Hürtgenwald: Großbrand ausgerechnet an geplanter 222-Hektar-Windkraftfläche

Im Hürtgenwald bei Gey und Großhau brannten ab 13. August 2026 rund 300 bis 400 Hektar Wald. Zeitweise kämpften mehr als 1.800 Einsatzkräfte gegen Boden- und Wipfelfeuer, während knapp 2.000 Einwohner von Gey ihre Häuser verlassen mussten. Wind und Trockenheit begünstigten die Ausbreitung, die Brandursache ist jedoch weiterhin nicht abschließend geklärt. Auffällig ist zugleich der Brandort: Das betroffene Gebiet reicht bis an den Rennweg. Dort führt die Gemeinde eine 222 Hektar große Fläche für zusätzliche Windenergienutzung. Gegen frühere Windkraftpläne an diesem Standort gab es erheblichen Bürgerwiderstand. Eine katastergenaue Überschneidung von Brandgebiet und Planungsfläche ist jedoch bislang nicht belegt.


Hürtgenwald: 222 Hektar am Rennweg für Windenergie vorgesehen

Die kommunalen Planungsunterlagen nennen ausdrücklich die „Fläche A: Rennweg“. Sie umfasst 222 Hektar und gehört zu den Flächen für einen möglichen weiteren Windkraftausbau. Allerdings hat die Gemeinde diesen Bereich zunächst zurückgestellt, weil Belange der seismologischen Überwachung noch ungeklärt sind.

Im Hürtgenwald brannten 300 bis 400 Hektar Wald am Rennweg. Dort liegt eine umstrittene 222-Hektar-Fläche für Windkraft
Symbolbild: Shutterstock

Damit handelt es sich derzeit weder um einen genehmigten Windpark noch um eine abschließend ausgewiesene neue Windenergiezone. Dennoch bleibt der Rennweg Bestandteil der kommunalen Überlegungen. Gerade diese Vorgeschichte macht die Lage des Großbrandes bemerkenswert.

Brandgebiet reicht bis unmittelbar an den Rennweg

Dass der Rennweg direkt für die Erschließung des Brandgebiets relevant war, dokumentiert der Kreis Düren selbst. Am 16. August ließ der Kreis einen rund zwei Kilometer langen Weg durch das Einsatzgebiet ziehen. Dieser Weg setzte ausdrücklich am Rennweg an und sollte Löschfahrzeugen den Zugang erleichtern.

Eine veröffentlichte, katastergenaue Verschneidung beider Flächen liegt jedoch bislang nicht vor. Deshalb lässt sich derzeit nicht seriös beziffern, wie viele der 222 Hektar tatsächlich innerhalb des Brandgebiets lagen. Die unmittelbare räumliche Nähe lässt sich dagegen anhand der Einsatzinformationen nachvollziehen.


Am Rennweg gab es bereits massiven Widerstand

Der Konflikt um Windkraft an dieser Stelle begann lange vor dem Feuer. Bereits 2013 sammelten Anwohner innerhalb von fünf Tagen 711 Unterschriften gegen eine Windkraftzone am Rennweg. Besonders groß war der Widerstand in Gey und Großhau, also genau in den Orten rund um das spätere Brandgebiet.

Im April 2014 strich der Gemeinderat den Rennweg aus der damaligen Windkraftplanung. Neben dem Widerstand spielten jedoch auch militärische Flugsicherung und Höhenbeschränkungen eine entscheidende Rolle. Landschaftsbild, Naturschutz und Naherholung waren ebenfalls Gegenstand der damaligen Auseinandersetzung. Später nahm die Gemeinde den Bereich dennoch erneut in ihre Planungsüberlegungen auf.

Brandursache entscheidet über die Einordnung

Im Hürtgenwald konzentrieren sich die Ermittlungen deshalb weiterhin auf die Entstehung des Feuers. Die Polizei Köln richtete ein Hinweisportal ein und bat gezielt um Fotos sowie Videos aus dem Zeitraum des Brandausbruchs. Bis zum 18. August werteten die Ermittler mehr als 140 Hinweise aus. Innenminister Herbert Reul geht von menschlicher Verursachung aus. Ob jemand vorsätzlich handelte oder das Feuer durch Unachtsamkeit entstand, war jedoch weiterhin offen.

Für den Hürtgenwald bleibt damit eine ungewöhnliche räumliche Konstellation: Einer der größten Waldbrände in der Geschichte Nordrhein-Westfalens traf das Umfeld einer seit Jahren umkämpften Windkraftplanung. Ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen ist bisher nicht nachgewiesen. Deshalb wäre es falsch, aus der Lage des Feuers bereits auf ein Motiv zu schließen. Ebenso berechtigt ist jedoch die Frage, wie genau Brandgebiet und 222-Hektar-Fläche tatsächlich zueinander liegen. Eine GIS-genaue Gegenüberstellung könnte diese Frage eindeutig beantworten.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: WDR (20.08.26)NRW-Landwirtschaftsministerium (18.08.26)WDR (18.08.26)Windpark Rennweg (Stand: 27.08.26)Rettet den Hürtgenwald (Stand: 27.08.26)Aachener Zeitung (03.03.23)

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