Brüssel verschärft 2026 die Regeln für öffentlich geförderte Solarprojekte, weil digital angebundene Wechselrichter aus China als Cyberrisiko für Europas Strominfrastruktur gelten und künftig weniger Fördergeld erhalten sollen. Die Sorge richtet sich nicht auf Solarstrom selbst, sondern auf Fernwartung, Softwareupdates und mögliche Zugriffe auf Anlagensteuerungen. Der Iberien-Blackout vom 28. April 2025 lieferte dafür keinen Beweis, zeigte jedoch die Empfindlichkeit moderner Stromnetze. Experten halten einen europaweiten Blackout durch einzelne Geräte für unwahrscheinlich. Regionale Störungen, Projektverzögerungen und neue Kosten treffen jedoch Betreiber, Investoren und Netzplaner.
Cyberrisiko entsteht durch digitale Steuerung
Wechselrichter wandeln Gleichstrom aus Solarmodulen in netztauglichen Wechselstrom um. Sie sind jedoch längst mehr als einfache Umwandler. Viele Geräte senden Betriebsdaten, erhalten Updates und lassen sich deshalb aus der Ferne warten.

Genau dieser Zugang macht sie sicherheitspolitisch relevant. Ein einzelnes Gerät gefährdet das Verbundnetz nicht. Tausende Geräte könnten jedoch bei einem koordinierten Eingriff gleichzeitig Leistung abwerfen oder falsche Signale liefern. Deshalb rückt nicht Solarstrom in den Fokus, sondern die Kontrolle über technische Schnittstellen.
EU-Förderstopp trifft neue Solarprojekte
Die EU begrenzt nun öffentliche Gelder für Projekte mit Technik aus Hochrisikostaaten. Dazu zählen vor allem China, Russland, Iran und Nordkorea. Die Regel betrifft jedoch keine pauschale Abschaltung bestehender Anlagen, sondern neue und laufende Vorhaben mit EU-Finanzierung.
Der Schritt kann den Markt stark verändern. Mindestens 14 Gigawatt neuer Solarleistung stehen im Fokus. Das entspricht mehr als einem Fünftel der jährlichen EU-Installationen. Das Cyberrisiko wird damit auch zu einem Investitionsproblem, weil Projektierer Lieferketten und Förderfähigkeit neu bewerten müssen.
Europas Solarziele geraten in einen Zielkonflikt
Chinesische Hersteller wie Huawei und Sungrow liefern einen großen Teil der in Europa eingesetzten Wechselrichter. China stellt außerdem 61 Prozent der in Europa importierten Geräte. Diese Abhängigkeit senkt zwar Kosten, erhöht jedoch die strategische Verwundbarkeit bei zentraler Steuertechnik.
Europäische Alternativen kosten nach Branchendaten oft 20 bis 40 Prozent mehr. Für große Solarparks bleibt der Anteil an den Gesamtkosten zwar begrenzt. Dennoch können knappe Margen, technische Umstellungen und längere Lieferzeiten Projekte verzögern. Das trifft besonders Vorhaben, die stark von Fördergeldern abhängen.
Mehr Solaranlagen verschärfen die Abhängigkeit
Die EU kam 2025 bereits auf rund 406 Gigawatt installierte Solarleistung. Zugleich hängen mehr als 200 Gigawatt europäischer Solarleistung hinter chinesischen Wechselrichtern. Dadurch wächst das Cyberrisiko mit jeder neuen Anlage, wenn Europa zentrale Netztechnik weiter importiert.
China weist die Vorwürfe zurück. Das Handelsministerium erklärte sinngemäß: „China akzeptiert das nicht und lehnt es entschieden ab.“ Brüssel muss jedoch nicht nur über Preise entscheiden. Für Europas Stromversorgung zählt künftig auch, wer die Geräte kontrolliert, die Solarstrom ins Netz einspeisen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Deutsche Welle (29.06.26) – PV Magazine (29.06.26) – Energy Storage (24.06.26) – EuroNews (22.06.26)
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