IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn – Arbeitgeber warnen vor weiterem Jobabbau

Frankfurt – Die IG Metall hat am 23. September ihre Forderung für die Tarifrunde 2026 beschlossen. Sie verlangt fünf Prozent mehr Entgelt für rund 3,7 Millionen Beschäftigte bei zwölf Monaten Laufzeit. Außerdem fordert die Gewerkschaft eine soziale Komponente, Gewinnbeteiligungen in gut laufenden Unternehmen sowie Zusagen für Jobs und Standorte. Die ersten Verhandlungen beginnen ab 7. Oktober, während die Friedenspflicht Ende Oktober ausläuft. Allerdings warnen Arbeitgeber vor zusätzlichen Belastungen in einer Branche, die bereits zehntausende Arbeitsplätze verloren hat. Weitere Kostensteigerungen könnten deshalb vor allem angeschlagene Betriebe zu neuen Einschnitten bewegen.

IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn. Arbeitgeber warnen angesichts von Stellenabbau und schwacher Autokonjunktur vor weiteren Kosten
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn. Arbeitgeber warnen angesichts von Stellenabbau und schwacher Autokonjunktur vor weiteren Kosten
Bild: Shutterstock

IG Metall trifft mit Lohnforderung auf gespaltene Industrie

Die wirtschaftliche Lage unterscheidet sich erheblich zwischen den einzelnen Branchen. Luftfahrt, Rüstung, Schiffbau und Teile der Elektroindustrie entwickeln sich vergleichsweise robust. Dagegen kämpfen Autohersteller und viele Zulieferer mit schwacher Nachfrage, Überkapazitäten und sinkender Profitabilität. Deshalb will die Gewerkschaft neben höheren Entgelten auch betriebliche Unterschiede stärker berücksichtigen.

Auch die Beschäftigten erleben keine einheitliche Konjunktur. Nach einer Gewerkschaftsbefragung bewertete fast die Hälfte die Lage ihres Betriebs als gut oder sehr gut. Jeder fünfte Befragte stufte sie jedoch als schlecht oder sehr schlecht ein. Außerdem registrieren selbst wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe weiterhin Stellenabbau. Die IG Metall argumentiert deshalb, dass ein pauschaler Verzicht auf Lohnerhöhungen die tatsächliche Lage vieler Unternehmen nicht abbilde.


Arbeitgeber sehen zusätzliche Lohnkosten als Gefahr für Jobs

Die Arbeitgeber bewerten die Forderung wesentlich kritischer. Gesamtmetall verweist auf eine jahrelang rückläufige Beschäftigung und weiterhin schwache Personalpläne. Im August waren diese laut Verbandsdaten bereits den 38. Monat in Folge abwärtsgerichtet. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen in Metall- und Elektroberufen auf mehr als 180.000. Damit beginnen die Tarifverhandlungen in einer Phase, in der viele Unternehmen ihre Personalkosten bereits reduzieren.

Besonders deutlich zeigt sich der Konflikt in Baden-Württemberg. Südwestmetall verweist dort auf rund 90.000 weggefallene Arbeitsplätze seit dem Beschäftigungshöchststand 2019. Zudem erwartet etwa die Hälfte der befragten Unternehmen einen weiteren Personalabbau. Der Arbeitgeberverband hält fünf Prozent mehr Entgelt deshalb für wirtschaftlich nicht tragfähig. Höhere Tarifkosten könnten aus seiner Sicht Investitionen und Beschäftigung zusätzlich belasten.


Öffnungsklauseln könnten den Tarifabschluss prägen

Damit rückt die Frage nach betrieblichen Ausnahmen in den Mittelpunkt. Ein Rüstungsunternehmen mit vollen Auftragsbüchern kann einen höheren Abschluss leichter verkraften als ein Autozulieferer mit Verlusten. Weitreichende Öffnungsklauseln könnten deshalb für einen Kompromiss entscheidend werden. Die IG Metall will zugleich Beschäftigte erfolgreicher Unternehmen stärker an deren Ergebnissen beteiligen. Damit würde die konkrete wirtschaftliche Lage eines Betriebs stärker über die tatsächliche Belastung entscheiden.

Die Gewerkschaft versucht damit, höhere Einkommen und Beschäftigungssicherung miteinander zu verbinden. Allerdings zeigen frühere Tarifrunden, wie schnell sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern können. Im Jahr 2008 startete die Gewerkschaft kurz vor der Finanzkrise mit einer Forderung von acht Prozent. Am Ende vereinbarten die Tarifparteien zweimal 2,1 Prozent über insgesamt 18 Monate. Deshalb dürfte 2026 weniger die Ausgangsforderung als die konkrete Ausgestaltung des Abschlusses entscheidend sein. Ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich, falls bis dahin keine Einigung gelingt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Wir wollen 5 Prozent mehr Geld, sichere Jobs und Gewinnbeteiligung – Fünf Prozent mehr Lohn bei Metall und Elektro? – Tarifrunde 2026: Bitte nicht einer für alle!

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