In Amsterdam hat das Bezirksgericht am 3. Juni 2026 entschieden, dass Greenpeace International seine Klage gegen den US-Pipelinekonzern Energy Transfer in den Niederlanden weiterführen darf. Damit entsteht ein Präzedenzfall: Ein europäisches Gericht prüft die Folgen eines amerikanischen Urteils zu Vorgängen und Schäden in den USA. Die Proteste gegen die Dakota Access Pipeline fanden in North Dakota statt. Dort entstanden nach Darstellung von Energy Transfer auch die geltend gemachten Schäden durch Verzögerungen, Sicherheitsmaßnahmen und Finanzierungsfolgen. Eine US-Jury verurteilte Greenpeace-Organisationen deshalb zu 345 Millionen Dollar Schadenersatz. Greenpeace sieht das Urteil als Versuch, Protest und Meinungsfreiheit finanziell zu ersticken. Energy Transfer verweist jedoch auf konkrete Schäden durch Blockaden, Störungen und Sachbeschädigungen. Brisant wird der Fall, weil EU-Schutzregeln gegen missbräuchliche Klagen nun auf die Folgen eines US-Verfahrens angewendet werden könnten (apnews: 03.06.26).
Warum die Klage in Europa so brisant ist
Das Gericht in Amsterdam lehnte den Antrag von Energy Transfer ab, das Verfahren aus Zuständigkeitsgründen zu stoppen. Deshalb muss sich der Konzern nun in den Niederlanden inhaltlich verteidigen. Die Entscheidung bestätigt zunächst, dass Greenpeace International den europäischen Rechtsweg gegen Folgen des US-Verfahrens nutzen darf.

Der rechtliche Ansatz beruht nicht auf dem Tatort, sondern auf dem Sitz von Greenpeace International in Amsterdam. Außerdem beruft sich die Organisation auf niederländisches Recht und europäische Schutzregeln gegen missbräuchliche Gerichtsverfahren. Genau daraus entsteht der Konflikt: Ein europäisches Gericht befasst sich mit den Auswirkungen eines amerikanischen Urteils zu Ereignissen in den USA.
US-Urteil belastet Greenpeace mit 345 Millionen Dollar
In North Dakota hatte eine Jury Greenpeace USA, Greenpeace International und den Greenpeace Fund haftbar gemacht. Es ging jedoch nicht nur um Protestaufrufe. Das Verfahren umfasste Vorwürfe wie Verleumdung, Hausfriedensbruch, Eingriff in Geschäftsbeziehungen und zivilrechtliche Verschwörung.
Energy Transfer bezifferte die Schäden ebenfalls in den USA. Dazu zählten mehr als 60 Millionen Dollar für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Außerdem nannte der Konzern 80 Millionen Dollar durch Bauverzögerungen und 96 Millionen Dollar an Refinanzierungskosten.
EU-Recht kann US-Urteile nicht einfach ersetzen
Der Streit gewinnt seine Schärfe durch die Kollision zweier Rechtssysteme. Amerikanische Gerichte entschieden über Vorgänge in Amerika. Europäische Gerichte können ein solches Urteil nicht politisch aufheben.
Sie können jedoch prüfen, ob Ansprüche, Vollstreckungsfolgen oder Druckwirkungen in Europa gegen hiesige Schutzregeln verstoßen. Genau deshalb reicht die Klage in Amsterdam weit über einen Streit um Zuständigkeit hinaus. Die EU will mit ihren Regeln gegen missbräuchliche Verfahren Kritiker vor finanzieller Einschüchterung schützen.
Energieprojekte geraten stärker in juristische Konflikte
Der Fall zeigt, wie eng Protest, Schadensersatzrecht und Energiepolitik inzwischen ineinandergreifen. Außerdem wächst in Europa die Sorge, dass nationale Entscheidungen durch Verfahren in anderen Rechtsräumen relativiert werden. Für Unternehmen verschärft das die Kalkulation großer Infrastrukturprojekte.
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