Industrieverband BDI spricht für 2024 von „konjunkturellem Stillstand“

Der Industrieverband BDI blickt düster auf die Konjunkturentwicklung in diesem Jahr. „Konjunkturell herrscht Stillstand in Deutschland“, erklärte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, am Dienstag in Berlin. Zudem wachse der Abstand zur Weltwirtschaft. Das ZEW in Mannheim meldete leicht verbesserte Konjunkturerwartungen der befragten Expertinnen und Experten – die aktuelle Lage wird aber unverändert als schlecht eingeschätzt.


BDI-Prognose: Deutschland mit minimalem Wachstum in 2023, global deutlich hinterher

Der BDI geht in diesem Jahr für Deutschland von einem Wachstum von nur 0,3 Prozent aus, während die Weltwirtschaft um 2,9 Prozent zulegen werde. Im Vergleich zu den meisten anderen großen Industriestaaten falle Deutschland weiter zurück. „Eine Chance auf einen raschen Befreiungsschlag 2024 sehen wir nicht“, erklärte Russwurm.

BDI warnt vor konjunkturellem Stillstand: Deutschland fällt weiter zurück - Was bedeutet das für die Wirtschaft?
Industrieverband BDI spricht für 2024 von „konjunkturellem Stillstand“
Bild: Berlin 2020 E, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Statistisches Bundesamt: Deutsche Wirtschaft schrumpft 2023, EU und Eurozone wachsen – BDI warnt vor Investitionsunsicherheit

Erst am Montag hatte das Statistische Bundesamt Konjunkturdaten für 2023 veröffentlicht. Demnach schrumpfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent, während für EU und Eurozone 2023 statt eines Rückgangs ein Anstieg um 0,6 Prozent erwartet wird.

In Deutschland habe sich die Politik „in eine Komplexitätsfalle manövriert“, das koste Vertrauen und führe zu Verunsicherung bei Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern. Dadurch fehle auch „jede verlässliche Kalkulationsbasis für Investitionen“, beklagte der BDI. Zum Lichtblick könne die Zinspolitik der Zentralbanken werden – spürbare Effekte möglicher Zinssenkungen in der Realwirtschaft werde dies aber erst ab Frühjahr 2025 auslösen.

Auf die Zinspolitik der Zentralbanken verwies auch das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Die Konjunkturerwartungen von Finanzexpertinnen und -experten verbesserten sich demnach leicht, der Index stieg in der Januar-Umfrage um 2,4 Punkte auf 15,2 Punkte an. Der Optimismus hängt laut ZEW vor allem damit zusammen, dass mittlerweile über die Hälfte der Befragten baldige Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank erwartet.


ZEW-Index: Experten sehen konjunkturelle Lage weiterhin düster

Experten bewerten die konjunkturelle Lage fast unverändert als schlecht. In der neuesten Umfrage fiel der Wert um 0,2 Punkte auf -77,3. Das ZEW befragt monatlich Fachleute aus Banken, Versicherungen und Großunternehmen. Sie geben Einschätzungen zu Finanzmarktdaten, die die Konjunkturentwicklung beeinflussen.

Auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte am Dienstag seinen Konjunkturindikator für den Jahresbeginn. Die Wahrscheinlichkeit einer schrumpfenden deutschen Wirtschaft im ersten Quartal 2024 sinkt leicht. Trotzdem bleibt sie mit fast 57 Prozent hoch.

Zwar seien nun Zinssenkungen angesichts der schwachen Konjunktur und der erwarteten Rückgänge bei der Inflation „absolut angebracht“, erklärte das IMK. Doch auch rasche Entscheidungen der Europäischen Zentralbank in diese Richtung würden ihre Wirkung „erst mit Verzögerung entfalten“.

AFP

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