Fernbus-Anbieter stellt Linienverkehr ein – über 300 Städte betroffen

BlaBlaCar stellt seinen nationalen und internationalen Fernbus-Linienverkehr ein. Das Unternehmen kündigte den Rückzug am 23. April 2026 an. Betroffen sind Verbindungen in mehr als 300 europäische Städte. Als Auslöser nennt BlaBlaCar harten Wettbewerb und stark steigende Kosten. Dazu zählen vor allem Personal, Bürokratie und der energieintensive Betrieb der Busse. In Deutschland trifft der Schritt unter anderem Strecken von Köln, Düsseldorf, Stuttgart, München und Frankfurt nach Paris. Außerdem fallen mehrere innerdeutsche Verbindungen weg. Direkt betroffen sind 40 Mitarbeiter (stuttgarter-zeitung: 23.04.26).


Fernbus-Rückzug trifft wichtige Strecken nach Paris

BlaBlaCar zieht sich damit aus einem Markt zurück, den das Unternehmen zuvor aggressiv betreten hatte. Der Anbieter war mit sehr günstigen Tickets gestartet. Auf einzelnen Strecken kosteten Plätze zeitweise nur 99 Cent. Dadurch griff BlaBlaCar den deutschen Marktführer Flixbus direkt an.

BlaBlaCar stoppt Fernbus-Linienverkehr - hohe Kosten, Energiepreise und harter Wettbewerb treffen über 300 Städte
BlaBlaCar stoppt Fernbus-Linienverkehr – hohe Kosten, Energiepreise und harter Wettbewerb treffen über 300 Städte

Der Preiskampf erwies sich jedoch als riskant. Denn niedrige Fahrpreise lassen wenig Spielraum für steigende Kosten. Gleichzeitig verteuern Energiepreise, Löhne und Auflagen den Betrieb. Deshalb verliert ein dichtes Liniennetz schnell seine wirtschaftliche Grundlage.

Steigende Kosten belasten das Busgeschäft massiv

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen beschreibt die Lage als zunehmend schwierig. Sprecher Luca Roggenkamp erklärte: „Der Fahrpersonalmangel spitzt sich dank der demografischen Entwicklung weiter zu, die Personalkosten steigen und die bürokratischen Anforderungen nehmen kontinuierlich zu“. Diese Entwicklung trifft besonders Anbieter mit vielen Partnerbetrieben.

BlaBlaCar setzte im Fernbus-Geschäft auf rund 60 europäische Transportunternehmen. Diese Firmen fuhren die Linien im Auftrag von BlaBlaCar Bus. Doch jeder zusätzliche Kostenblock verschlechtert die Kalkulation. Energiepreise wirken dabei besonders direkt, weil jede Fahrt Kraftstoff verbraucht.


Steuerlast verschärft den Wettbewerb mit Bahn und Flugzeug

Roggenkamp kritisiert zudem die steuerliche Behandlung der Branche. Er sagte: „Im Fern- und Reisebusverkehr wird der Bus im Vergleich zu Bahn- und Flugverkehr steuerlich erheblich benachteiligt.“ Beim Zug gelte nur ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz. Im internationalen Flugverkehr falle keine Mehrwertsteuer an. Der Reisebus müsse dagegen den vollen Satz tragen.

Für Reisende entstehen nun neue Lücken im europäischen Verkehr. Besonders preisbewusste Kunden verlieren eine günstige Alternative. BlaBlaCar will jedoch nicht komplett aus dem Mobilitätsmarkt verschwinden. Die Mitfahrplattform soll weiterlaufen. Auch die Vermittlung von Bustickets anderer Anbieter will das Unternehmen fortführen.

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