Erdgasversorgung: Heimisches Gas könnte durch Fracking 20 Jahre lang reichen

Deutschland könnte seine Erdgasversorgung nach einem neuen Gutachten deutlich stärker aus eigenen Vorkommen absichern. Der frühere Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hans-Joachim Kümpel, sieht in heimischen Schiefergasvorkommen genug Potenzial, um rund 20 Jahre lang jährlich etwa 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu fördern. Das entspräche ungefähr 25 Prozent des heutigen deutschen Gasbedarfs. Damit ginge es nicht nur um eine weitere Energiequelle, sondern um weniger Importabhängigkeit, stabilere Beschaffung und mehr Krisenfestigkeit für Industrie, Wärmeversorgung und Stromreserve. Der entscheidende politische Konflikt bleibt aber weiter ungelöst. Für diese Förderung bräuchte Deutschland Fracking in unkonventionellen Lagerstätten. Diese kommerzielle Nutzung ist in Deutschland seit 2017 verboten, obwohl durch dieses Verfahren gewonnene Erdgas in großen Mengen importiert wird (freiheit: 01.06.26).


Erdgasversorgung hängt stark von Importen ab

Kümpel beziffert die technisch erschließbaren Vorkommen auf rund 1000 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Diese Menge liegt nicht in klassischen Lagerstätten. Sie steckt in dichtem Gestein. Deshalb reicht herkömmliche Förderung nicht aus. Fracking müsste das Gas aus dem Gestein lösen.

Heimische Erdgasvorkommen könnten durch Fracking 20 Jahre lang ein Viertel des Bedarfs liefern. Das Verbot bleibt der zentrale Konflikt
Heimische Erdgasvorkommen könnten durch Fracking 20 Jahre lang ein Viertel des Bedarfs liefern. Das Verbot bleibt der zentrale Konflikt

Die Zahlen treffen außerdem auf eine veränderte Lage am Energiemarkt. Deutschland importiert Erdgas über Pipelines und LNG-Terminals. Ein Teil der Lieferungen kommt aus großer Entfernung. Zugleich braucht die Industrie weiter verlässliche Gaspreise. Deshalb erhält die Erdgasversorgung durch heimische Reserven neue Bedeutung.

Fracking bleibt politisch blockiert

Beim Fracking pressen Unternehmen Wasser, Sand und Zusatzstoffe unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten. Dadurch entstehen feine Risse. Durch diese Risse kann Erdgas zur Bohrung strömen. Kritiker warnen jedoch vor Belastungen für Grundwasser, Böden und Klima. Diese Bedenken prägen die deutsche Debatte seit Jahren.

Die Rechtslage setzt der Förderung klare Grenzen. Seit 2017 untersagt Deutschland kommerzielles Fracking in unkonventionellen Lagerstätten. Erlaubt bleiben nur eng begrenzte Forschungsvorhaben. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zudem erklärt, er wolle Fracking nicht vorschlagen. Deshalb bleibt das Potenzial vorerst politisch ungenutzt.


Heimisches Gas könnte Importabhängigkeit senken

Vor rund 20 Jahren deckte deutsches Erdgas noch knapp 20 Prozent des Verbrauchs. Heute liegt der Anteil unter fünf Prozent. Die verbliebenen konventionellen Lagerstätten verlieren weiter an Bedeutung. Außerdem droht die heimische Förderung weiter zu sinken. Kümpel warnt deshalb vor einer Importabhängigkeit von bis zu 100 Prozent.

Die Studie verschiebt damit den Schwerpunkt der Debatte. Es geht nicht nur um eine umstrittene Fördertechnik. Es geht zugleich um Erdgasversorgung, Industriepreise und geopolitische Abhängigkeit. Während Deutschland Erdgas für Wärme, Industrie und Stromreserve benötigt, bleibt die zentrale Entscheidung offen. Nutzt das Land eigene Vorkommen, oder kauft es weiter Fracking-Gas aus dem Ausland?

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