EEG-Reform bedroht kleine Wasserkraftwerke – hunderte Anlagen vor dem Aus

In Berlin verschärft der Entwurf zur EEG-Novelle 2027 den Konflikt um kleine Wasserkraftwerke, weil Anlagen unter 25 Kilowatt künftig keine Einspeisevergütung mehr erhalten sollen. Nach Angaben des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland wären in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 150 von etwa 600 aktiven EEG-Anlagen betroffen. In Thüringen läge sogar mehr als zwei Drittel der aktiven Anlagen unter dieser Schwelle. Deshalb warnen Verbände vor ausbleibenden Sanierungen, gestoppten Reaktivierungen und weniger dezentraler Stromerzeugung (wasserkraftverband: 19.05.26).


Kleine Wasserkraftwerke verlieren ihre wirtschaftliche Basis

Die geplante Grenze trifft vor allem Standorte mit geringer Leistung. Viele dieser Anlagen erzeugen jedoch über viele Stunden im Jahr Strom. Deshalb reicht der Blick auf die installierte Leistung nicht aus. Der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke verweist auf durchschnittlich rund 5.000 Volllaststunden pro Jahr.

EEG-Reform bedroht kleine Wasserkraftwerke - Betreiber warnen bei Streichung der Einspeisevergütung vor Stilllegungen
EEG-Reform bedroht kleine Wasserkraftwerke – Betreiber warnen bei Streichung der Einspeisevergütung vor Stilllegungen

Für Betreiber kleiner Anlagen zählt die EEG-Vergütung zur Investitionsplanung. Ohne diese Einnahmen lohnen sich neue Turbinen, Steuerungen oder ökologische Anpassungen oft nicht mehr. Zugleich steigen die Anforderungen an Gewässer, Technik und Betrieb. Viele Familienbetriebe und Mühlenstandorte geraten dadurch in eine schwierige Lage.

Thüringen und Mitteldeutschland wären besonders betroffen

In Mitteldeutschland zeigt sich die Wirkung der 25-Kilowatt-Grenze besonders deutlich. Rund jede vierte aktive EEG-Wasserkraftanlage im Verbandsgebiet fällt darunter. In Thüringen liegt der Anteil jedoch deutlich höher. Dort würde die geplante Regelung mehr als zwei Drittel der aktiven Anlagen erfassen.

Die Folgen reichen über einzelne Betreiber hinaus. Kleine Wasserkraftanlagen sichern an vielen Orten bestehende Wasserbauwerke. Außerdem halten sie technische Kulturlandschaften in Betrieb. Wenn Investitionen ausbleiben, verlieren Kommunen regionale Erzeugung und zugleich gewachsene Infrastruktur.

Förderstopp trifft mehr als nur Strommengen

Bundesweit warnen Branchenverbände vor einem deutlich größeren Effekt. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke wären mehr als 50 Prozent der rund 7.300 Wasserkraftanlagen in Deutschland betroffen. Die Branche sieht darin einen Widerspruch zur angestrebten Versorgungssicherheit. Denn Wasserkraft speist unabhängig von Sonne, Wind und Tageszeit ein.

Der Entwurf behandelt kleine Erzeuger über eine starre Leistungsgrenze. Wasserkraftwerke liefern jedoch auch Systemnutzen für regionale Netze. Dazu zählen planbare Einspeisung, lokale Spannungshaltung und technische Verfügbarkeit. Deshalb fordern die Verbände eine Bewertung nach Jahresarbeit, Verlässlichkeit und Netzdienlichkeit.


Verbände verlangen Korrektur im EEG-Verfahren

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland fordert, den geplanten Förderstopp für Anlagen unter 25 Kilowatt zu streichen. Martin Richter kritisiert die pauschale Grenze klar: „Die pauschale 25-kW-Grenze wird der Wasserkraft nicht gerecht“. Er verweist außerdem auf den regionalen Nutzen kleiner Anlagen. Aus Sicht des Verbandes darf das EEG diese Erzeugung nicht aus dem Markt drängen.

Die Debatte trifft einen sensiblen Punkt der Energiewende. Deutschland braucht mehr flexible und verlässliche Erzeugung in der Fläche. Kleine Wasserkraft ersetzt keine großen Kraftwerke, stabilisiert jedoch lokale Netze. Fallen viele Anlagen weg, sinkt die Vielfalt der erneuerbaren Stromquellen.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen