Energieintensive Industrie vor dem Aus – Ifo-Chef warnt vor schweren Folgen für Deutschland

„Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns“: Mit dieser Warnung beschreibt ifo-Chef Clemens Fuest die Lage wichtiger Branchen in Deutschland. Betroffen sind vor allem Stahl und Chemie, weil diese Bereiche auf große Mengen bezahlbarer Energie angewiesen sind. Auslöser sind nach seiner Einschätzung politische Entscheidungen, die Energie verknappt haben, während der Umbau der Versorgung Zeit braucht. Zugleich fehlen neue Impulse aus der Privatwirtschaft, während der Krieg gegen Iran die Energiepreise zusätzlich antreibt. Deshalb drohen höhere Kosten, sinkende Investitionen und weitere Belastungen für den Standort Deutschland (thepioneer: 13.03.26).


Energieintensive Industrie verliert den Standortvorteil

Fuest macht die deutsche Energiepolitik direkt für die Lage verantwortlich. Er sagt: „Wir haben uns entschieden, ein Land zu sein, in dem Energie knapp ist. Das haben wir politisch alle gemeinsam so gewählt und die Konsequenzen müssen wir jetzt tragen.“ Damit beschreibt er keinen kurzfristigen Preisschock, sondern ein strukturelles Problem für Unternehmen mit hohem Energiebedarf.

Ifo-Chef Fuest warnt vor hohen Energiekosten und schwachen Investitionen: „Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns“
Ifo-Chef Fuest warnt vor hohen Energiekosten und schwachen Investitionen: „Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns“

Besonders kritisch ist aus seiner Sicht, dass die Kernkraftwerke abgeschaltet wurden, während der Ausbau der erneuerbaren Energien neu geordnet werden müsse. Gerade deshalb rechnet Fuest nicht mit schneller Entlastung für die Industrie. Neue Kernkraftwerke hält er ebenfalls nicht für eine kurzfristige Antwort, weil Planung, Bau und Finanzierung zu lange dauern würden. Er sagt dazu: „Das wäre sehr, sehr teuer, das würde ewig dauern.“

Private Investitionen bleiben schwach

Fuest sieht auch bei der Konjunktur keine Trendwende, weil die Investitionen im privaten Sektor weiter sinken. Nach seiner Darstellung zeigt selbst das letzte Quartal keine Erholung, obwohl die Wirtschaft dringend neue Wachstumsimpulse bräuchte. Deshalb fehlt ausgerechnet dort Bewegung, wo neue Produktionsanlagen, Modernisierung und Standortentscheidungen entstehen müssten.

Das geringe Wachstum von 0,8 Prozent bewertet er deshalb zurückhaltend. Nach seiner Einschätzung kommt der Zuwachs vor allem durch staatliche Ausgaben zustande, während Unternehmen weiter abwarten. Er sagt: „Wir haben keinen Aufschwung im privaten Sektor.“ Gerade für die energieintensive Industrie ist das ein Warnsignal, weil hohe Energiekosten und schwache Investitionen sich gegenseitig verstärken.


Hohe Energiepreise treffen die ganze Wirtschaft

Zusätzlich steigt der Druck durch den Krieg gegen Iran, weil sich dadurch die Kosten für Energie weiter erhöhen. Das betrifft nicht nur Öl, sondern auch viele Produktionsketten, die von stabilen Preisen abhängen. Deshalb geraten Unternehmen aus Industrie, Logistik und Verarbeitung zugleich unter stärkeren Kostendruck.

Ifo-Wissenschaftler Timo Wollmershäuser warnt vor den Folgen für Preise und Wachstum. Er sagt: „Die hohen Energiepreise fressen sich durch die ganze Wirtschaft“. Kurzfristige Mehrkosten geben viele Unternehmen oft noch nicht weiter, jedoch ändert sich das bei anhaltend hohen Preisen. Dann steigen nicht nur die direkten Energiekosten, sondern auch die Preise für Waren und Dienstleistungen insgesamt. Für die energieintensive Industrie verschärft das die Lage zusätzlich, weil sie zuerst unter den Kosten leidet und danach unter der schwächeren Nachfrage.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen