Evosoft vor dem Aus – 377 Jobs bei Siemens-Tochter in Franken betroffen

Die Siemens-Tochter Evosoft soll ihre Geschäfte einstellen. Nach Medienberichten sind 377 Arbeitsplätze in Nürnberg und Erlangen betroffen. Der Fall trifft eine Region, in der Siemens ohnehin mehrere Bereiche neu ordnet. Im Mittelpunkt steht offenbar nicht nur die aktuelle Marktlage. Entscheidend könnten auch neue konzerninterne Regeln für die Vergabe von Aufträgen sein (nn: 20.05.26).


Siemens-Tochter Evosoft soll Geschäftsbetrieb einstellen

Nach Angaben der Nürnberger Nachrichten sollen bei dem Software- und IT-Dienstleister 377 Arbeitsplätze wegfallen. Der Fränkische Tag berichtet ebenfalls über den geplanten Abbau in Nürnberg und Erlangen. Eine eigenständige, ausführliche Siemens-Mitteilung zur vollständigen Schließung lag zunächst öffentlich nicht vor.

Evosoft-Aus trifft Franken: 377 Jobs sind laut Medienberichten betroffen. Siemens verweist auf interne Auftragsregeln
Evosoft-Aus trifft Franken: 377 Jobs sind laut Medienberichten betroffen. Siemens verweist auf interne Auftragsregeln

Das Unternehmen gehört vollständig zu Siemens. Es entwickelt Software-, IT- und Automatisierungslösungen für industrielle Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Cloud-Projekte, Cybersecurity, Systemintegration, SAP-Anwendungen und Digitalisierungslösungen für die Industrie.

Neue Auftragsregeln rücken in den Fokus

Besonders brisant ist der genannte Auslöser. Laut Medienberichten hängt die Entscheidung mit neuen Regeln zur Siemens-internen Auftragsvergabe zusammen. Damit geht es offenbar nicht nur um eine schwächere Nachfrage. Im Raum steht auch die Frage, welche Rolle konzerneigene Dienstleister künftig noch spielen.

Evosoft war eng in das Siemens-Umfeld eingebunden. Wenn interne Aufträge künftig anders verteilt, gebündelt oder an andere Einheiten vergeben werden, kann das die Grundlage eines solchen Dienstleisters erheblich verändern. Welche Aufgaben künftig wohin verlagert werden, ist bislang öffentlich nicht abschließend geklärt.

Stellenabbau trifft Siemens-Region Nürnberg-Erlangen

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der Siemens sein Geschäft mit industrieller Automatisierung bereits umbaut. Im Bereich Digital Industries hatte der Konzern zuvor größere Einschnitte angekündigt. Auch deshalb erhält der Fall in Franken besonderes Gewicht.

Nürnberg und Erlangen zählen seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Siemens-Standorten in Deutschland. Dort arbeiten viele Beschäftigte in Industrie-, Automatisierungs- und Softwarebereichen. Der mögliche Wegfall von 377 Stellen betrifft daher nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Er berührt auch die regionale Industriekompetenz.


Viele Details bleiben noch offen

Noch nicht abschließend bekannt ist, ob einzelne Beschäftigte in andere Siemens-Einheiten wechseln können. Offen sind auch mögliche Abfindungen, Transferlösungen oder Sozialpläne. Gleiches gilt für die Zukunft laufender Projekte und einzelner Kundenbeziehungen.

Unklar bleibt zudem, welche Auswirkungen die Entscheidung auf andere Standorte hat. Die bisherige Berichterstattung bezieht sich vor allem auf Nürnberg und Erlangen. Weitere Standorte außerhalb Frankens lassen sich aus den öffentlich bekannten Informationen derzeit nicht verlässlich einordnen.

Warum der Fall über Franken hinaus wichtig ist

Der Vorgang besitzt Signalwirkung, weil er einen Software- und IT-Dienstleister betrifft. Gerade solche Bereiche gelten in der Industrie als Zukunftsfelder. Siemens spricht seit Jahren über Digitalisierung, Automatisierung und Software als zentrale Wachstumsthemen.

Dass nun ausgerechnet eine konzerneigene Software-Tochter unter Druck gerät, zeigt die Tiefe des Umbaus. Siemens prüft offenbar nicht nur klassische Produktions- und Verwaltungsstrukturen. Auch interne Softwareleistungen und Dienstleistermodelle geraten in den Blick.

Siemens steht vor Erklärungsdruck

Für die betroffenen Beschäftigten zählt nun, welche konkreten Angebote der Konzern macht. Entscheidend sind klare Informationen zu Zeitplan, Wechselmöglichkeiten und sozialen Ausgleichsmaßnahmen. Ohne solche Zusagen wächst die Unsicherheit in der Region.

Für Siemens ist der Fall heikel. Der Konzern muss erklären, warum ein auf Digitalisierung spezialisierter Dienstleister keine Zukunft mehr haben soll. Evosoft steht damit für eine größere Frage: Wie viel industrielle Softwarekompetenz will Siemens künftig noch in eigenen Strukturen halten?

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