Bis zu 46.000 deutsche Mobilfunkstandorte könnten von einem weitreichenden Huawei-Verbot betroffen sein. Die Bundesnetzagentur bereitet dafür derzeit die regulatorische Grundlage vor und will zentrale Funktionen des 5G-Funkzugangsnetzes als kritisch einstufen. Nach Abschluss des Verfahrens könnte das Bundesinnenministerium den Einsatz bestimmter Huawei-Komponenten untersagen. Hintergrund ist kein öffentlich belegter Spionagefall an deutschen Antennen. Entscheidend sind vielmehr mögliche Fernzugriffe, überregionale Angriffsmöglichkeiten und die Sorge vor politischer Einflussnahme Chinas auf einen zentralen Netzausrüster. Die Netzbetreiber müssen diese Technik derzeit noch nicht ausbauen.

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Bundesnetzagentur erweitert den Sicherheitsbereich des 5G-Netzes
Bislang konzentrieren sich die deutschen Huawei-Beschränkungen vor allem auf besonders sensible Bereiche des Kernnetzes und auf Netzwerkmanagementsysteme. Nun rückt erstmals auch das Radio Access Network stärker in den sicherheitsrechtlichen Fokus. Dieses Funkzugangsnetz verbindet Smartphones über Basisstationen mit dem eigentlichen Mobilfunknetz. Die neue Einstufung würde deshalb einen deutlich größeren Teil der Infrastruktur erfassen.
Die Bundesnetzagentur hat den Entwurf gemeinsam mit dem BSI und der Bundesdatenschutzbeauftragten in das europäische Notifizierungsverfahren eingebracht. Betroffene Unternehmen können dazu noch Stellung nehmen. Nach bisherigem Zeitplan soll die endgültige Liste Anfang 2027 vorliegen. Erst danach könnte das Innenministerium auf dieser Grundlage konkrete Hersteller oder Komponenten untersagen.
Warum Huawei auch ohne nachgewiesene Spionage zum Sicherheitsproblem wird
Der mögliche Ausschluss folgt damit einem Vorsorgeprinzip. Für ein Verbot muss kein konkreter Sabotage- oder Spionagefall an einem deutschen Mobilfunkstandort nachgewiesen sein. Nach § 41 BSI-Gesetz darf das Bundesinnenministerium auch berücksichtigen, ob ein Hersteller dem Einfluss eines Drittstaates ausgesetzt sein könnte. Ebenso relevant ist, ob ausländische Gesetze Unternehmen zur Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen verpflichten können.
Genau darin liegt der Konflikt um Huawei. Der chinesische Konzern liefert seit Jahren große Teile der europäischen Mobilfunktechnik. Dadurch ist eine erhebliche Abhängigkeit entstanden. Sicherheitsbehörden betrachten diese Konzentration zunehmend kritisch, weil Störungen, politische Konflikte oder staatliche Einflussnahme theoretisch große Teile der Kommunikationsinfrastruktur erfassen könnten. Huawei weist Sicherheitsvorwürfe zurück. Einen öffentlich belegten Missbrauch seiner deutschen 5G-Technik gibt es bislang nicht.
Rund 46.000 Mobilfunkstandorte müssten umgerüstet werden
Die möglichen Folgen wären dennoch erheblich. Nach Berechnungen von Strand Consult nutzen etwa 58 Prozent der deutschen 5G-Mobilfunkstandorte Huawei-Technik im Funkzugangsnetz. Das Beratungsunternehmen kommt damit auf rund 46.000 Standorte. Die Zahl stammt allerdings nicht aus einer amtlichen Bestandsaufnahme der Bundesnetzagentur.
Ein Verbot würde zudem nicht bedeuten, dass 46.000 Mobilfunkmasten verschwinden. Die Betreiber müssten vielmehr Huawei-Komponenten ausbauen und durch Technik anderer Hersteller ersetzen. Strand Consult veranschlagt dafür etwa 50.000 Euro pro Standort. Daraus ergäben sich bundesweit Kosten von ungefähr 2,5 Milliarden Euro. Die tatsächliche Summe hängt jedoch vom Umfang eines möglichen Verbots und von den Austauschfristen ab.
Bestehender Huawei-Ausstieg würde deutlich ausgeweitet
Bereits heute müssen Telekom, Vodafone und Telefónica Teile ihrer Huawei- und ZTE-Technik ersetzen. Kritische Komponenten dürfen spätestens Ende 2026 nicht mehr in den deutschen 5G-Kernnetzen eingesetzt werden. Für bestimmte Managementsysteme in Zugangs- und Transportnetzen gilt eine Frist bis Ende 2029. Die eigentliche Funktechnik an den Mobilfunkstandorten fällt bislang jedoch nicht unter einen flächendeckenden Ausschluss.
Genau das könnte sich mit der neuen Einstufung ändern. Ein Huawei-Verbot im Funkzugangsnetz würde aus einer bisher begrenzten Sicherheitsmaßnahme einen wesentlich umfassenderen Umbau machen. Für die Betreiber wären nicht nur Milliardeninvestitionen erforderlich. Auch Planung, Beschaffung und Umbau zehntausender Standorte würden Jahre beanspruchen. Damit erhält die Entscheidung der Bundesnetzagentur eine Bedeutung, die weit über eine technische Neubewertung hinausgeht.
Entscheidung über Huawei liegt anschließend beim Innenministerium
Die Bundesnetzagentur entscheidet dabei nicht selbst über einen Ausschluss von Huawei. Sie legt fest, welche Netzfunktionen als sicherheitskritisch gelten. Auf dieser Grundlage kann anschließend das Bundesinnenministerium den Einsatz bestimmter Komponenten untersagen. Im Telekommunikationsbereich werden dabei auch das Bundesdigitalministerium und das Auswärtige Amt einbezogen.
Damit befindet sich das Verfahren derzeit zwischen Sicherheitsbewertung und möglicher Verbotsentscheidung. Der Staat erweitert zunächst den Bereich, in dem ein Eingriff überhaupt möglich wird. Erst danach entscheidet sich, ob aus der neuen Einstufung tatsächlich ein zusätzlicher Austausch an zehntausenden Mobilfunkstandorten folgt. Für die deutsche Mobilfunkbranche könnte daraus einer der größten technisch bedingten Netzümbauten der vergangenen Jahre entstehen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Golem (01.10.26) – WirtschaftsWoche (30.09.26) – The Intelligent (02.10.26) – Bundesnetzagentur (07.10.26)
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