Seit 2022 stagniert die deutsche Wirtschaft, während Dax-Konzerne an der Börse deutlich zulegen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist um rund zwei Prozent gefallen, und die Stimmung bei Unternehmen sowie Verbrauchern bleibt schlecht. Auslöser ist eine schwere Strukturkrise, die einen wirtschaftlichen Neustart verlangt. Doch die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz liefert diesen Neustart nicht. Deshalb verlagern große Unternehmen Umsatz, Wertschöpfung und Perspektiven ins Ausland. Der Mittelstand folgt zunehmend, während Deutschland industrielle Substanz verliert (welt: 03.05.26).
Dax-Konzerne verdienen ihr Geld längst überwiegend außerhalb Deutschlands
Der DAX-Preisindex ist an der Börse seit 2022 um gut ein Viertel gestiegen. Das wirkt jedoch nur scheinbar wie ein Beleg für deutsche Stärke. Tatsächlich zeigt der Anstieg, wie stark sich die Börsenkonzerne bereits vom Standort Deutschland gelöst haben.

Mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze erzielen Dax-Konzerne im Ausland. Zudem entstehen 60 bis 70 Prozent ihrer Wertschöpfung außerhalb Deutschlands. Deshalb hängt ihr Börsenerfolg immer weniger an der deutschen Konjunktur.
Der Mittelstand folgt dem Weg der großen Unternehmen
Für Deutschland ist diese Entkopplung gefährlich. Wenn Produktion, Forschung und Investitionen ins Ausland wandern, verliert der Standort mehr als einzelne Arbeitsplätze. Zugleich geraten Zulieferer, Fachkräfte und regionale Industrienetzwerke unter Druck.
Der Mittelstand war lange stärker an Deutschland gebunden. Doch hohe Kosten, schwaches Wachstum und politische Unsicherheit verändern die Kalkulation vieler Firmen. Deshalb folgen immer mehr Unternehmen dem Kurs der Dax-Konzerne.
USA liefern stärkere Renditen trotz politischer Risiken
Der Vergleich mit den USA verschärft das Bild. Der S&P 500 ist seit 2022 um mehr als 70 Prozent gestiegen. Selbst Donald Trumps volatile Politik konnte US-Unternehmen bislang kaum bremsen.
Seit Trumps Amtsantritt legte der S&P 500 fast 20 Prozent zu. Anleger achten jedoch vor allem auf Gewinne, nicht auf politische Auftritte. Außerdem profitieren Unternehmen in diesem Jahr von Trumps Steuersenkungen.
Anleger ziehen Kapital dorthin, wo Wachstum entsteht
Zeitweise lag der DAX vor dem S&P 500. Einige Investoren reduzierten wegen Trump ihr US-Risiko. Doch seit Beginn des Irankriegs verschwand dieser Vorsprung, weil Europa stärker betroffen erscheint.
Anleger kalkulieren inzwischen mit Trumps Rücksicht auf die Finanzmärkte. Der Spruch „Trump Always Chickens Out“ wurde deshalb zur TACO-Regel. Sie steht für die Erwartung, dass Trump bei Marktdruck zurückweicht.
Abwanderung wird zur Antwort auf Reformstau
Der Ökonom Albert O. Hirschman unterschied bei schlechten Bedingungen zwischen Widerspruch und Abwanderung. Viele Unternehmen und junge Fachkräfte wählen inzwischen die Abwanderung. Sie verlagern Kapital, Arbeit und Zukunftschancen in Länder mit besseren Bedingungen.
Andere reagieren politisch, etwa durch Stimmen für die AfD. Wer weder gehen noch protestieren will, kann Ersparnisse im Ausland anlegen. Zugleich bleibt er dem Zugriff des deutschen Staates ausgesetzt, während SPD und Linkspartei mehr Umverteilung fordern.
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