Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland fällt stärker aus als noch im Frühjahr erwartet. Die führenden Institute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent erhöht. Allerdings warnt Ifo-Präsident Clemens Fuest vor einer zu positiven Bewertung der Entwicklung. Knapp 40 Milliarden Euro finanzpolitische Impulse tragen laut Ifo in diesem Jahr erheblich zum Wachstum bei. Gleichzeitig bleiben private Investitionen schwach, während neue Schulden künftige Zinslasten erhöhen. Fuest erwartet deshalb spätestens ab Mitte 2027 deutlich schwierigere Bedingungen.

Bild: Kuwilsky-Sirman, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Bessere Stimmung trifft auf weiterhin schwache Investitionen
Zunächst sprechen mehrere Indikatoren für eine wirtschaftliche Erholung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im September von 88,8 auf 89,9 Punkte. Damit verbesserte sich die Stimmung der Unternehmen zum fünften Mal in Folge. Besonders die Elektrobranche blickt optimistischer nach vorn, während die Autoindustrie weiterhin Schwierigkeiten meldet.
Außerdem haben sich Industrie und Exporte im ersten Halbjahr besser entwickelt als erwartet. Davon profitierten unter anderem Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie sowie Zulieferer. Zusätzliche Nachfrage entsteht durch Rechenzentren und Investitionen in Digitalisierung. Allerdings bleiben Unternehmensinvestitionen und privater Konsum laut Gemeinschaftsdiagnose vergleichsweise schwach.
Wirtschaftsaufschwung hängt stark an öffentlichen Ausgaben
Nach Berechnungen des Ifo-Instituts erreichen die finanzpolitischen Impulse 2026 knapp 40 Milliarden Euro. Das entspricht laut Fuest grob zwei Dritteln des erwarteten Wachstums von 1,3 Prozent. Der Wirtschaftsaufschwung ist damit nach seiner Einschätzung noch nicht selbsttragend. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Nachfrage entsteht vielmehr durch staatliche Ausgaben, darunter für Verteidigung und Infrastruktur.
Gleichzeitig wachsen die finanziellen Belastungen des Staates. Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet ein Finanzierungsdefizit von 4,1 Prozent des BIP im Jahr 2026 und 4,7 Prozent im Jahr 2028. Außerdem soll die Schuldenquote von 62,7 Prozent im Jahr 2025 auf 68,8 Prozent im Jahr 2028 steigen. Die Institute rechnen deshalb mit deutlich höheren Zinsausgaben in den kommenden Jahren.
Ab Mitte 2027 drohen schwächere Wachstumskräfte
Für 2027 erwarten die Institute noch 1,1 Prozent Wachstum. Allerdings sinken die zusätzlichen finanzpolitischen Impulse laut Fuest auf rund 27 Milliarden Euro. Gleichzeitig könnten die bisherigen Aufholeffekte spätestens Mitte 2027 weitgehend ausgeschöpft sein. Für einen dauerhaft tragfähigen Wirtschaftsaufschwung müssten deshalb private Investitionen, Innovationen und Produktivität stärker zulegen. Hinzu kommt eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, die das langfristige Wachstum begrenzt.
Die langfristige Prognose zeigt bereits eine deutliche Abschwächung. Für 2028 rechnen die Institute lediglich mit 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig dürfte die Erwerbstätigkeit zunächst weiter sinken, während die Inflation 2027 auf 3,2 Prozent steigen könnte. Auch die Bundesbank sieht für das dritte Quartal 2026 nur ein leichtes Wachstum und verweist auf schwachen Konsum sowie gedämpfte private Investitionen.
Fuest kritisiert deshalb auch kurzfristige Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung. Einen allgemeinen Tankrabatt bezeichnet er als „Schnapsidee“, weil die Entlastung stark vom Kraftstoffverbrauch abhänge. Pendler mit langen Arbeitswegen könne der Staat nach seiner Einschätzung gezielter über die Pendlerpauschale entlasten. Entscheidend bleibt für Fuest jedoch, zusätzliche Schulden so einzusetzen, dass daraus langfristig höhere wirtschaftliche Erträge entstehen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (25.09.26) – Ifo-Institut (23.09.26) – Reuters (24.09.26)
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