Frankreich verzeichnet in diesem Jahr einen beispiellosen Stromexport. Bereits 78 Terawattstunden gingen in Nachbarländer – ein neuer Höchstwert, wie der Stromnetzbetreiber RTE berichtete. Bis Ende des Jahres könnte der Export sogar noch bis auf 85 Terawattstunden steigen. Der bisherige Rekord lag bei 77 Terawattstunden und wurde im Jahr 2002 erreicht (euractiv: 14.11.24).
Prognosen für das Jahresende
Mitte 2024 prognostizierte der führende Übertragungsnetzbetreiber eine Rekordmarke, die nun sogar übertroffen wurde. Prognosen deuten darauf hin, dass die Stromexporte bis Ende 2024 auf 85 Terawattstunden steigen könnten. Der Stromerzeuger EDF geht noch weiter und erwartet eine mögliche Steigerung auf 90 Terawattstunden. Zum Vergleich: Belgien produzierte im gesamten Jahr 2023 etwa 76 Terawattstunden Strom. Deutschland hat bis zum 12. Juli 8,71 TWh Strom aus Frankreich importiert. Auch dieser Wert dürfte bis zum Jahresende einen neuen Rekord markieren.
Thomas Veyrenc, Vorstandsmitglied von RTE, betonte: „Unsere Prognose für Rekord-Stromexporte bleibt bestehen.“ Doch alles hängt auch vom Winterwetter ab. Extreme Wetterlagen könnten kurzfristige Importe erforderlich machen. Dennoch scheint es unwahrscheinlich, dass Frankreich dauerhaft auf Stromimporte angewiesen sein wird.
Rückblick auf das Ausnahmejahr 2022
Frankreichs Geschichte als bedeutender Stromexporteur ist unbestritten. Seit 44 Jahren dominiert das Land den EU-Strommarkt als Nettoexporteur, nur 2022 zeigte eine Ausnahme. Damals importierte Frankreich mehr Strom, ausgelöst durch die Energiekrise und eine stark eingeschränkte Atom- und Wasserkraftproduktion. Die Lage stabilisierte sich 2023, und die Exporte stiegen wieder deutlich.
2024 beweist nun, dass Frankreichs „CO2-arme Produktion auf den europäischen Märkten sehr wettbewerbsfähig ist“, so Veyrenc. Diese Exporte erfolgen auch bei höheren Strompreisen, was die Konkurrenzfähigkeit unterstreicht. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Frankreich liefert und bleibt ein Schlüsselakteur im europäischen Stromhandel.
Auswirkungen auf die Handelsbilanz
Milliardeneinnahmen aus dem Stromexport sind ein bedeutender Faktor. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, um die Handelsbilanz auszugleichen. Trotzdem kompensieren sie nicht vollständig die hohen Kosten für den Import fossiler Energieträger wie Gas und Öl. Veyrenc betonte, dass der Energiesektor Frankreichs strukturelle Herausforderungen nicht alleine lösen kann.
Im dritten Quartal 2024 verbesserte sich die Energiebilanz um vier Milliarden Euro im Vergleich zum zweiten Quartal. Dieser Anstieg resultiert aus reduzierten Importen von natürlichen Kohlenwasserstoffen und höheren Stromexporten. Der Rückgang der Gasimporte und der Wettbewerbsvorteil der Stromexporte halfen, die Bilanz zu stützen.
Herausforderungen bleiben bestehen
Dennoch bleibt die Jahresbilanz der Energieprodukte im Minus. Offizielle Zahlen beziffern ein Defizit von 13 Milliarden Euro. Dies zeigt, dass trotz beeindruckender Stromexporte eine langfristige Strategie zur Reduzierung der Energieabhängigkeit von fossilen Brennstoffen dringend nötig bleibt. Anpassungen im Energiemarkt könnten helfen, die Abhängigkeit von globalen Energiemärkten zu verringern.
Frankreichs Stromwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Die hohe Exportleistung zeigt Stärke, doch die Herausforderungen sind nicht gelöst. Der Jahresbericht von RTE im Februar 2025 wird endgültige Einblicke in das Ausmaß der Exporterfolge liefern.
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