hat den Ausstieg aus fossilem Gas politisch festgeschrieben, dennoch wirbt Kanzler Friedrich Merz in Saudi-Arabien, Katar und den Emiraten um LNG-Lieferabkommen. Genau hier liegt die Doppelmoral, denn russisches Gas wurde auch mit moralischen Argumenten ausgeschlossen, während energiepolitische Kooperation mit autoritären Golfstaaten aktiv vorangetrieben wird. Einerseits beruft sich Berlin auf Werte und Menschenrechte, andererseits verhandelt es mit Staaten, die diese Prinzipien systematisch verletzen. Deshalb richtet sich die Kritik nicht nur gegen die Reise, sondern gegen die widersprüchliche Begründung der Gasstrategie (berliner-zeitung: 04.02.26)


Doppelmoral seit dem Russland-Ausstieg und dem Klimagesetz 2021

Der politische Rahmen steht seit 2021 fest, denn mit dem novellierten Klimaschutzgesetz beschloss Deutschland Klimaneutralität bis 2045. Damit ist der Ausstieg aus fossilen Energieträgern einschließlich Erdgas vorgezeichnet, zugleich wurden Investitionen politisch daran ausgerichtet. Zusätzlich regelt das LNG-Beschleunigungsgesetz, dass LNG-Terminals an Land ab 2043 nur noch für klimaneutralen Wasserstoff und Derivate genutzt werden dürfen. Somit kollidieren sehr lange Gasverträge direkt mit dem eigenen Rechtsrahmen.

Merz bettelt am Golf um LNG – Deutschlands Doppelmoral - Russland tabu, Golfstaaten trotz Todesstrafe und Khashoggi wieder salonfähig
Merz bettelt am Golf um LNG – Deutschlands Doppelmoral – Russland tabu, Golfstaaten trotz Todesstrafe und Khashoggi wieder salonfähig

Gleichzeitig setzte die Bundesregierung nach dem Ukrainekrieg auf den Ausschluss russischer Gaslieferungen und sie begründete diesen Schritt auch moralisch. Genau daraus entsteht die Doppelmoral-Debatte, denn moralische Kriterien verlieren an Gewicht, sobald andere Lieferländer ins Spiel kommen. Während Russland als untragbar gilt, werden Golfmonarchien als akzeptable Partner behandelt. Dieser Unterschied erklärt den Vorwurf der doppelten Maßstäbe.

Khashoggi, Sanktionen und Todesstrafe am Golf

Der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi führte 2018 zu konkreten deutschen Sanktionen gegen Saudi-Arabien, außerdem stoppte Berlin Rüstungsexporte. US-Geheimdienstberichte kamen später zu der Einschätzung, dass der saudische Kronprinz die Operation gebilligt habe, die zu Khashoggis Tötung führte. Dennoch sucht die deutsche Politik heute wieder aktiv Energieabkommen mit Riad. Dadurch verstärkt sich der Eindruck politischer Doppelmoral.

Hinzu kommt die Strafpraxis in der Region, denn Saudi-Arabien vollstreckt weiterhin die Todesstrafe in hoher Zahl. Auch Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate halten an der Todesstrafe im Rechtssystem fest, wenn auch seltener angewendet. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren regelmäßig harte Urteile und eingeschränkte Rechtsverfahren. Trotzdem spielen diese Fakten in der aktuellen Energieaußenpolitik nur eine Nebenrolle, jedoch standen sie früher im Zentrum politischer Kritik.

Vertragslaufzeiten – warum Golf-LNG und deutscher Ausstieg kollidieren

Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Laufzeiten, denn Golfanbieter setzen fast immer auf sehr langfristige LNG-Verträge. Katar und andere Exporteure schließen regelmäßig Verträge über 20 Jahre oder länger, außerdem finden sie dafür ausreichend Abnehmer in Asien. Deutsche Stellen zögerten in der Vergangenheit genau wegen dieser langen Bindung. Deshalb kam es in früheren Verhandlungsrunden zu keiner Einigung.

Dieser Konflikt ergibt sich logisch aus dem deutschen Ausstiegspfad, denn langfristige Fossilverträge widersprechen den eigenen Klimazielen. Einerseits will Berlin aus dem Gas heraus, andererseits sucht es neue Lieferquellen. Dadurch verschärft sich die Doppelmoral-Debatte erneut, weil politische Ziele und Beschaffungspraxis auseinanderlaufen. Die Kritik richtet sich also nicht gegen Diversifizierung, sondern gegen fehlende Stringenz.


Experten warnen vor Logikbruch statt Versorgungsstrategie

Energieexperten kritisieren vor allem die Begründungslinie, zudem verweisen sie auf strategische Risiken. Wer russisches Gas moralisch ausschließt, muss dieselben Maßstäbe global anwenden. Andernfalls entsteht ein selektives Wertesystem, jedoch keine belastbare Energiepolitik. Genau diese Doppelmoral beschädigt die außenpolitische Glaubwürdigkeit.

Außerdem bleiben LNG-Lieferungen strukturell teuer, denn Verflüssigung, Transport und Rückvergasung kosten viel Energie. Langfristige Verträge verlängern fossile Abhängigkeiten, zugleich blockieren sie Investitionsspielräume. Deshalb zeigt die Golf-Offensive ein Grundproblem: Die Gaspolitik folgt keinem klaren Pfad, sondern mehreren widersprüchlichen Linien. In der inzwischen kritischen Versorgungslage beim Erdgas wirkt Merz’ Golfreise wie ein Versuch, die Energieversorgung um jeden Preis abzusichern – selbst wenn dafür die eigenen moralischen Maßstäbe geopfert werden.

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