Finanzloch in Friedrichshafen eskaliert: Zeppelin-Stiftung fehlen 53 Millionen Euro

Friedrichshafen muss die Finanzplanung der Zeppelin-Stiftung erneut korrigieren. Die stadteigene Stiftung finanziert mit ihren Erträgen wichtige kommunale Aufgaben, darunter soziale, kulturelle und gemeinnützige Leistungen. Auslöser ist der massive Ausfall der erwarteten ZF-Dividende. Statt 83,7 Millionen Euro flossen nur 27,5 Millionen Euro. Deshalb fehlen 56,2 Millionen Euro in der Stiftungskasse. Drei Millionen Euro über die Ferdinand gGmbH lindern den Einbruch nur gering. Außerdem entfallen durch den Ausstieg der Stadt beim Medizin Campus Bodensee 15 Millionen Euro Transferleistungen. Die Kassenlage sinkt dadurch auf minus 53 Millionen Euro. Für Bürger drohen deshalb härtere Sparrunden, weniger Spielraum und spürbare Einschränkungen (suedkurier: 18.05.26).


ZF-Dividende reißt das Finanzloch auf

Der Nachtragshaushalt zeigt, wie stark Friedrichshafen von den Erträgen des ZF-Konzerns abhängt. Die bisherige Planung trägt nicht mehr, weil die Dividendenerwartung deutlich verfehlt wurde. Deshalb muss die Stadt ihre Finanzlinie neu ziehen.

Zeppelin-Stiftung in Finanznot: Friedrichshafen fehlen 53 Millionen Euro. Bürger müssen sich auf härtere Sparrunden einstellen
Zeppelin-Stiftung in Finanznot: Friedrichshafen fehlen 53 Millionen Euro. Bürger müssen sich auf härtere Sparrunden einstellen

Hansjörg Metzger, Abteilungsleitung Zeppelin-Stiftung, beschrieb die Lage im Finanz- und Verwaltungsausschuss deutlich. „Es ist fast schon geübte Praxis bei der Zeppelin-Stiftung“, sagte er. Außerdem ergänzte er: „Seit 2023 sind wir schon zum fünften Mal im Nachtragshaushalt.“

Zeppelin-Stiftung greift tief in die Rücklagen

Das Defizit verschärft die Lage der Stadt deutlich. Geplant war bisher ein Minus von 14,8 Millionen Euro. Nun steigt die Lücke um 38,2 Millionen Euro auf minus 53 Millionen Euro. Deshalb bleibt nur der Griff in die Rücklagen.

Diese Reserven schrumpfen jedoch seit Jahren. Zuletzt lagen sie noch bei rund 362 Millionen Euro. Später sollen es 343 Millionen Euro sein. Am Ende des Planungszeitraums bleiben nach der aktuellen Linie nur noch 303 Millionen Euro. Oberbürgermeister Simon Blümcke sagte deshalb, man steuere bei den Rücklagen „auf die letzten Reserven zu“.


Bürger müssen mit härterem Sparkurs rechnen

Blümcke erwartet außerdem einen historischen Einschnitt. Für den nächsten Doppelhaushalt könnten erstmals städtische Gelder in zweistelliger Millionenhöhe in die Stiftung fließen. Damit würde nicht mehr nur die Stiftung Aufgaben der Stadt finanzieren. Vielmehr müsste Friedrichshafen selbst die eigene Stiftung stützen.

Eine schnelle Entspannung ist jedoch nicht erkennbar. Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung bei ZF. Der Konzern schloss das Geschäftsjahr mit einem Minus von 2,1 Milliarden Euro ab. ZF-Chef Mathias Miedreich rechnet zudem mit einem „harten und schwierigen Jahr“. Deshalb sinkt die Hoffnung auf eine baldige Dividende weiter.

Die kommenden Haushaltsberatungen werden deshalb zum Belastungstest für Friedrichshafen. Der Sparkurs dürfte an Schärfe gewinnen. Bürger müssen mit Kürzungen bei Angeboten, Investitionen und freiwilligen Leistungen rechnen. Die Finanzkrise der Stadt wird damit direkt im Alltag spürbar.

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