Eine DIHK-Berechnung verschärft die Kritik am Energieeffizienzgesetz, das die Ampel-Regierung im November 2023 einführte. Deutschland soll seinen Endenergieverbrauch bis 2030 auf 1867 Terawattstunden senken, weil das Gesetz minus 26,5 Prozent gegenüber 2008 vorgibt. Bis 2045 soll der Verbrauch sogar um 45 Prozent sinken. Offiziell dienen die Ziele Klimaschutz, geringeren Energieimporten, Versorgungssicherheit und sinkenden Kosten. Das Gesetz begrenzt jedoch den gesamten Verbrauch, unabhängig von der Art der Erzeugung. Dadurch wirkt die Vorgabe wie eine willkürliche Verbrauchsgrenze und wie eine politische Sollzahl statt belastbarer Energieplanung. Nach DIHK-Berechnungen müsste die Wirtschaftsleistung bis 2030 um knapp neun Prozent gegenüber 2024 sinken, falls der bisherige Effizienztrend anhält und das Ziel strikt gilt. Das Energieeffizienzgesetz wird damit zur Wachstumsbremse für Unternehmen, Kommunen, öffentliche Stellen und Verbraucher.
Wachstumsbremse durch starre Energieziele
Der Kernfehler liegt in der Logik des Gesetzes. Wenn CO₂-Minderung das Ziel ist, müsste die Regulierung vor allem Emissionen begrenzen. Das Energieeffizienzgesetz deckelt jedoch den gesamten Endenergieverbrauch. Damit zählt zusätzlicher Strom auch dann gegen das Ziel, wenn er aus Windkraft, Solarenergie oder anderen CO₂-armen Quellen stammt.

Diese Gleichbehandlung ist wirtschaftlich heikel. Deutschland will Industrieprozesse elektrifizieren, Wärmepumpen ausbauen, Elektromobilität stärken und Rechenzentren für KI betreiben. All das braucht jedoch mehr Strom. Deshalb kann eine pauschale Verbrauchsgrenze gerade jene Technik bremsen, die fossile Energie ersetzen soll.
DIHK sieht harte Folgen für den Standort
DIHK-Präsident Peter Adrian beschreibt die mögliche Folge klar. „Unter Fortschreibung des bisherigen Effizienztrends und bei strikter Einhaltung des vorgegebenen Ziels ergäbe sich, dass Deutschlands Wirtschaftsleistung bis 2030 um knapp neun Prozent im Vergleich zu 2024 schrumpfen müsste“, erklärte er. Diese Aussage zeigt den Konflikt zwischen Energieverbrauch und wirtschaftlicher Leistung. Sie macht die Vorgabe zur Wachstumsbremse für den Standort.
Deutschland kämpft bereits mit hohen Energiepreisen. Viele Betriebe investieren deshalb vorsichtiger. Einige Unternehmen verlagern Produktion oder prüfen neue Standorte. Gleichzeitig verlangt das Gesetz zusätzliche Prüfungen, Berichte und Maßnahmenpläne.
Bürokratie belastet Betriebe und Rechenzentren
Unternehmen mit hohem Energieverbrauch müssen Managementsysteme einführen. Sie müssen außerdem Einsparmaßnahmen prüfen und dokumentieren. Betriebe mit mehr als 2,5 Gigawattstunden Gesamtendenergieverbrauch müssen zudem Abwärmepotenziale melden. Diese Daten landen auf einer staatlichen Plattform.
Besonders problematisch wirkt dies bei Rechenzentren. Deutschland will KI, Cloud-Dienste und digitale Souveränität ausbauen. Dafür braucht das Land jedoch deutlich mehr Strom. Das Gesetz behandelt diesen Mehrbedarf zugleich wie ein Problem.
Verbraucher zahlen am Ende mit
Die Kosten bleiben nicht bei Unternehmen und Behörden. Firmen reichen zusätzliche Ausgaben meist über Preise weiter. Kommunen brauchen Personal, Gutachten und Investitionen. Deshalb treffen die Folgen auch Kunden, Mieter, Steuerzahler und Verbraucher.
Der Grundfehler zeigt sich auch bei sauberem Strom. Mehr Windkraft, Solarstrom, Speicher und Netze könnten Emissionen senken. Das Gesetz honoriert diesen Effekt jedoch nicht ausreichend. Eine starre Verbrauchsbremse kann dadurch Wachstum begrenzen, obwohl zusätzliche saubere Energie klimapolitisch helfen würde.
Deutschland braucht Energieplanung statt Mangelverwaltung
Effizienz bleibt sinnvoll, wenn sie Kosten senkt. Sie hilft auch, wenn Technik besser wird. Gefährlich wird sie jedoch, wenn der Staat Produktion und Digitalisierung über Verbrauchsdeckel begrenzt. Dann ersetzt Mangelverwaltung echte Energiepolitik.
Deutschland braucht deshalb keine abstrakte Verbrauchskurve. Das Land braucht günstige Energie, sichere Netze und verlässliche Investitionsbedingungen. Eine Politik für Industrie und Digitalisierung muss den Bedarf realistisch berechnen. Sonst bleibt das Energieeffizienzgesetz eine zweite Wachstumsbremse neben hohen Energiepreisen. (KOB)
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