Drohende Unicredit-Übernahme: Commerzbank kündigt Abbau von 3000 weiteren Stellen an

Die Commerzbank will sich mit Stellenstreichungen und höheren Gewinnzielen gegen eine feindliche Übernahme durch die Unicredit wehren. Die Frankfurter Bank kündigte am Freitag den Abbau von weiteren 3000 Arbeitsplätzen bis 2030 an und hob die Geschäftsziele für diesen Zeitraum an. Niedrigere Kosten und höhere Gewinne treiben den Aktienkurs in die Höhe, wodurch eine mögliche Übernahme teurer wird. Arbeitnehmervertreter unterstützen die Bank in ihrem Kurs.


Die Unicredit hat seit Ende 2024 im großen Stil Anteile an der Commerzbank gekauft und strebt eine Übernahme an. An diesem Dienstag unterbreitete sie den Commerzbank-Aktionären offiziell ein Tauschangebot. Erklärtes Ziel des als nicht sonderlich attraktiv bewerteten Angebots ist es, zunächst die Commerzbank-Anteile der Italiener auf über 30 Prozent zu steigern. Bislang hält die Unicredit rund 25 Prozent der Commerzbank-Anteile.

Die Frankfurter Bank lehnt die Übernahme ab und setzt auf ehrgeizige Geschäftsziele, um ihre Aktionäre zu überzeugen, ihre Anteile nicht zu veräußern. In ihrem Quartalsbericht verwies sie erneut darauf, dass die Unicredit den Commerzbank-Aktionären keine Prämie anbiete, und bezeichnete die von der italienischen Bank vorgestellten Pläne für eine gemeinsame Zukunft als „vage“ und risikoreich.

Commerzbank verschärft ihren Abwehrkurs gegen Unicredit: Stellenabbau, höhere Gewinnziele und politische Rückendeckung sollen die Übernahme erschweren.
Commerzbank verschärft ihren Abwehrkurs gegen Unicredit: Stellenabbau, höhere Gewinnziele und politische Rückendeckung sollen die Übernahme erschweren.

Für das laufende Geschäftsjahr hob die Commerzbank die Gewinnerwartung von 3,2 auf 3,4 Milliarden Euro an. 2025 waren es noch 2,6 Milliarden Euro. 2028 sollen es 4,6 Milliarden Euro sein und 2030 fast sechs Milliarden Euro. „Die fortgesetzte Transformation der Bank geht mit einem konzernweiten Abbau von weiteren rund 3000 Stellen brutto einher“, hieß es in der Mitteilung weiter. Zuletzt zählte die Commerzbank 38.000 Mitarbeitende.

Konzern-Chefin Bettina Orlopp sieht ihr Unternehmen auf Kurs. „Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet“, erklärte sie. „Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant.“ Die Ziele bis 2030 spiegelten dies nun wider. „Daran muss sich jede Alternative messen lassen.“

Arbeitnehmervertreter unterstützen die Geschäftsführung trotz der Stellenstreichungen. „Die Gewerkschaft unterstützt weiterhin eine eigenständige Commerzbank“, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Angesichts der Stellenstreichungen hätten Verdi und der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank „kurzfristig Verhandlungen mit der Unternehmensleitung aufgenommen und konnten wichtige Schutzregelungen für die Beschäftigten vereinbaren“.


Demnach wurden betriebsbedingte Kündigungen „faktisch“ ausgeschlossen „sowie faire und attraktive Programme für freiwillige Austritte“ vereinbart. „Die Strategie der Commerzbank wird nur dann funktionieren, wenn sie sozial abgesichert ist“, erklärte Kevin Voß, Commerzbank-Unternehmensbetreuer bei Verdi. Niemand dürfe „seinen Job gegen seinen Willen verlieren“.

Dem am Freitag vorgestellten Quartalsbericht für den Jahresauftakt zufolge stieg der Nettogewinn um neun Prozent auf 913 Millionen Euro, der Umsatz um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Seit Februar vergangenen Jahres hatte die Bank bereits 3900 Stellen abgebaut.

Im Streit um eine mögliche Übernahme durch die Unicredit hatte sich zuletzt der Ton deutlich verschärft. Die Italiener kritisierten die Strategiepläne der Commerzbank. Wegen Werbeanzeigen mit Negativbotschaften über die deutsche Bank handelten sie sich einen Rüffel der deutschen Bankenaufsicht Bafin ein. Die Commerzbank warf der Unicredit eine „anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellung“ vor.

Unterstützung erhalten die Frankfurter auch von der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte das Vorgehen der Unicredit am Donnerstag erneut scharf. „Feindliches und aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab“, sagte er bei einer Veranstaltung der Deutschen Industrie- und Handelskammer. „So wird Vertrauen zerstört und nicht neues Vertrauen ermöglicht.“

Der deutsche Staat hält noch einen Anteil von 12,1 Prozent an der Commerzbank – ein Überbleibsel der Rettungsaktion von 2008 während der weltweiten Finanzkrise. Infolge der Übernahmepläne der Unicredit hatte die Bundesregierung angekündigt, keine weiteren Anteile zu verkaufen.

AFP

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