Deutschland verzeichnet 2025 erneut weniger ausländische Investitionen. Laut einer aktuellen EY-Standortanalyse kündigten ausländische Unternehmen nur noch 548 Projekte an. Das entspricht einem Rückgang um zehn Prozent. Zugleich setzt sich damit die Negativserie zum achten Mal fort. Der Wert liegt so niedrig wie seit 2009 nicht mehr. Als zentrale Ursachen gelten hohe Kosten, teure Energie, Steuern und eine träge Verwaltung. Deshalb drohen weniger neue Werke, weniger Jobs und ein weiterer Verlust industrieller Substanz (ey: 21.05.26).
Warum Investitionen aus dem Ausland Deutschland meiden
Der Rückgang trifft einen Standort mit langer industrieller Tradition. Deutschland galt lange als verlässlich, gut angebunden und technologisch stark. Doch internationale Unternehmen vergleichen Standorte heute härter. Deshalb zählen Genehmigungsdauer, Energiekosten und Steuerlast stärker als frühere Stärken.

Deutschland bleibt im europäischen Vergleich zwar auf Platz drei. Frankreich und Großbritannien liegen weiter vorn. Zugleich verdeckt dieser Rang die Schwäche der Entwicklung. Seit dem Höchststand 2017 hat sich die Zahl der Projekte in Deutschland mehr als halbiert. Damit fällt der Rückgang deutlich stärker aus als bei anderen großen europäischen Volkswirtschaften.
Hohe Energiepreise schwächen die industrielle Basis
Die Kostenstruktur belastet besonders energieintensive Branchen. Unternehmen prüfen neue Standorte nach langfristigen Betriebskosten. Deshalb verlieren Länder mit teurem Strom schneller an Attraktivität. Hinzu kommt die Unsicherheit über künftige Energiepreise. Für neue Werke zählt jedoch Planungssicherheit.
Auch die Bürokratie bremst Entscheidungen. Viele Firmen brauchen schnelle Verfahren für Werke, Entwicklungszentren oder Logistikstandorte. Deutschland bietet jedoch oft lange Abläufe und komplexe Zuständigkeiten. Zugleich werben andere Staaten mit digitalen Prozessen und klaren Steueranreizen. Dadurch verschiebt sich Kapital schneller in andere Märkte.
Weniger Projekte bedeuten weniger neue Arbeitsplätze
Rückläufige Investitionen treffen nicht nur Statistiken. Jedes gestrichene Projekt kann fehlende Zulieferaufträge bedeuten. Es kann auch weniger Forschungsausgaben und weniger neue Stellen auslösen. Deshalb wiegt der Trend besonders schwer für Industrieregionen außerhalb der großen Metropolen.
Auch deutsche Unternehmen zeigen mehr Vorsicht. Sie kündigten 2025 deutlich weniger Projekte im europäischen Ausland an. Zugleich zeigt dieser Einbruch eine breitere Investitionsschwäche. Die Zurückhaltung betrifft also nicht nur ausländische Firmen. Sie verweist auf schwache Konjunktur, sinkende Gewinne und unsichere Erwartungen.
USA gewinnen an Bedeutung, China zieht sich zurück
Bei den Herkunftsländern verschiebt sich das Gewicht. US-Unternehmen steigerten ihre Projektzahl in Deutschland. Damit rückten sie an die Spitze der ausländischen Investoren. China fiel dagegen zurück. Zugleich gingen Vorhaben aus Großbritannien und der Schweiz zurück.
Eine Sonderrolle nimmt der Verteidigungsbereich ein. Dort entstehen wegen der veränderten Sicherheitslage mehr Projekte in Europa. Auch Deutschland profitiert in begrenztem Umfang davon. Dieser Zuwachs gleicht die Schwäche der übrigen Industrie jedoch nicht aus. Der Standort braucht deshalb schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche Regeln.
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