Stuttgart – Baden-Württemberg stellt im Oktober 2026 die geplante Reaktivierung von elf stillgelegten Bahnstrecken vorerst zurück. Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) begründet die Entscheidung mit erheblichen Finanzierungslücken im Schienenpersonennahverkehr. Nach Angaben des Verkehrsministeriums fehlen dem Land künftig jährlich mehrere Hundert Millionen Euro, sofern sich die Finanzierung nicht verbessert. Ursache sind unzureichende Bundesmittel und steigende Gebühren für die Trassenpreise. Deshalb konzentriert die Landesregierung ihre Mittel auf zwölf bereits laufende oder weiter fortgeschrittene Projekte. Für elf andere Verbindungen entfällt dagegen vorerst die finanzielle Unterstützung des Landes. Betroffene Regionen müssen damit mindestens bis zur nächsten Überprüfung auf neue reguläre Bahnverbindungen warten.

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Finanzierungslücke gefährdet sogar bestehende Bahnstrecken
Die finanzielle Lage des regionalen Schienenverkehrs hat sich nach Einschätzung des Verkehrsministeriums erheblich verschlechtert. Der Bund stellt den Ländern Regionalisierungsmittel zur Finanzierung des Nahverkehrs bereit. Diese reichen nach Angaben von Razavi jedoch nicht mehr aus, um die steigenden Kosten zu decken.
Hinzu kommen höhere Trassenpreise, also Gebühren für die Nutzung der Schieneninfrastruktur. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit Folgen für die Preisgestaltung. Die zusätzlichen Belastungen gefährden nach Einschätzung des Landes inzwischen sogar bestehende Zugangebote. Deshalb stellt die Regierung neue Streckenprojekte hinter die Sicherung des laufenden Verkehrs zurück.
Elf Verbindungen verlieren vorerst ihre Finanzierungsperspektive
Besonders betroffen sind Regionen, die seit Jahren auf die Wiederaufnahme des regulären Personenverkehrs warten. Dazu gehören die Verbindung Breisach–Colmar, die Bottwartalbahn zwischen Heilbronn und Marbach sowie die Kleine Teckbahn zwischen Kirchheim und Weilheim. Außerdem stellt das Land die Bollerbahn zwischen Göppingen und Bad Boll sowie die Klosterstadt-Bahn bei Maulbronn zurück. Auch die Etzwiler Bahn zwischen Singen und Ramsen erhält vorerst keine entsprechende Unterstützung.
Weitere Rückstellungen betreffen die Verbindung Balingen–Rottweil und die Strecke Leutkirch–Isny. Hinzu kommen die Eyachtalbahn zwischen Eyach und Hechingen sowie die zweite Etappe der Ablachtalbahn zwischen Meßkirch und Mengen. Auch die Schwäbische-Alb-Bahn zwischen Gammertingen, Engstingen und Münsingen gehört zur zurückgestellten Gruppe. Damit verlieren mehrere ländliche Regionen vorerst die Aussicht auf einen aus Landesmitteln unterstützten Ausbau des regulären Bahnverkehrs.
Zwölf Bahnstrecken erhalten weiterhin Unterstützung
Anders bewertet das Land zwölf Projekte, deren Umsetzung bereits läuft oder deren Planung ausreichend fortgeschritten ist. Die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt fährt bereits seit Januar 2026. Außerdem laufen Bauarbeiten zur Verlängerung der S2 zwischen Bernhausen und Neuhausen sowie an der Unteren Wutachtalbahn zwischen Lauchringen und Weizen.
Weitere Vorhaben behalten ihre Priorität, obwohl sie sich noch in der Planung befinden. Dazu zählen die Zabergäubahn, Kochertalbahn, Talgangbahn und Echaztalbahn sowie die Gomaringer Spange. Auch die Markgröninger Bahn, Kandertalbahn und Krebsbachtalbahn gehören dazu. Hinzu kommt die erste Etappe der Ablachtalbahn zwischen Stockach und Meßkirch. Das Land beteiligt sich weiterhin an der Planung und stellt bei entsprechender Bundesförderung eine Kofinanzierung in Aussicht.
Nach fünf Jahren soll eine Neubewertung erfolgen
Die Entscheidung bedeutet noch keine endgültige Aufgabe der elf zurückgestellten Vorhaben. Nach Angaben von Razavi sollen die Projekte nach fünf Jahren erneut auf den Prüfstand kommen. Allerdings bleibt eine spätere Finanzierung von der Haushaltslage abhängig. Für betroffene Kommunen entsteht deshalb eine mehrjährige Unsicherheit bei der Verkehrsplanung.
Dabei hat Baden-Württemberg bereits einen erheblichen Teil seines früheren Schienennetzes verloren. Zwischen 1960 und den 1990er-Jahren verschwanden mehr als 1.500 Kilometer Bahnstrecken aus dem Betrieb. Das Verkehrsministerium bewertet diese Stilllegungen heute selbst als Fehler. Dennoch verhindern die aktuellen Finanzierungslücken nun die Wiederaufnahme des Verkehrs auf zahlreichen Verbindungen. Der Widerspruch zwischen langfristigen Ausbauzielen und verfügbaren Haushaltsmitteln wird damit immer deutlicher.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: SWR (10.10.26) – SWR (09.10.26) – Ministerium für Verkehr BW (08.10.26) – Ministerium für Verkehr BW (04.05.26)
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